Das Wichtigste auf einen Blick:

Downshifting bezeichnet die Entscheidung, beruflich einen Gang zurückzuschalten.
Das kann durch das Ablehnen einer Beförderung, den Wechsel zu einer Teilzeitstelle, die Kündigung oder die Entscheidung zur Selbstständigkeit geschehen – es gibt verschiedene Möglichkeiten des Downshiftings.
Viele Arbeitnehmer entscheiden sich zu diesem Schritt, weil sie sich eine bessere Work-Life-Balance wünschen, sie mit ihrer Arbeit überlastet sind oder keine Erfüllung in ihrem Beruf finden.
Downshifting gibt es zwar in allen Branchen, ist jedoch noch nicht gesellschaftlich akzeptiert. Neben finanziellen Einbußen musst du auch mit negativen Reaktionen aus deinem Umfeld rechnen.

Die nächste Beförderung im Blick und die Gehaltserhöhung als Ziel: Viele Arbeitnehmer träumen von der großen Karriere – doch andere möchten lieber einen Gang zurückschalten. Das sogenannte Downshifting ermöglicht Arbeitnehmern, mehr Zeit für die Dinge zu haben, die ihnen im Leben wichtig sind. Hier erfährst du, wie das Downshifting funktioniert.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Downshifting?

Der Begriff Downshifting stammt aus dem Englischen und bedeutet wortwörtlich „herunterschalten“. Im beruflichen Kontext heißt das, freiwillig auf die große Karriere zu verzichten: Zum Beispiel, indem du auf die Beförderung verzichtest, die zwar mehr Gehalt aber auch mehr Arbeit verspricht. Es kann aber auch bedeuten, dass sich Menschen für einen Teilzeitjob entscheiden, um mehr Zeit für Freunde und Familie zu haben.

Bei Downshiftern handelt es sich nicht um Menschen, die versuchen, mit 30 in Rente zu gehen. Es geht vielmehr darum, mehr Zufriedenheit in deinem aktuellen Lebensabschnitt zu erlangen und dich anhand deiner Prioritäten neu zu orientieren – immerhin verändern sich diese im Laufe unseres Lebens.

Dieser berufliche Rückschritt kann dabei ganz unterschiedlich aussehen, geht aber in der Regel mit einigen Abstrichen einher.

Downshifting: Warum einen Gang zurückschalten?

Arbeitnehmer, die sich für das Downshifting entscheiden, sind meistens in irgendeiner Art unzufrieden mit ihrer beruflichen Situation. Die Gründe lassen sich grob in drei Kategorien unterteilen.

Work-Life-Balance

Viele Menschen leiden darunter, dass sie neben ihrem Job keine Zeit für Freunde und Familie haben. Heutzutage verschwimmen die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit schnell: Auch nach dem Feierabend können E-Mails auf dem Smartphone oder dem Tablet beantwortet werden. Die ständige Erreichbarkeit wird zur Belastung. Überstunden sind vielen Unternehmen ebenfalls Normalität – häufig sogar unbezahlt.

Durch das Downshifting wollen Arbeitnehmer ihre Arbeitszeit reduzieren und somit eine bessere Work-Life-Balance erzielen. Ein Beispiel: Andreas Utermann, Chef der Vermögensverwaltung Allianz Global Investors, kündigte, um Hausmann und Vater zu sein und seiner Frau einen Wiedereinstieg ins Berufsleben zu ermöglichen.

Arbeitsbelastung

Für viele Menschen wird die Arbeit zur körperlichen und psychischen Strapazierung: Hinzu kommt häufig eine Doppelbelastung durch den Haushalt und die Kindererziehung. Wenn ein Arbeitnehmer dauerhaft mit seiner Arbeitszeit, seinen Aufgaben und privaten Angelegenheiten überlastet ist, kann dies schnell zu Depressionen und einem Burnout führen: Nicht jeder ist für eine 40 bis 60 Stunden Woche geschaffen.

Das Downshifting soll dabei helfen, den Arbeitnehmer zu entlasten: durch weniger Arbeitszeit, weniger Verantwortung oder einen Job-Wechsel.

Sinnerfüllung

Nicht jedem Downshifter geht es darum, beruflich kürzer zu treten. Sie sind nicht unbedingt mit ihrer Arbeit überfordert, sondern sehen keinen Sinn darin. Sie haben keine Freude an Ihrem Beruf und suchen nach etwas Neuem – das kann auch ein Job sein, der weniger gut bezahlt ist.

