Wenn Nachwuchs unterwegs ist, gibt es so einiges zu beachten – besonders die finanzielle Unterstützung in Form von Muttergeld, Elterngeld und auch Kindergeld sorgt für viele Fragen. Aus genau diesem Grund beantworten wir dir in diesem Artikel die 15 häufigsten Fragen rund um das Thema Kindergeld!

Was ist Kindergeld?

Das Kindergeld ist eine steuerliche Ausgleichszahlung und keine Sozialleistung, wie viele Menschen glauben. Es ist eine Steuervergütung nach dem Einkommensteuergesetz und soll das Existenzminimum des Kindes von der Einkommenssteuer freistellen.

Das Kindergeld wird monatlich an die Eltern des Kindes ausgezahlt.

Wo ist der Unterschied zum Kinderfreibetrag?

Der Kinderfreibetrag ist – wie der Name schon erahnen lässt – ein Freibetrag auf die Einkommenssteuer. Derzeit beträgt er pro Elternteil 2.490 Euro im Jahr plus einen Freibetrag in Höhe von 1.320 Euro für die Betreuung, Erziehung und Ausbildung des Kindes.

Du kannst den Kinderfreibetrag und das Kindergeld nicht gleichzeitig geltend machen.

Das Finanzamt prüft automatisch, welche Regelung günstiger für dich ist. Das geschieht im Rahmen der ersten Einkommenssteuererklärung. Hier werden beide Möglichkeiten gegenübergestellt, um zu ermitteln, welches das günstigere Modell für deine Familie ist.

Der Kinderfreibetrag ist in der Splitting-Tabelle erst ab einem zu versteuernden Einkommen von circa 63.000 Euro von Vorteil; in der Grundtabelle ab 33.5000 Euro. Sollte das Einkommen darunter liegen, ist meist das Kindergeld die finanziell günstigere Variante.

Du musst aber in jedem Fall einen Kindergeldantrag stellen, um einen Anspruch auf die Zahlungen oder den Kinderfreibetrag zu erhalten. Du bekommst bis zu deiner ersten Einkommenssteuererklärung das Kindergeld. Sollte der Kinderfreibetrag für dich doch günstiger sein, wird das Kindergeld als Vorauszahlung auf den Kinderfreibetrag berechnet.

Wer kann Kindergeld beantragen?

Grundsätzlich können alle Eltern Kindergeld beantragen – dazu gehören auch Adoptiveltern, Pflegeeltern und Stiefeltern. Dennoch gibt es einige Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen.

Kindergeld bekommen Eltern, die …

  • deutsche Staatsangehörige sind.
  • gemeinsam mit ihrem Kind in Deutschland leben.
  • deutsche Staatsangehörige sind, die im Ausland leben, sofern sie in Deutschland uneingeschränkt steuerpflichtig oder nur beschränkt steuerpflichtig sind, aber sozialversicherungspflichtig angestellt.
  • ausländische Staatsangehörige sind, die in Deutschland leben, wenn sie aus einem Land der Europäischen Union, Island, Liechtenstein, Norwegen oder der Schweiz kommen. Außerdem wenn sie aus einem der folgenden Länder kommen und sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind oder Arbeitslosengeld beziehen: Algerien, Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Marokko, Montenegro, Serbien, Tunesien, Türkei. Auch eine gültige Aufenthaltserlaubnis, die ihnen ein Arbeiten in Deutschland erlaubt, ist ausreichend sowie eine unanfechtbare Asylberechtigung.

Das Kindergeld wird immer nur an eine Person ausgezahlt, und zwar an die, in dessen Haushalt das Kind lebt. Wenn das Kind mit beiden Elternteilen zusammenlebt, können diese selbst entscheiden, wer von ihnen das Kindergeld erhalten soll.

In besonderen Fällen können Kinder sogar für sich selbst Kindergeld beantragen. Zum Beispiel dann, wenn das Kind eine Waise ist, es den Aufenthaltsort der Eltern nicht kennt oder bereits einen eigenen Haushalt führt, ohne Unterhalt zu bekommen.

Wie hoch ist das Kindergeld?

