Das Wichtigste auf einen Blick:

Beim Assessment Center handelt es sich um eine Auswahlphase im Bewerbungsverfahren, die in der Regel nach dem Bewerbungsgespräch stattfindet.
Bis zu 15 Kandidaten absolvieren dabei eine Reihe von Übungen, um ihre Eignung für die ausgeschriebene Position unter Beweis zu stellen.
Das Assessment Center soll nicht nur die praktischen Kompetenzen der Bewerber prüfen, sondern auch ihre sozialen Fähigkeiten.
Als typische Aufgaben dienen dabei Stress-, Intelligenz- und Persönlichkeitstests, die typischen Arbeitssituationen nachempfunden wurden.

Bewerbung, Vorstellungsgespräch, Zusage: So sah der Bewerbungsprozess in der Vergangenheit in aller Regel aus. Inzwischen betreiben viele Unternehmen jedoch einen deutlich größeren Aufwand, um geeignete neue Mitarbeiter zu finden. Ein wichtiges Instrument hierfür ist das Assessment Center. In diesem Beitrag erfährst du, worum es sich dabei handelt, was auf dich zukommen kann und wie du dich optimal auf das Assessment Center vorbereitest.

Was ist ein Assessment Center?

Eine Einladung zum Assessment Center (kurz: AC) zu erhalten, ist eigentlich eine gute Nachricht. Es bedeutet, dass du die Personalverantwortlichen eines möglichen Arbeitgebers mit deiner Bewerbung bis hierhin überzeugt hast. Meist hast du zu diesem Zeitpunkt schon das Vorstellungsgespräch hinter dir; nun geht der Bewerbungsprozess mit dem Assessment Center in die nächste Runde.

Viele Bewerber macht der Gedanke an das Assessment Center jedoch sehr nervös. Das hängt auch damit zusammen, dass es sich dabei um ein noch verhältnismäßig neues Instrument zur Auswahl von Personal handelt. Oft mangelt es Bewerbern an Wissen, was beim Assessment Center überhaupt auf sie zukommen kann.

Die Bezeichnung Assessment Center kommt vom englischen Verb „to assess“, das so viel bedeutet wie etwas „bewerten“ oder „abschätzen“. Genau darum geht es beim AC: Ein Unternehmen möchte meist mehrere vielversprechende Bewerber auf Herz und Nieren prüfen. So finden die Personalverantwortlichen heraus, welche Kandidaten wirklich eine gute Wahl bei der Besetzung einer Stelle sein könnten und welche sich wahrscheinlich doch nicht eignen. Im Vorstellungsgespräch haben die Personaler zwar einen ersten Eindruck der Kandidaten bekommen, wissen aber nicht, wie sie sich in praxisnäheren Situationen verhalten würden. Genau das wird im Assessment Center getestet.

Vor allem zur Besetzung von begehrten Jobs setzen insbesondere größere Unternehmen immer häufiger ein solches Assessment Center zur Bewerberauswahl ein. Sie möchten damit Fehlbesetzungen und die damit verbundenen Kosten vermeiden. Das Assessment Center besteht aus einer Reihe von Übungen. Meist nehmen zwischen fünf und fünfzehn Teilnehmern an dieser Auswahlrunde teil. Geht es um die Besetzung einer Führungsposition, testen Unternehmen oft auch nur einen einzigen Bewerber. Typischerweise wird das Assessment Center bei Neueinstellungen genutzt. Es kommt mitunter aber auch zum Einsatz, wenn es um Beförderungen oder interne Jobwechsel geht.

Ablauf und typische Aufgaben eines Assessment Centers

Ein Assessment Center besteht aus verschiedenen Aufgaben und Übungen, die das Ziel haben, deine fachliche Kompetenz und deine sozialen Fähigkeiten zu testen. Meist dauert ein AC zwischen einem und drei Tagen. Mitarbeiter aus der Personalabteilung beobachten die Teilnehmer im Verlauf des ganzen ACs. Sie sind als Assessoren bekannt.

Das Assessment Center beginnt meist mit einer Vorstellungsrunde. Vordergründig sollen sich die Teilnehmer dabei kennenlernen. In Wahrheit kommt es darauf an, wie gut du eine kurze Präsentation in eigener Sache vortragen kannst. Eine Variante dieser Präsentation ist die gegenseitige Vorstellung. Du unterhältst dich etwa mit einer anderen Person und erfährst mehr über sie. Anschließend stellst du sie vor – und sie dich.

Einen Teil der Aufgaben musst du alleine erledigen. Andere Übungen finden mit einem Partner oder in einer Gruppe statt. Das Spektrum an möglichen Aufgaben ist breit, so dass die Ausgestaltung des ACs variiert. Bestimmte Aufgaben kommen jedoch fast immer vor – darunter die Gruppendiskussion und Rollenspiele.