Statt einen Job zu behalten, bei dem nur der Profit wichtig ist, möchten sie etwas machen, das sie erfüllt: Zum Beispiel ein Hobby zum Beruf machen, ihre Kreativität ausleben oder anderen Menschen helfen. So kann jemand im Vertrieb zum Beispiel feststellen, dass ihm gar nichts daran liegt, Umsatzziele zu erreichen, sondern er sein Wissen als Ausbilder lieber weitergeben möchte.

Ein weiteres Beispiel: Der Moderator Tobias Schlegl reduzierte seine Arbeitszeit im Fernsehen, um nebenberuflich als Notfallsanitäter zu arbeiten.

Downshifting: So funktioniert’s

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, beruflich kürzer zu treten und weniger zu arbeiten. Das heißt nicht gleich, dass du deinen Job hinschmeißen musst. Wir stellen dir im Folgenden einige Varianten für das Downshifting vor.

Beförderung ablehnen: Viele Menschen streben zu Beginn ihres Berufslebens eine steile Karriere an. Die nächste Gehaltserhöhung und der berufliche Aufstieg sind ihr Ziel. Doch diese Prioritäten können sich im Verlauf des Lebens ändern. Einige Menschen entscheiden sich für das Downshifting, indem sie die nächste Beförderung oder neue verantwortungsvolle Aufgabenbereiche ablehnen. Sie sind mit ihrer aktuellen Position zufrieden und können/wollen sich beruflich nicht noch weiter belasten.
Verminderung der Arbeitszeit: Einige Arbeitnehmer sind mit ihrem Beruf zufrieden, wünschen sich jedoch mehr Zeit für Freunde und Familie. In diesem Fall ist die Reduzierung der Arbeitszeit eine weitere Option des Downshiftings. Ob Teilzeit, Sechs-Stunden-Tag oder 70-Prozent-Modell: Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Arbeitszeit zu verringern. Allerdings geht damit in der Regel auch ein geringerer Lohn einher.
Nebenjob: Kreativ arbeiten, etwas für die Umwelt tun oder anderen Menschen helfen – viele Arbeitnehmer können ihre Werte in ihrem Beruf nicht ausleben. Sie möchten einen Job ausüben, der sie erfüllt, wollen jedoch gleichzeitig nicht auf die Stabilität ihres alten Jobs verzichten. Die Lösung: Sie verringern ihre Arbeitszeit und üben einen Nebenberuf aus, der ihnen diese Erfüllung erlaubt.
Quereinstieg/Umschulung: Auch nach einigen Jahren im Berufsleben stellen viele Arbeitnehmer fest, dass sie die falsche Wahl getroffen haben. Wenn die Unzufriedenheit mit dem Job überhandnimmt, bleibt nur noch die Kündigung. Hast du dich für einen anderen Beruf entschieden, kannst du es als Quereinsteiger versuchen oder eine Umschulung machen. Als ungelernte Kraft verdienst du auch bei dieser Version des Downshiftings häufig weniger als zuvor.
Selbstständigkeit: Niemandem Rechenschaft schuldig sein und die Arbeitszeit selbst bestimmen – der Schritt in die Selbstständigkeit will wohl überlegt sein, bringt jedoch einige Vorteile mit sich. In der Regel bedeutet es zwar eine größere Freiheit aber auch ein höheres Risiko. Insbesondere in finanzieller Hinsicht müssen Arbeitnehmer bei dieser Downshifting-Option zunächst Einbußen hinnehmen.
Arbeitgeber wechseln: Häufig ist es gar nicht der Job an sich, sondern der Arbeitgeber und die Kollegen, die zur Belastung werden. Wenn du genau weißt, welche Punkte dich bei deiner jetzigen Arbeitsstelle stören, kannst du aktiv nach einem attraktiveren Arbeitgeber suchen. Vielleicht bietet dieser dir die nötige Flexibilität oder auch Struktur, die dir in deinem jetzigen Beruf fehlt.

Beim Downshifting geht es also nicht immer darum, weniger zu arbeiten, sondern eine höhere Zufriedenheit in seinem Beruf zu erlangen. Das schließt jedoch nicht aus, dass du später wieder einen Gang nach oben schalten kannst. Mit dem Downshifting entscheidest du lediglich, was für dich in der aktuellen Situation am besten ist: Vielleicht kannst du mit einem neuen Job oder einem neuen Arbeitgeber die Karriereleiter entspannter aufsteigen.