Das Kindergeld wird unabhängig vom Einkommen bestimmt, denn es berechnet sich aus der Anzahl der Kinder. Aktuell wird das Kindergeld wie folgt gestaffelt:

  • für das erste und zweite Kind gibt es monatlich 204 Euro
  • für das dritte Kind monatlich 210 Euro
  • für das vierte und jedes weitere Kind monatliche 235 Euro

Solltest du zwei Kinder haben, bekommst du monatlich also 408 Euro Kindergeld – bei drei Kindern bereits 618 Euro im Monat und bei vier 853 Euro.

Was ist ein Zählkind?

Du hast nur einen Anspruch auf das Kindergeld, wenn das Kind auch in deinem Haushalt lebt. Nehmen wir einmal an, du hast ein Kind aus einer früheren Beziehung, das jedoch bei dem anderen Elternteil lebt, und zwei weitere Kinder, die in deinem Haushalt leben.

Du kannst nur Kindergeld für die Geschwister beantragen, die auch bei dir leben. Allerdings hast du die Möglichkeit, das Kind, das nicht in deinem Haushalt lebt, als Zählkind anzugeben. Das bedeutet, dass die Kinder, die bei dir leben, als zweites und drittes Kind gezählt werden.

Für das zweite Kind erhältst du 204 Euro im Monat für das dritte Kind allerdings schon 210 Euro – dadurch, dass das Zählkind also mitgezählt wird, ist das Kindergeld höher.

Statt 408 Euro erhältst du 414 Euro für zwei Kinder.

Wie lange wird das Kindergeld bezahlt?

Das Kindergeld wird für alle Kinder bis zum 18. Lebensjahr bezahlt, ohne dass besondere Bedingungen erfüllt werden müssen. Anders sieht das für volljährige Kinder aus.

Die oberste Altersgrenze für den Bezug von Kindergeld liegt bei 25 Jahren.

Für volljährige Kinder kann nur Kindergeld beantragt werden, wenn sie sich in einer Ausbildung befinden oder ein Studium absolvieren. Ist diese Ausbildung beendet, verfällt auch der Anspruch auf Kindergeld. Daher fordert die Familienkasse jedes Jahr einen Nachweis über die laufende Ausbildung an.

Ein Sonderfall ist es, wenn an ein Bachelorstudium sofort ein inhaltlich ergänzendes Masterstudium angehängt wird – in diesem Fall gilt dies als eine zusammenhängende Ausbildung und der Anspruch auf Kindergeld bleibt bestehen.

Du erhältst ebenfalls weiter Kindergeld, wenn es zu einer Unterbrechung der Ausbildung/des Studiums aufgrund einer Krankheit oder einer Schwangerschaft kommt – im letzteren Fall allerdings nur für die Dauer des Mutterschutzes.

Häufig gibt es auch eine Übergangszeit zum Beispiel zwischen dem Schulabschluss und dem Beginn der Ausbildung. Solange diese Wartezeit eine Dauer von vier Monaten nicht überschreitet, steht auch volljährigen Kindern das Kindergeld weiter zu.

Auch wenn das Kind keine passende Ausbildungsstelle finden sollte, zahlt die Familienkasse weiter – allerdings musst du nachweisen, dass sich dein Kind ernsthaft bemüht, eine Stelle zu finden. Dafür kannst du einen Beleg über ein Informationsgespräch an einer Universität vorlegen oder die Absage eines Ausbildungsunternehmens.

Sollte dein Kind als arbeitslos gemeldet sein, kannst du noch bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres Kindergeld beantragen.

Sonderfall

Work-and-Travel

Wenn dein Kind nach der Schule an einem Work-and-Travel-Programm teilnimmt, entfällt der Anspruch auf das Kindergeld. Denn, wie der Name schon sagt, geht es bei dieser Reise auch darum, seinen eigenen Lebensunterhalt zu verdienen. Wenn die Familienkasse das Geld jedoch weiterhin überweist, musst du es später zurückzahlen.

Sollte dein Kind hingegen ein Freiwilliges Soziales Jahr oder den Bundesfreiwilligendienst antreten, wird das Kindergeld weiterhin bezahlt.

Es gibt nur einen Ausnahmefall, in dem das Kindergeld auch über das 25. Lebensjahr hinaus bezahlt wird: bei volljährigen Kindern mit einer Behinderung, die es ihnen unmöglich macht, sich finanziell selbst zu versorgen.