Typische AC-Aufgaben in der Gruppe

Eine typische Aufgabe in der Gruppe ist die Gruppendiskussion. Dabei diskutierst du mit anderen Kandidaten über einen bestimmten Sachverhalt. Es kann dabei zum Beispiel um die Pros und Kontras dieses Sachverhalts gehen. Nicht zwangsläufig hat die Diskussion inhaltlich etwas mit der zu besetzenden Stelle oder dem Unternehmen zu tun. Es kann sich auch um davon gänzlich unabhängige Fragestellungen handeln. 

Bei der Gruppendiskussion kommt es nicht nur darauf an, dass du deinen Standpunkt gut vertreten kannst. Die Assessoren beobachten vielmehr, wie du mit deinen Gesprächspartnern umgehst. Lässt du sie ausreden? Hörst du zu? Bist du schüchtern oder trittst du selbstbewusst auf? Kannst du dich durchsetzen? Bringen deine Beiträge die Debatte weiter? Bleibst du sachlich, auch wenn die Debatte hitziger wird? Vor der Diskussion hast du eine kurze Vorbereitungszeit. Insgesamt umfasst diese Übung meist etwa eine Stunde. 

Beliebt im AC sind auch Rollenspiele. Diese können als Partnerübung mit anderen Teilnehmern stattfinden oder alternativ mit Mitarbeitern der Personalabteilung. Hier geht es darum, deine Stressresistenz und deine kommunikativen Fähigkeiten zu testen. Meist handelt es sich um ein fiktives Gespräch mit einem Mitarbeiter oder mit Kunden. Die Problemstellung sieht in der Regel vor, dass das Gespräch schwieriger Natur ist – zum Beispiel, weil es einen Konflikt mit dem betreffenden Gesprächspartner gibt.

Strategische Störung

Du kannst dich darauf einstellen, immer wieder gestört zu werden – etwa durch Anrufe oder einen Streit deiner Gesprächspartner. Hier geht es darum, ruhig zu bleiben, eine Lösung zu finden und Kompromisse einzugehen. Dazu musst du gut zuhören können und nicht nur selbst reden. Nur dann erfährst du mehr über deine(n) Gesprächspartner. Das ermöglicht es dir, tragbare Lösungen zu finden.

Auch andere Aufgaben sind gegebenenfalls zu zweit oder in der Gruppe zu bearbeiten. Dazu können etwa Fallstudien gehören, bei denen eine bestimmte Problematik gelöst werden muss.

Typische Einzelaufgaben im Assessment Center

Eine der verbreitetsten Aufgaben, die du im AC alleine lösen musst, betrifft die kurze Selbstpräsentation zu Beginn. Du hast dafür meist fünf bis zehn Minuten Zeit. Überlege vorher, welche interessanten Aspekte über dich für andere besonders wichtig sind. Diese Aufgabe kannst du gut schon zuhause üben.

Auch thematische Präsentationen zu bestimmten Sachfragen sind im Assessment Center denkbar. So kannst du etwa gebeten werden, über aktuelle Themen aus Politik und Gesellschaft zu referieren.

Die Postkorbübung

Ein Klassiker im AC ist die sogenannte Postkorbübung. Dabei geht es darum, verschiedene Dokumente zu bearbeiten, die sich in deinem Posteingang befinden. Darunter sind dringende und weniger dringende Anliegen. Deine Aufgabe ist es, zu sortieren, was du wann erledigst. Was hat die höchste Priorität? Was erledigst du zuerst? Was kannst du gegebenenfalls an andere delegieren?

Bei dieser Aufgabe hast du in der Regel großen Zeitdruck. Auch Unterbrechungen, etwa in Form eines Anrufs, sind häufig, um deine Stressresistenz weiter zu testen. Im Vordergrund stehen deine organisatorischen Kompetenzen und deine Belastbarkeit in stressigen Situationen. Die Postkorbübung dauert inklusive Vorbereitung meist bis zu einer Stunde. Alternativ können im Assessment Center auch andere organisatorische Übungen, wie zum Beispiel die Fact-Finding-Übung, angewandt werden.

Andere Aufgaben, die du alleine ausführen sollst, sind zum Beispiel Tests – etwa Kompetenztests, Intelligenztests und Persönlichkeitstests. Typisch ist auch ein Feedback-Gespräch am Ende des Assessment Centers. Dabei geht es darum, den Tag (oder die Tage) zu reflektieren und die eigene Performance einzuschätzen.

Die Assessoren geben dir auch eine Rückmeldung. Das Einzelgespräch verläuft meist ähnlich wie ein Vorstellungsgespräch. Mache dich darauf gefasst, dich zu deinen Stärken, Schwächen, besonderen Erfolgen oder Rückschlagen zu äußern. Es kann auch sein, dass du gebeten wirst, die anderen Kandidaten einzuschätzen.

