Das Wichtigste auf einen Blick:

Das Sabbatjahr bezeichnet eine längere berufliche Pause und stellt eine Form des Sonderurlaubs dar.
Das Sabbatical kann länger, aber auch kürzer als ein Jahr ausfallen.
Das Sabbatjahr kann durch den Abbau von Überstunden ermöglicht werden – andernfalls sollte das Einkommen in der Zeit sichergestellt werden.
Ein rechtlicher Anspruch auf ein Sabbatjahr besteht nicht.

Das Sabbatjahr (englisch: Sabbatical) ist längst mehr als nur ein Trend aus den USA. Auch immer mehr Angestellte in Deutschland nutzen die Chance einer beruflichen Auszeit. Denn wer wünscht es sich nicht, nach jahrelanger Arbeit mal eine Pause zu machen und auf andere Gedanken zu kommen?

Ein Sabbatjahr nutzt dabei nicht nur dem Arbeitnehmer: Ein erholter und zufriedener Mitarbeiter bringt nach seiner Arbeitspause frischen Wind in die Abteilung und geht mit neuer Energie ans Werk. Den Schritt in die Arbeitspause solltest du dir jedoch gut überlegen. Denn vor Beginn eines Sabbaticals musst du einige Details klären: Wie verläuft der berufliche Wiedereinstieg und gibt es einen Anspruch auf Lohnfortzahlung während der beruflichen Arbeitspause?

Definition Sabbatjahr

Beim Sabbatjahr handelt es sich um eine Form des Sonderurlaubs. Der Ausdruck bezeichnet eine längere berufliche Pause.

Das Arbeitszeitmodell des Sabbaticals stammt ursprünglich aus den USA, wo Universitätsprofessoren schon seit längerer Zeit Sabbaticals einlegen. Diese Form des Sonderurlaubs ist bei uns auch als Frei- oder Forschungssemester bekannt. Obwohl in der Bezeichnung Sabbatjahr das Wort „Jahr“ steckt, ist die Dauer nicht auf ein Jahr beschränkt. Denn ein Sabbatjahr kann länger, aber auch kürzer sein.

Da viele Arbeitnehmer ihre angehäuften Überstunden für die Arbeitspause nutzen, hängt die Dauer des Sabbaticals oftmals direkt von der Menge der verfügbaren Überstunden ab. Um die Zahl der Überstunden zusätzlich zu erhöhen, arbeiten einige Arbeitnehmer vor der Unterbrechung Vollzeit – bei einem Teilzeitgehalt. So kommen schnell die Überstunden zusammen, die für eine mehrmonatige Auszeit benötigt werden.

Wer nicht auf Überstunden zurückgreifen möchte, der kann seinen Chef auch auf unbezahlten Sonderurlaub ansprechen. In diesem Fall muss aber zuvor geklärt werden, wie die Lebenshaltungskosten während des Sabbaticals gedeckt werden sollen.

Haben Arbeitnehmer ein Recht auf ein Sabbatjahr?

Für viele Angestellte in einem Unternehmen gilt: Ein rechtlicher Anspruch auf ein Sabbatjahr besteht nicht.

Hier muss der Arbeitgeber mit Argumenten überzeugt werden, welche Vorteile er davon hat, einem Sabbatjahr zuzustimmen. Ein frisch erholter und motivierter Mitarbeiter bringt schließlich viele Vorteile für ein Unternehmen. Liegen zudem viele Überstunden vor, so sollte einer längeren Arbeitspause nichts mehr im Wege stehen.

Anders sieht es bei Beschäftigten im öffentlichen Dienst aus – dort hat sich das Sabbatical schon länger etabliert. Die Berufsgruppe der Staatsangestellten war die erste, die in Teilen einen rechtlichen Anspruch auf ein Sabbatjahr hatte. Ablauf und Umfang werden durch Tarifverträge und Vorgaben einzelner Bundesländer geregelt.

