Manche Menschen fühlen sich von schwierigen Situationen schnell überfordert. Andere wiederum scheinen jede Herausforderung problemlos zu meistern und sich von Stress und Druck nicht beeindrucken zu lassen. Dahinter steckt in vielen Fällen eine innere Widerstandsfähigkeit, die auch unter dem psychologischen Begriff Resilienz bekannt ist. Was Resilienz bedeutet, welche Rolle sie für deinen Erfolg im Berufsleben spielt und ob sie erlernt werden kann, erfährst du in diesem Artikel.

Resilienz: Was steckt hinter dem Begriff?

Der Begriff Resilienz wird zwar immer häufiger gebraucht. Seine Bedeutung ist jedoch vielen Menschen weiterhin nicht klar. Kein Wunder: Denn Resilienz kann viele Ausprägungen haben.

Ursprünglich stammt der Begriff aus der lateinischen Sprache. Das Wort „resilire“ bedeutet so viel wie „zurückspringen“ oder „abprallen“. Somit bezeichnet die Resilienz ganz allgemein ausgedrückt die Fähigkeit, auch gegen Widerstände standhaft zu bleiben.

Wer resilient ist, ist in der Lage, flexibel auf sich ändernde Umstände zu reagieren. Rückschläge und Niederlagen werden von resilienten Menschen daher besser weggesteckt. Sie sind dazu fähig, ihren Weg trotz widriger Umstände zu verfolgen. Oft gehen sie aus einer Krise gestärkt und nicht geschwächt hervor.

Resiliente Menschen lassen sich außerdem generell schwerer aus der Fassung bringen. Gemeinhin wird jemand daher als resilient beschrieben, der sich von Gegebenheiten, die andere Menschen psychisch stark mitnehmen würden, nicht angreifen lässt.

Warum Resilienz ein wichtiger Erfolgsfaktor ist

Sich nicht so leicht unterkriegen zu lassen, ist in jeder Lebenslage ein klarer Vorteil. Das gilt auch im Beruf. Weil Widerstandskraft eine so große Tragweite hat und sich auf viele verschiedene Verhaltensweisen auswirkt, ist sie ein essenzieller Soft Skill und aus Sicht des Arbeitgebers ein klarer Pluspunkt.

Arbeitgeber schätzen Resilienz als Soft Skill sehr.

Wer auch in schwierigen Lagen innere Stärke beweist, behält einen kühlen Kopf. Resiliente Menschen können außerdem häufig mit Stress und Druck besser umgehen als andere. Auch Kritik oder unfreundliches Verhalten anderer nehmen sie weniger persönlich und zweifeln nicht sofort an sich selbst, wenn es ein Problem gibt. Sie wissen, dass sie sich auch um sich selbst kümmern müssen. Ihnen gelingt der Ausgleich zum Stress besser als vielen Mitmenschen. Dazu kann auch gehören, ein Gespräch mit dem Chef zu suchen, wenn die Arbeitsbelastung einfach zu hoch ist. Sie fordern eher ein, was nötig ist, damit sie ihre Arbeit gut machen können.

Resilienten Menschen fällt es leichter, sich an neue Umstände anzupassen

Resiliente Menschen verzweifeln nicht angesichts ihrer scheinbar ausweglosen Lage, sondern suchen lieber unaufgeregt nach tragfähigen Lösungen. Das gilt auch in der Zusammenarbeit mit Kollegen. Gibt es Konflikte, steht die Suche nach Kompromissen im Vordergrund – und nicht die emotionale Austragung des Problems, die nur zu mehr Frust führen würde. Diese Eigenschaft ist nicht nur für die betroffenen Mitarbeiter selbst positiv, sondern kann sich auch positiv auf das gesamte Betriebsklima auswirken.

Eine Frau hält ein Baby im Arm, während sie am Telefon einen Termin macht.
Resiliente Menschen können sich in der Regel schnell auf neue Situationen einstellen.

In einer sich verändernden Arbeitswelt ist es außerdem wichtig, flexibel zu bleiben. Ein resilienter Mitarbeiter ist häufig besonders anpassungsfähig. Auch sich wandelnde Umstände stellen ihn nicht vor eine größere Herausforderung. Er kommt damit zurecht, wenn sich Abläufe und Strukturen ändern, Vorgesetzte wechseln oder das Aufgabenfeld neu zugeschnitten wird. Veränderung ist für resiliente Menschen nicht furchteinflößend oder etwas per se Negatives, sondern eine Chance zur Verbesserung.

Kann man Resilienz lernen?

Ob ein Mensch widerstandsfähig ist oder nicht, hängt einerseits mit seiner Persönlichkeit und seiner persönlichen Entwicklung im Laufe des Lebens zusammen. So, wie ein Mensch mehr Humor hat als ein anderer, eher gelassen bleibt oder zum Jähzorn neigt, fällt es manchen Menschen leichter, Resilienz zu zeigen. Sie lassen sich von Krisen nicht so leicht aus der Bahn werfen und bleiben standhaft, auch wenn der Wind ihnen kräftig ins Gesicht weht.

Das bedeutet jedoch nicht, dass Widerstandskraft nicht auch erlernt werden kann. Jüngeren Menschen fällt das zwar oft leichter, aber auch ältere Menschen können sich ändern. Das gelingt in Bezug auf Resilienz vor allem, indem du deine grundlegende Denkweise änderst. Resiliente Menschen haben die Fähigkeit, nach vorne zu blicken – selbst dann, wenn die Lage gerade aussichtslos erscheint. Sie sind oft selbstbewusst und wissen um ihre Talente und Fähigkeiten. Wichtige Faktoren, die über die Resilienz eines Menschen entscheiden, sind zum Beispiel, ob die Person verantwortungsbewusst handelt.