Worauf kommt es beim Assessment Center an?

Viele Bewerber machen den Fehler, zu glauben, ihr Erfolg oder Misserfolg hänge in erster Linie davon ab, wie gut sie die einzelnen Aufgaben lösen. Das ist zwar wichtig, doch in der Regel kommt es weniger auf das perfekte Ergebnis an. Stattdessen zählt die Art und Weise, in der du eine Aufgabe angehst, oft mehr.

Ein analytisches Vorgehen spielt eine wichtige Rolle – und zwar auch dann, wenn äußere Faktoren dir zusätzlichen Stress verschaffen. Du solltest bei den jeweiligen Aufgaben immer die Zeit im Blick behalten, damit du sie rechtzeitig zum Abschluss bringen kannst.

An einem Assessment Center nehmen mehrere Assessoren teil. Sie beobachten die Teilnehmer im gesamten Verlauf des ACs – auch in den Pausen. Dein Verhalten während der Aufgaben, aber auch in der Zeit dazwischen ist aus Sicht der Personaler aussagekräftig. Deshalb zählt auch, wie du dich beim Mittagessen verhältst oder wie du im Pausengespräch mit anderen Kandidaten auftrittst. Zeigst du dich teamfähig und kommunikativ? Wie gehst du mit Druck während der Aufgaben um? Trittst du insgesamt souverän auf?

Ein weiterer Fehler ist es, zu glauben, im Assessment Center müsstest du alle anderen Kandidaten ausstechen. Natürlich möchtest – und solltest – du positiv hervorstechen. Das bedeutet aber nicht, dass du deine Mitbewerber als Gegner betrachten solltest. Teamfähigkeit ist im Job ein wichtiger Soft Skill. Wer mit anderen kooperieren kann, kommt weiter und liefert oft bessere Ergebnisse. Ob du Lösungen und Kompromisse finden kannst, die für alle tragbar sind, ist deshalb entscheidend.

So bereitest du dich richtig auf das Assessment Center vor

Mit der richtigen Vorbereitung verliert das Assessment Center seinen Schrecken. Je mehr du über die Aufgaben weißt, die auf dich zukommen können, desto gelassener kannst du in diese Bewerbungsrunde gehen. Mache dich mit den verschiedenen Aufgaben vertraut und übe sie, soweit das möglich ist, schon vorher. Manche Aufgaben kommen fast immer vor, darunter die Selbstpräsentation, die Gruppendiskussion, Rollenspiele und Tests.

Übung macht den Meister

Viele Aufgaben kannst du vorher mit anderen üben, etwa deine Selbstpräsentation und ein Gruppengespräch. Deine Gesprächspartner können dir wichtiges Feedback zu deinem Auftreten geben. Das können Außenstehende häufig treffsicherer einschätzen als man selbst. Die Tipps deiner Gesprächspartner können dir helfen, im eigentlichen Assessment Center einen gelungeneren Auftritt hinzulegen.

Vor dem Assessment Center solltest du dich gut über den möglichen Arbeitgeber informieren. Sammle alle Informationen, die du finden kannst – zum Beispiel zu Produkten, der Branche und der Unternehmensführung. So bist du vorbereitet, wenn diese Informationen im AC gefragt sind.

Sei gelassen und verhalte dich authentisch

Zeitungen auf einem Ständer.
Für das Assessment Center ist es von Vorteil, über das aktuelle Geschehen informiert zu sein.

Des Weiteren solltest du dich über das aktuelle Geschehen informieren. Wenn sich Gruppendiskussionen um aktuelle politische Themen drehen, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass du dich dabei souverän zeigen kannst. Je mehr du weißt, desto eher bringst du die Unterhaltung oder Debatte voran.

Falls in der Stellenausschreibung bestimmte Sprachkenntnisse verlangt werden, solltest du dich darauf einstellen, eine oder mehrere Aufgaben in der betreffenden Sprache lösen zu müssen. Zur Vorbereitung ist es hilfreich, dich einfach mit anderen in dieser Sprache zu unterhalten. Das hilft, im Assessment Center flüssiger und fehlerfreier zu formulieren.

Im Assessment Center selbst solltest du gelassen bleiben. Verhalte dich authentisch – die Assessoren möchten dich schließlich so kennenlernen, wie du tatsächlich bist. Tritt selbstbewusst auf, ohne dich aufzuspielen oder dich allzu sehr in den Vordergrund zu drängen. Wenn du ausgeschlafen bist und vorher etwas gegessen und getrunken hast, kannst du dich besser konzentrieren. So kannst du dich im Assessment Center optimal präsentieren und die Aufgaben strukturiert umsetzen.

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