Was treibt Menschen an, sich für ein Sabbatical zu entscheiden?

Eine Frau liegt bei Sonnenschein im grünen Gras und entspannt.
Viele Menschen wünschen sich eine Auszeit vom stressigen Berufsleben.

Die Motivation für ein Sabbatjahr liegt häufig in der Sehnsucht begründet, etwas mehr Ruhe zu finden, seine Aufmerksamkeit anderen Dingen zu widmen.

Manche Arbeitnehmer beanspruchen die Zeit für eine Reise, andere wollen verstärkt zu sich selbst finden – oder in der neu gewonnenen Freizeit größere Lebensveränderungen angehen. Professoren an Universitäten nutzen ein Sabbatical aber oftmals auch für ein Forschungssemester, bei dem die Lehrtätigkeit bei voller Gehaltszahlung ruht.

Was auch immer der Grund für die Arbeitspause ist: Richtig geplant kann ein Sabbatical sowohl dem Arbeitgeber als auch dem Arbeitnehmer nutzen.

Die Vorbereitung auf die Auszeit ist das A und O

Ein Jahr ohne Arbeit – das klingt nach Entspannung pur. Doch bevor es losgehen kann, steht noch eine sorgfältige Planung im Raum. Schließlich möchte niemand, dass nach der ersehnten Auszeit ungeahnte Probleme auftreten. Damit sich alle betroffenen Personen auf das Sabbatjahr vorbereiten können, sollte die Planung rechtzeitig beginnen. Dazu zählen auch Gespräche im privaten Bereich.

Auch der Arbeitgeber benötigt eine gewisse Vorlaufzeit, um die Abläufe am Arbeitsplatz zu regeln. Eventuell muss dieser für die Zeit der Abwesenheit eine Vertretungskraft einstellen. Wenn die wichtigsten Fragen im Vorfeld nicht geklärt sind, so könnte es sein, dass der Chef der Arbeitspause nicht zustimmt.

Wer sich im Vorfeld informieren möchte, wie gut die Chancen im eigenen Unternehmen stehen, kann sich auch einmal an die Personalabteilung wenden. Darüber hinaus lohnt es sich, Kollegen zu befragen, um zu erfahren, ob bereits jemand ein Sabbatjahr eingelegt hat. In größeren Unternehmen halten Gewerkschaften und der Betriebsrat eventuell noch weitere Informationen zum Thema Sabbatjahr bereit. Je besser ein Arbeitnehmer informiert ist, desto höher sind die Chancen, dass der Vorgesetzte dem Vorhaben zustimmt.

Diese Rahmenbedingungen sollten vorab geklärt sein

Hier noch einige weitere Punkte, die vor der Inanspruchnahme eines Sabbatjahres bedacht werden sollten:

Vertragliche Vereinbarung treffen:
Neben der bereits erwähnten Vorbereitung von Vorgesetzten, Kollegen und Freunden auf die neue Situation solltest du auch nicht versäumen, mit dem Arbeitgeber eine vertragliche Vereinbarung zu treffen. In einem schriftlichen Vertrag sollten alle grundlegenden Punkte festgehalten werden. Dazu zählen die Höhe der Vergütung während des Sabbaticals, die Fortführung der Zahlungen für die Betriebsrente sowie alle Punkte, welche die Rückkehr an den Arbeitsplatz betreffen. Nur so ist sichergestellt, dass du auch wirklich an deinen alten Arbeitsplatz zurückkehren kannst – ohne sich größere Sorgen machen zu müssen.

Finanzierung sicherstellen:
Solange das Sabbatical durch den Abbau von Überstunden ermöglicht wird, sollte es zu keinen finanziellen Schwierigkeiten kommen. Anders sieht es aus, wenn nur noch ein Teilzeitgehalt oder gar kein Gehalt mehr zur Verfügung steht (etwa bei unbezahltem Urlaub). Geklärt werden muss auch, wie die Kosten für die Sozialversicherungen (Renten-, Kranken-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung) gedeckt werden können. Unter Umständen ist es sinnvoll, die Beiträge für die Renten- und Krankenversicherung aus eigener Tasche zu bezahlen, damit es später nicht zu Schwierigkeiten kommt (vor allem bei unbezahltem Sonderurlaub).

