Eine gute Auffassungsgabe ist neben Teamfähigkeit, Belastbarkeit und Stressresistenz eine der wichtigsten Eigenschaften, nach denen Personaler suchen. Da aber im Grunde jeder Bewerber vorgibt, damit punkten zu können, solltest du deine Auffassungsgabe als Kompetenz in der Bewerbung so präsentieren, dass es sich interessant und aussagekräftig liest.

Deshalb erfährst du bei uns, wie du überzeugender wirkst und zeigst, dass du tatsächlich über eine gute Auffassungsgabe verfügst. Doch vorher gehen wir zunächst genauer darauf ein, was unter dieser Kompetenz überhaupt verstanden wird.

Was bedeutet Auffassungsgabe?

Auffassungsgabe ist die Fähigkeit, das Wesentliche von Sachverhalten schnell und richtig zu erfassen und zu verarbeiten. Das beinhaltet auch das rasche Unterscheiden wesentlicher und nicht wesentlicher Informationen.

Die Auffassungsgabe ist in drei Prozesse unterteilt:

  • Im ersten Schritt wird die Umwelt durch die Sinne erfasst (Hören, Fühlen, Sehen, Riechen, Schmecken).
  • In zweiter Instanz werden diese Informationen analysiert, unseren bisherigen Erfahrungen im Leben zugeordnet, emotional verarbeitet und gespeichert.
  • Nachdem wir Eindrücke und Informationen im Gehirn abgespeichert haben, können wir sie immer wieder abrufen und verwenden. Je schneller der dritte Punkt abläuft, desto besser ist unsere Auffassungsgabe. Es handelt sich also um die Kompetenz, neue Eindrücke sinngemäß abspeichern und diese auf neue Situationen adäquat anwenden zu können.

Warum Auffassungsgabe als Kompetenz in Bewerbungen gilt

Menschen, die eine gute Auffassungsgabe besitzen, können Sachverhalte schnell erfassen. Dadurch muss ihnen nicht alles doppelt und dreifach erklärt werden. Insbesondere bei komplexen Aufgaben ist es von Bedeutung, dass du dich gut konzentrieren und den Fokus auf das Wichtige legen kannst, während du Unwichtiges ausblendest. Oftmals müssen Entscheidungen schnell, aber auch zuverlässig getroffen werden. Dabei hilft eine gute Auffassungsgabe als Kompetenz immens.

Das ist für das Berufsleben insofern wichtig, als man jemanden, der die Dinge schnell erfasst, auch rasch selbstständig arbeiten lassen kann.

Auffassungsgabe als Kompetenz glaubwürdig verpacken

„Ich bin teamfähig, stressresistent und habe eine rasche Auffassungsgabe“ – eine Bewerbung mit dieser Formulierung würde ziemlich sicher nicht zu einer Einladung zu einem Vorstellungsgespräch führen, sondern eher auf dem „Leider-nein“-Stapel landen.

Falls du schon einmal Luft in der Werbebranche geschnuppert oder einen Schreibkurs belegt hast, dann wirst du an den Worten „Show, don’t tell“ (zu Deutsch: „Zeigen, nicht erzählen“) nicht vorbeigekommen sein. Dieser Satz gilt auch für Bewerbungsschreiben. Es ist wenig sinnvoll, wenn du all deine positiven Eigenschaften lediglich auflistest, ohne genauer darauf einzugehen.

Wenn du dich bloß als nächster Bewerber in der Reihe mit den Eigenschaften „Teamfähigkeit“, „schnelle Auffassungsgabe“ und „Flexibilität“ brüstest, ohne sie zu belegen, bleibst du nicht im Gedächtnis der Personalers hängen. Es ist daher ratsam, dass du verdeutlichst, warum du eine bestimmte Eigenschaft besitzt und wie sich diese in der Vergangenheit gezeigt hat, in welchen Bereichen du sie erfolgreich zur Anwendung bringen konntest.

Zwei Beispiele als Formulierungshilfe

„In meiner Position als Assistent der Geschäftsführung muss ich täglich rasch Entscheidungen treffen, um meinen Chef zu entlasten. Wenn ich beispielsweise die Anrufe für meinen Vorgesetzten entgegennehme, ist es meine Aufgabe, die wichtigen Informationen zu filtern und sie an ihn weiterzuleiten.“

„Als Beraterin ist es meine tägliche Aufgabe, schnell das Wesentliche am Problem meiner Klienten zu erfassen. Ich muss rasch Entscheidungen treffen und meine Klienten an die richtige Stelle weitervermitteln. Dazu notiere ich mir gleich im Gesprächsverlauf die wichtigen Informationen.“ 

Sich eine schnelle Auffassungsgabe aneignen

Nicht jeder Mensch ist mit einer raschen Auffassungsgabe gesegnet. Doch es gibt Gewohnheiten, mit denen man sich selbst helfen kann. Wie also schaffen es manche Personen, eine solch hohe Konzentrations-, Entscheidungs- und Filterfähigkeit an den Tag zu legen?

  • Aufgabenplanung: Wer seine Aufgaben plant und Listen macht, kann dabei lernen, diese Tasks nach Prioritäten zu ordnen. Was ist dringend? Was weniger? Welche Aufgaben sind aufwendiger, welche weniger? Mit der Zeit bekommst du ein gutes Gefühl für die Antworten auf diese Fragen. Das wiederum hat sehr viel mit einer schnellen Auffassungsgabe zu tun. 
  • Vorbereitung: Wenn du weißt, was du für bestimmte Aufgaben benötigen wirst, dann bereite diese Dinge bereits vor. So kannst du dich dann wirklich auf den Task konzentrieren, ohne unterbrechen zu müssen, weil du noch etwas vergessen hast. Konzentrationsfähigkeit ist nämlich ein wesentlicher Teil der Auffassungsgabe.
  • Mitschreiben: Wenn du glaubst, dass sich andere Menschen ganz einfach alles merken, dann irrst du dich. Viele merken sich gerade deshalb so viel, weil sie sich nach Gesprächen oder auch vor Terminen das Wichtigste notieren und zusammenfassen. Es ist eine Art Entlastung für das Gehirn. Wenn du dir Dinge aufschreibst, musst du deine Kapazitäten nicht mehr belasten und hast mehr Raum für neuen Input. Außerdem lernst du nebenbei gleich, dass du wirklich nur essentielle Informationen notierst und keinen Roman verfasst. 

Gespräche mit Menschen, die ohne Punkt und Komma reden, sind ein gutes Training für die eigene Auffassungsgabe. Versuche, nach einem 20-minütigen Gespräch für dich zusammenzufassen, worum es eigentlich ging. Welches war die Kernbotschaft und wie hätte man es kürzer formulieren können? Was hast du dir von dem Gespräch gemerkt? 

Denksport

Da das Auffassungsvermögen eng mit den kognitiven Fähigkeiten zusammenhängt, sind beispielsweise Denksportaufgaben eine gute Möglichkeit, das Gedächtnis zu schulen. Gleichzeitig erzielst du dadurch positive Effekte hinsichtlich deiner Auffassungsgabe.

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