Diese Kinder erhalten lebenslang Kindergeld. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Behinderung schon vor dem 25. Lebensjahr eingetreten ist.

Wie viel darf das Kind dazuverdienen?

Volljährige Kinder dürfen nur einer Beschäftigung nachgehen, die als „unschädlich“ eingestuft ist, damit du als Elternteil weiterhin Kindergeld erhalten kannst. 

Eine Beschäftigung gilt dann als unschädlich, wenn sie:

  • im Rahmen eines Ausbildungsverhältnisses ausgeübt wird.
  • eine geringfügige Beschäftigung, ein Mini-Job oder ein 450-Euro-Job ist.
  • eine wöchentliche Arbeitszeit von 20 Stunden nicht überschreitet.

Wo und wie kann ich Kindergeld beantragen?

Die Familienkasse der Bundesagentur für Arbeit ist für die Auszahlung und Genehmigung des Kindergeldes zuständig. Den Antrag solltest du am besten direkt nach der Geburt des Kindes stellen, denn du hast bereits ab dem Geburtsmonat einen Anspruch in voller Höhe.

Außerdem wird seit dem 1. Januar 2018 das Kindergeld nur noch für sechs Monate rückwirkend bezahlt.

Den Antrag kannst du entweder direkt online ausfüllen oder ausgedruckt per Post verschicken. Es gibt einen Hauptantrag und eine Anlage „Kind“, die für jedes Kind, für das Kindergeld beantragt wird, ausgefüllt werden muss.

Solltest du im Ausland leben und in Deutschland Kindergeld beantragen, musst du zusätzlich die Anlage „Ausland“ ausfüllen.

Du musst den Antrag übrigens nicht jedes Jahr erneuern: Die Familienkasse zahlt, solange es keine Veränderungen gibt.

Wenn dein Kind eine Ausbildung beginnt, sich deine Adresse ändert oder es irgendeine Veränderung gibt, musst du dies der Familienkasse umgehend mitteilen. Das kannst du auch ganz einfach online über die „Veränderungsmitteilung“ tun.

Sonderregelung

Bekommen Beamte Kindergeld?

Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst müssen das Kindergeld nicht bei der Familienkasse beantragen. Sie benachrichtigen direkt ihren Arbeitgeber und bekommen das Kindergeld zusammen mit ihrem Gehalt bezahlt.

Welche Unterlagen benötige ich, um das Kindergeld zu beantragen?

Neben dem ausgefüllten Formular, das persönliche Angaben zu dir und deinem Kind enthält, musst du seit 2016 deine Steueridentifikationsnummer und die deines Kindes angeben.

Was kann ich tun, wenn es Probleme mit dem Kindergeld gibt?

Die Bearbeitungsdauer des Kindergeldantrags liegt normalerweise zwischen vier bis sechs Wochen. Die Familienkasse meldet sich, wenn Angaben oder Belege fehlen. Solltest du nach sechs Wochen noch nichts gehört haben, dann kannst du dich telefonisch nach dem Stand deines Antrages erkundigen.

In den meisten Fällen kannst du die Familienkasse telefonisch oder vor Ort kontaktieren, wenn du zum Beispiel weniger Geld bekommst, als du erwartet hast.

Du hast jedoch auch die Möglichkeit, Widerspruch gegen einen Kindergeldbescheid einzulegen. Innerhalb eines Monats kannst du einen Widerspruch an den Absender des Bescheids schicken oder direkt bei der Familienkasse vorbeischauen – dann wird dein Antrag erneut geprüft.

Wann muss ich Kindergeld zurückzahlen?

Sollten sich deine oder die persönlichen Verhältnisse deines Kindes ändern, kann es sein, dass sich auch dein Anspruch auf Kindergeld ändert.

Zum Beispiel, wenn dein volljähriges Kind einen Nebenjob anfängt, bei dem es mehr als zwanzig Stunden in der Woche arbeitet – denn in diesem Fall würde dein Anspruch auf Kindergeld entfallen und die bereits bezahlte Leistung gilt als Überbezahlung, die zurückgezahlt werden muss.

In diesem Fall bekommst du einen Bescheid von der Familienkasse, in der genau erklärt wird, wie hoch der Betrag ist und bis wann du ihn zurückzahlen musst.

