Das Wichtigste auf einen Blick:

Eine persönliche Ansprache des zuständigen Personalers hinterlässt einen besseren Eindruck als das unverbindliche “Sehr geehrte Damen und Herren”.
Egal ob Internet oder Telefonanruf: Mit ein wenig Aufwand findest du garantiert heraus, wer für deine Bewerbung zuständig ist.
Welche Grußformel sich für dein Anschreiben eignet, hängt vor allem von der Art des Unternehmens ab.

Maximal auf einer Seite der Bewerbung die eigenen Fähigkeiten pointiert in Worte fassen, glaubhaft Interesse an dem freien Job – und überhaupt: am Unternehmen! – signalisieren und dann auch noch einen Text mit Esprit schreiben, den der Personalverantwortliche mit Interesse durcharbeitet. Ja, es ist schwierig genug, ein Bewerbungsanschreiben zu verfassen. Das weiß jeder, der sich schon einmal auf eine Stelle beworben hat und vor einem leeren Blatt Papier saß. Die gute Nachricht: Es gibt in jedem Anschreiben eine Stelle in der Bewerbung, mit der du garantiert punkten kannst, noch bevor du überhaupt in deinen Text eingestiegen bist.

Sehr geehrte Damen und Herren…

Verbanne „sehr geehrte Damen und Herren“ aus deinem Wortschatz. Jeder Bewerbungscoach wird dir vorbeten, dass Banalitäten in einem Bewerbungsanschreiben nichts zu suchen haben. Warum also gleich in der Anrede mit einer beginnen? Wende dich stattdessen direkt an denjenigen, der sich mit deiner Bewerbung beschäftigen soll. Das kann ein Mitarbeiter in der Personalabteilung sein, der Personalverantwortliche oder direkt der Chef deiner neuen Traumfirma. Auf denjenigen, der sich mit deiner Bewerbung beschäftigt, hat allein dieses kleine Detail jede Menge positive Effekte.

Anrede: Sehr geehrte/r, Guten Tag oder doch Hallo?

Die Wahl der richtigen Grußformel ist wichtig. Denn so signalisierst du, dass du auf derselben Wellenlänge bist wie die Mitarbeiter des Unternehmens. Um ins Schwarze zu treffen, schaue dich auf der Firmenwebseite deines zukünftigen Arbeitgebers um und lies dir die Stellenanzeige noch einmal ganz genau durch. Ist der Tonfall eher formal und distanziert, drückst du dich besser auch entsprechend aus. Der Personalmitarbeiterin einer jungen, modernen Werbeagentur, die dich in der Stellenanzeige womöglich sogar duzt, begegnest du in deiner Bewerbung zielsicher mit einem “Hallo”.

Warum ein Anschreiben mit persönlicher Anrede beginnen?

Die Anrede steht – logisch – am Anfang des Anschreibens und ist mit hoher Wahrscheinlichkeit das allererste, was der zuständige Mitarbeiter beim Bearbeiten deiner Bewerbung liest. Der Leser fühlt sich bei einer persönlichen Anrede sofort verpflichtet, schließlich wurde er direkt adressiert. Außerdem – und das hat überhaupt nichts mit Eitelkeit zu tun – hört jeder den eigenen Namen gern. Das schafft Vertrautheit, suggeriert eine persönliche Ebene, der Ansprechpartner startet gleich mit einem guten Bauchgefühl in dein Bewerbungsschreiben.

Sprichst du hingegen niemanden konkret oder sogar eine anonyme Mehrzahl von Personen an (wie bei “sehr geehrte Damen und Herren”), verspielst du diesen Vorteil, denn deine Bewerbungsbemühung bleibt zunächst auf einer rein sachlichen Ebene. Zu allem Übel sinkt auch noch die Bereitschaft des Mitarbeiters, sich eingehend mit deinem Anschreiben auseinanderzusetzen. Sozialpsychologen sprechen in letztgenanntem Fall gern den sogenannten „Bystander-Effekt“ an: Je mehr Personen gleichzeitig adressiert werden, desto geringer ist der wahrgenommene Handlungsdruck auf eine einzelne Person. Auch Profis können sich davon nicht freimachen.

Versetze dich in den Mitarbeiter im Personalbüro.

Das ist dir zu theoretisch? Dann betrachte das Szenario doch aus einer ganz handfesten Perspektive: Gerade in großen Unternehmen trudeln täglich unzählige Bewerbungen ein, die alle abgearbeitet werden wollen. Versetze dich jetzt mal in den Mitarbeiter im Personalbüro. Dieser muss Anschreiben, die sich inhaltlich nur diffus unterscheiden, bewerten und in Beziehung setzen. Die Anrede aber ist objektiv vergleichbar. Sehr geehrte Damen und Herren: schlecht, weil tausendmal gelesen. Guten Tag, Frau Soundso: super! Jemand der sich in der Anrede Mühe gibt, sticht also sofort hervor. 

Keine Panik, Herr Koch

Apropos: Die Macht des Nachnamens

Entwarnung für alle Müllers, Meyers und Zimmermanns, die sich auf eine gehobene Position bewerben: Die berüchtigte Studie, nach der Manager-Posten eher Bewerbern mit edel klingenden Nachnamen zugeteilt werden, ist inzwischen widerlegt worden. Ein Herr Koch kann ebenso gut zum Vorstandsvorsitzenden gewählt werden, wie eine Frau König in Teilzeit Taxi fährt.

Kein Ansprechpartner in der Stellenausschreibung – was nun?