Menschen mit Widerstandskraft sehen sich nicht als Spielball des Schicksals, sondern nehmen ihr Schicksal vielmehr selbst in die Hand – und das gilt auch für das Erlernen von Resilienz.

So wirst du resilienter

Es gibt zahlreiche Trainings, um Resilienz zu erlernen. Dabei lernst du meist in kleinen Gruppen, wie du deine Verhaltensweisen und Denkmuster ändern kannst. Auch Einzeltrainings werden angeboten. Sollte so ein Training nichts für dich sein, gibt es natürlich auch viele weitere Möglichkeiten, um widerstandsfähiger zu werden.

Ein grünes Haken-Symbol

Um deine Verhaltensweisen und Gedanken bewusst zu steuern, kann es sich beispielsweise anbieten, regelmäßig zu meditieren. Dabei lernst du unter anderem, dass es in deiner Hand liegt, welche Gedanken und Emotionen du verfolgen möchtest, weil sie dir guttun. Somit bist du mit etwas Übung eher in der Lage, unproduktive Stimmungen und Gefühle ganz bewusst hinter dir zu lassen. Du lernst bei der Meditation, dass du nicht fremdgesteuert und ohnmächtig bist, sondern selbst beeinflussen kannst, wie dein Weg verläuft.

Auch andere Übungen zur Achtsamkeit können hilfreich sein, um deine Resilienz zu fördern – zum Beispiel Yoga.

Emotionen zügeln

Ein wichtiger Faktor für die Resilienz einer Person ist ihre Fähigkeit, durchdacht und nicht impulsiv zu reagieren. Das kannst du ganz leicht üben: Atme tief durch, wenn du in einer schwierigen Lage bist oder dich gerade über etwas ärgerst. Zähle ruhig bis zehn und versuche dabei, auf deine Atmung und deinen Körper zu achten und nicht auf deine Gedanken und Gefühle. Oft ist es schon nach wenigen Sekunden des Innehaltens wesentlich leichter, die eigene Reaktion bewusst zu steuern – und konstruktiv zu handeln, statt wütend oder emotional zu reagieren. 

Wer sich selbst akzeptiert, ist resistenter gegen Erschütterungen von außen.

Auch die Selbstakzeptanz mit allen Stärken und Schwächen spielt für die Resilienz eine wichtige Rolle. Wahrscheinlich fällt es dir leichter, deine Mankos aufzuzählen als deine Vorzüge. Auch das ist zwar wichtig, denn du musst lernen, diese Schwachpunkte zu akzeptieren – um sie anschließend nach und nach, falls nötig, zu verbessern. Aber nur, wenn du auch weißt, welche guten Eigenschaften du hast, kannst du zu einem wirklich selbstbewussten Menschen werden, den so leicht nichts aus der Ruhe bringt.

Eigenschaften, die dich resilienter machen

Viele Faktoren helfen dir dabei, widerstandsfähiger zu werden. Damit du genau weißt, welche Eigenschaften dabei wichtig sind, haben wir für dich noch eine kurze Auflistung zusammengestellt.

Positiv denken

Klingt einfach, ist aber ein wichtiger Faktor in Sachen Resilienz. Jeden Tag passieren dir sowohl positive als auch negative Dinge. Man kann es durchaus trainieren, sich auf die guten Dinge zu konzentrieren. Dabei hilft es zum Beispiel, in einem Tagebuch festzuhalten, was am heutigen Tag alles positiv war.

Akzeptiere deine Situation

Leugnen hilft nichts. Du wirst merken, dass es viel einfacher ist, deine Situation zu akzeptieren. Anstatt in Selbstmitleid oder Panik zu versinken, solltest du aktiv nach Lösungen suchen. Ganz nach dem Motto: Ändere, was du ändern kannst, und akzeptiere, was du nicht ändern kannst.

Freunde und Familie

Nein, um resilient zu sein, musst du nicht zum Einzelgänger werden. Im Gegenteil: Ein soziales Netzwerk, das dich stützt, ist ein großer Vorteil, wenn du mit Stress und Problemen zu kämpfen hast. Jeder braucht ein Netz, das einen im Notfall auffängt.

Selbstwahrnehmung

Auch hier heißt es: positiv sein. Selbstakzeptanz ist der erste Schritt zum Selbstbewusstsein. Jeder Mensch hat seine Fehler, du musst nur lernen, wie du mit dem, was du hast, am besten arbeiten kannst.

Du hast die Kontrolle

Natürlich haben wir nicht auf alle Dinge im Leben einen Einfluss, doch du bestimmst, wie du mit gewissen Situationen umgehst. Statt passiv alles zu akzeptieren, lernst du Resilienz, indem du Verantwortung übernimmst und handelst.

Resilient zu sein, bedeutet nicht, dass du dir antrainieren musst, mehr zu ertragen. Es ist die Fähigkeit, konstruktiv mit belastenden Umständen umzugehen und sie auf eine gesunde Art zu verarbeiten. Mit ein bisschen Übung kannst du in Zukunft Probleme besser bewältigen und selbstbewusster aus einer Krise hervorgehen.

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