Du solltest das Geld jedoch in keinem Fall einfach zurücküberweisen, sondern das Schreiben der Familienkasse abwarten.

Wird das Kindergeld versteuert?

Das Kindergeld unterliegt nicht der Steuerabgabepflicht und auch der Progressionsvorbehalt greift hier nicht.

Das bedeutet, dass das Kindergeld nicht auf das zu versteuernde Einkommen angerechnet wird und sich somit auch der Steuersatz nicht ändert.

Allerdings muss das Kindergeld in der Anlage „Kind“ bei der Einkommenssteuererklärung angegeben werden – so wird die monatliche Leistung vermerkt und das Finanzamt kann prüfen, ob das Kindergeld oder der Kinderfreibetrag das günstigere Modell für deine Familie ist.

Wird das Kindergeld auf das Arbeitslosengeld angerechnet?

Ob das Kindergeld auf das Arbeitslosengeld angerechnet wird, ist davon abhängig, welche Leistung man erhält.

Solltest du Arbeitslosengeld 1 beziehen, hat das Kindergeld keine Auswirkungen auf die Höhe der Zahlung. Es gilt als sogenannte „unschädliche Leistung“ – darunter fallen auch das Wohngeld und das Sozialgeld.

Anders sieht es jedoch aus, wenn du Arbeitslosengeld 2 – auch als Hartz 4 bekannt – beziehst. Denn in diesem Fall wird das Kindergeld als Einkommen betrachtet und somit vollständig auf das Arbeitslosengeld angerechnet – zumindest solange das Elterngeld an die Eltern ausbezahlt wird.

Wer bekommt einen Kinderzuschlag?

Der Kinderzuschlag ist eine zusätzliche Leistung zum Kindergeld für besonders einkommensschwache Familien. Damit du den Kinderzuschlag beantragen kannst, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Das Kind muss jünger als 25 Jahre alt sein, in deinem Haushalt leben und nicht verheiratet oder in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft sein.
  • Du bekommst Kindergeld für das Kind.
  • Dein Einkommen ist mit dem Kinderzuschlag so hoch, dass du keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld 2 oder Sozialgeld hast.
  • Dein Bruttoeinkommen beträgt mindestens 600 Euro für Alleinerziehende oder 900 Euro für Elternpaare und übersteigt nicht die Höchsteinkommensgrenze. Diese wird für jede Familie im Einzelnen berechnet und hängt unter anderem von den Lebenshaltungskosten ab.

Wenn all diese Bedingungen erfüllt sind, kannst du mit dem Kinderzuschlag einen monatlichen Zuschuss von maximal 185 Euro pro Kind bekommen.

Der genaue Betrag ist von dem Einkommen und dem Vermögen der Elternteile und des Kindes abhängig. Du kannst den Kinderzuschlag ebenfalls bei der Familienkasse beantragen.

Was ist Baukindergeld?

Das Baukindergeld ist ein staatlicher Zuschuss, der es Familien erleichtern soll, ihre eigene Immobilie zu kaufen oder zu bauen.

Pro Kind erhältst du 12.000 Euro – über zehn Jahre in einer jährlichen Rate von 1.200 Euro.

Dafür müssen jedoch einige Bedingungen erfüllt sein:

  • Du hast zwischen dem 1. Januar 2018 und dem 31. Dezember 2020 ein Haus oder eine Eigentumswohnung gekauft oder gebaut.
  • In deinem Haushalt lebt mindestens ein minderjähriges Kind, für das du Kindergeld bekommst.
  • Das Einkommen deines Haushalts liegt jährlich unter 90.000 Euro, wenn du ein Kind hast; für jedes weitere Kind steigt dieser Betrag um 15.000 Euro.
  • Das Haus oder die Wohnung ist deine einzige Immobilie und hat mehr gekostet als der gesamte staatliche Zuschuss.

Die 15 häufigsten Fragen zum Thema Kindergeld machen deutlich, dass die steuerliche Ausgleichszahlung eine große finanzielle Entlastung für Familien bietet. Unter bestimmten Umständen kann es den Nachwuchs sogar noch bis ins junge Erwachsenenalter begleiten und ihm dabei helfen, auf eigenen Beinen zu stehen.

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