Ist ein Ansprechpartner namentlich angegeben, ist der Fall also klar. Doch was tun, wenn kein zuständiger Mitarbeiter genannt wird? Häufig ist das der Fall bei Bewerbungen über Online-Formulare, doch auch bei anderen Formaten glänzen Unternehmen bisweilen mit Anonymität. Jetzt heißt es: am Ball bleiben. In fast allen Fällen lässt sich der Ansprechpartner mit wenig Aufwand ausmachen. Und selbst wenn nicht: Je aufwändiger die nötige Recherche, desto höher dein Vorsprung vor Mitbewerbern.

Hier findest du deinen Ansprechpartner

  • Unternehmens-Webseite
  • Xing oder andere soziale Medien
  • Telefonanruf

Naheliegend ist zunächst die Recherche auf der Webseite des Unternehmens, bei dem du dich bewirbst. Möglicherweise hast du Glück und findest schon hier die richtige Person – auf den Karriereseiten der Firma oder unter dem Menüpunkt „Über uns“ ist die Trefferwahrscheinlichkeit dafür am höchsten. Vielleicht findest du genau hier sogar die Stellenanzeige erneut, nur dass dieses Mal direkt ein Ansprechpartner genannt wird. Als Faustregel kannst du dir also merken: Egal wo du die Stellenanzeige findest, checke immer als erstes den Internetauftritt des Unternehmens.

Nun wird es etwas komplizierter. Ist dein Besuch auf der Homepage des Unternehmens nicht erfolgreich, schaue dich in den sozialen Medien nach der Firma um. Besonders Karrierenetzwerke wie „Xing“ eignen sich prima, um den richtigen Adressaten für dein Anschreiben zu ermitteln. Womöglich hat die Firma, bei der du dich bewirbst, nur einen Ansprechpartner für Personalfragen – mit dem richtigen Suchbegriff und der Verwendung von Suchfiltern landest du so mit etwas Glück schnell an der richtigen Adresse.

Der Telefonanruf: Mit etwas Mut die Jobchancen deutlich verbessern

Ausgerechnet das, wovor sich vermutlich die meisten scheuen, ist die effizienteste Art, um an die wichtige Information zu gelangen: der Telefonanruf. Längst nicht jedem fällt es jedoch leicht, das Eis zu brechen. Zu viele Gedanken schwirren einem durch den Kopf: „Was genau soll ich eigentlich fragen?“, „Die merken sicher, dass ich nervös bin“, „Meine Telefonstimme ist doch furchtbar“ und einiges mehr. Dazu kommt, dass der erste Anruf in einem Unternehmen längst nicht das Ende der Fahnenstange ist. Je größer die Organisation ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass ihr euch mehrfach werdet durchstellen lassen müssen. Eine Ochsentour, sicher. Aber auch ein gutes Training: Ihr werdet schnell merken, dass ihr eure Bitte bei jedem neuen Gesprächspartner gelassener vortragen könnt.

Ein Anruf kostet oft Überwindung, aber er zahlt sich aus!

„Ich würde mein Bewerbungsanschreiben gerne persönlich adressieren, wen darf ich nennen?“ So oder ähnlich könntest du deine Frage an den Personalmitarbeiter am anderen Ende der Strippe formulieren. Wichtig: Lege dir unbedingt Zettel und Stift bereit, bevor du bei dem Unternehmen anrufst. Den Namen deines Ansprechpartners in der Bewerbung falsch zu buchstabieren ist ein No-Go! Wenn dir weitere Fragen zu der offenen Stelle einfallen: umso besser, stelle sie. Das zeigt, dass du ehrliches Interesse an dem vakanten Job hast. Ein weiterer Pluspunkt: Du hast nun einen tollen, persönlichen Einstieg in dein Bewerbungsanschreiben, denn jetzt kannst du dich darin direkt auf das Telefonat beziehen.

Keine Ausreden – ein Anruf schadet nie

„Aber einige Experten raten davon ab, wegen so einer Kleinigkeit anzurufen. Vielleicht ist absichtlich kein Ansprechpartner angeben worden!“ Komm schon, das ist eine Ausrede. Im Zweifel (und hier liegt einer vor) ist ein kurzer, charmanter Anruf immer besser als kein Anruf. Die Vorteile überwiegen deutlich die vermeintlichen Nachteile. Außerdem: Sofern du Angst hast, dass du am Telefon einen nervösen Eindruck hinterlässt, versetze dich erneut in den Personalmitarbeiter. Dieser wird umso mehr den Hut ziehen, dass du trotz deiner Nervosität den Mumm hattest, dich bei ihm zu melden. Du hast ein Telefon, der Recruiter hat eins. Worauf wartest du?

Ansprechpartner im Anschreiben: Vorteile und was das über dich aussagt

Wenn du deinen Ansprechpartner im Anschreiben beim Namen nennst, teilst du ihm viele wichtige Details über deine Persönlichkeit mit – gerade wenn der Ansprechpartner in der Stellenausschreibung nicht genannt wird und, wie oben beschrieben, etwas Recherche und sogar Überwindung notwendig war. Du verfügst offensichtlich über:

Merkst du was? Das alles sind Qualitäten, die in so gut wie jedem Stellenangebot verlangt werden und schon mit deinem Anruf hast du anschaulich bewiesen, dass diese für dich keine Fremdwörter sind. „Show, don’t tell“ (zu Deutsch etwa: „Zeigen, nicht erzählen“) nennen erfolgreiche Schriftsteller diesen Kniff, der Geschichten überzeugend, plastisch und glaubhaft wirken lässt – also genau das, was deine Bewerbung sein soll. Das, was andere irgendwo im unteren Drittel des Anschreibens einfach behaupten (und Personaler vor Langeweile scharenweise mit den Augen drehen lässt), brauchst du jetzt gar nicht mehr erwähnen.

Bildnachweise: Fer Gregory / Shutterstock.com; Antonio Guillem / Shutterstock.com