Rückkehr regeln:
Wer längere Zeit nicht gearbeitet hat, wird sicher einige Zeit brauchen, um sich wieder an die langen Arbeitszeiten zu gewöhnen. Deshalb empfiehlt es sich, auch während des Sabbaticals den Kontakt zu Vorgesetzten und Kollegen aufrechtzuerhalten, um den Draht zur Arbeitswelt nicht zu verlieren. Eventuell kannst du mit dem Chef einen langsamen Wiedereinstieg vereinbaren, bei dem die Zahl der Arbeitsstunden nach und nach gesteigert wird.

Bedeutet ein Sabbatical eine Lücke im Lebenslauf?

Nein, denn bei einem Abbau von Überstunden würde es nicht auffallen, dass ein Arbeitnehmer eine längere Arbeitspause eingelegt hat. Zudem ist es jedem freigestellt, ob das Sabbatical im Lebenslauf oder in einem Vorstellungsgespräch erwähnt wird – obwohl dies sicher empfehlenswert wäre.

Ältere Arbeitnehmer müssen sich ohnehin keine Sorgen machen, denn nach einem langen, verdienstvollen Arbeitsleben wird ein Sabbatjahr sicher keine negativen Auswirkungen auf ein Bewerbungsverfahren haben. Anders sieht es eventuell bei jüngeren Bewerbern aus – hier kommt es jedoch sehr auf die eigene Argumentation an: Wer seine Entscheidung vernünftig erklären kann, der hat auch bei einer Bewerbung bei einem anderen Unternehmen keine Nachteile zu erwarten.

Das Time-out-Modell: Nicht immer wird das Sabbatjahr vom Arbeitnehmer initiiert

Das sogenannte Time-out-Modell beschreibt einen Umstand, bei dem nicht der Arbeitnehmer das Sabbatjahr einfordert, sondern das Unternehmen. Vor allem in wirtschaftlich schwierigen Zeiten kommt es vor, dass Arbeitgeber Mitarbeiter bei reduzierten Bezügen in eine (unfreiwillige) Arbeitspause schicken. Geht es wirtschaftlich oder konjunkturell wieder aufwärts, so können die Arbeitnehmer an ihren alten Arbeitsplatz zurückkehren.

Die Arbeitspause kann auch vom Unternehmen eingefordert werden.

Eine weitere Sonderform des Sabbatjahres ist das sogenannte Vorruhestandsmodell, bei dem der Arbeitnehmer bis zur Rente weniger oder überhaupt nicht mehr arbeitet. Meist wird auch bei diesem Modell das vorhandene Zeitguthaben eines Mitarbeiters genutzt, um den Übergang in die Rentenphase möglichst stressfrei zu gestalten.

Das Sabbatjahr für eine verlängerte Elternzeit nutzen

Auch Eltern mit Kindern können von einem Sabbatical profitieren. Zwar haben Eltern die Möglichkeit, getrennt oder gemeinsam in Elternzeit zu gehen, doch einige Paare wollen auch nach dieser Phase Zeit mit ihren Kindern verbringen. Die Elternzeit kann zwar aufgeteilt und teilweise bis zum achten Lebensjahr des Kindes in Anspruch genommen werden. Doch gerade hier kann anschließend noch ein Sabbatjahr angehängt werden, solange der Arbeitgeber zustimmt.

Zu beachten ist, dass Auslandsreisen nicht mehr ohne Weiteres möglich sind, falls das Kind bereits eingeschult wurde. Aufgrund der Schulpflicht dürfen Kinder nicht grundlos und ohne behördliche Genehmigung vom Unterricht fernbleiben.

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