Downshifting: noch immer negativ besetzt

Pünktlich, verantwortungsbewusst und diszipliniert: Der vorbildliche Arbeitnehmer hält sich an diese klassischen deutschen Tugenden. Aus diesem Grund trifft das Downshifting bei den meisten Vorgesetzten, Kollegen und auch Mitmenschen auf nur wenig Verständnis. Es wird in der Regel nur dann gesellschaftlich akzeptiert, wenn man eine legitime Alternative hat: Zum Beispiel, wenn man weniger arbeitet, um sich der Kindererziehung zu widmen.

Wer ein hohes Einkommen hat, hat in der Regel einen ebenso hohen Lebensstandard, der zur Verpflichtung wird: Auto und Haus werden zum Statussymbol. Dieses Hamsterrad aus belastendem Job und finanzieller Verpflichtung führt jedoch zu steigenden Zahlen von psychischen und physischen Erkrankungen. Das Downshifting kann ein Ausweg aus dieser Abwärtsspirale sein.

Da es gesellschaftlich jedoch noch nicht akzeptiert ist und du in der Regel mit finanziellen Einbußen rechnen musst, solltest du gut abwägen, ob es die richtige Entscheidung für dich ist.

Wer downshiftet?

Es gibt keinen typischen Downshifter, denn mittlerweile sind sie in allen Branchen zu finden. Die Arbeitssoziologin Julia Gruhlich führte eine Studie über das Downshifting durch und befragte 24 Arbeitnehmer, die diesen Schritt gemacht haben. Es stellt sich heraus, dass es keine bestimmte Ziel- oder Altersgruppe gibt. Downshifting wird in allen Branchen und Positionen beobachtet.

Das betrifft also Arbeitnehmer im mittleren Alter, deren Prioritäten sich im Laufe ihres Arbeitslebens ändern, genauso wie Berufseinsteiger. Gerade bei jungen Menschen greift eine neue Mentalität um sich: Die Arbeit ist nicht länger das Wichtigste im Leben und viele Arbeitnehmer der Generation Y sind nicht länger bereit, ihre Freizeit für ihre Karriere zu opfern.

Es gibt zwar noch immer viele Frauen, die weniger arbeiten, sobald das erste Kind da ist, doch auch immer mehr Männer hinterfragen ihre Rolle: Sie stellen die Familie über ihre Karriere.

Downshifting mit Karrierecoach

Viele Arbeitnehmer treffen die Entscheidung zum Downshifting selbstständig, andere suchen professionellen Rat: zum Beispiel bei einem Karrierecoach. Diese beraten auch immer öfter Menschen, die keine Karriere machen wollen, sondern lieber weniger arbeiten möchten.

Viele Arbeitnehmer, die einen Karrierecoach aufsuchen, haben häufig gar keine Vorstellung davon, was sie eigentlich wollen. In diesem Fall beginnt der Coach mit einer Analyse:

Gibt es Werte, die ihnen besonders wichtig sind, die sie in ihrem Job nicht erfüllen können?
Möchten sie lieber selbstbestimmt arbeiten? Oder nach Weisung?
Ist eine Position mit zu viel Verantwortung eine Belastung?
Suchen sie einen Beruf, der ihnen Sicherheit bietet oder möchten sie sich selbst verwirklichen?

Viele Arbeitnehmer sind von dem Wunsch des Downshiftings so verunsichert, dass sie gar nicht mehr wissen, was ihre persönlichen Stärken sind. Ein Karrierecoach hilft ihnen dabei, diese wiederzuentdecken und herauszufinden, welcher Schritt der beste für sie ist. Das Downshifting ist hier natürlich nicht immer die richtige Lösung. Ziel ist es, die Kontrolle über das eigene Leben und die berufliche Zukunft zurückzugewinnen. Im Fokus liegt die Definition eines langfristigen Ziels, das die Zufriedenheit mit dem Job verbessert.

Ist Downshifting das Richtige für mich?

Nicht jeder kann es sich leisten, einen Karrierecoach aufzusuchen. Wenn du überlegst, ob Downshifting das richtige für dich ist, solltest du vorher folgende Fragen beantworten:

Was ist dir im Leben wichtig? Erfüllt dich deine Karriere oder gibt es andere Dinge, die wichtiger sind?
Womit würdest du gern mehr Zeit verbringen?
Stresst dich dein Beruf oder macht er dich glücklich?
Kannst du genug Zeit mit Freunden und deiner Familie verbringen?
Kannst du dein Talent in deinem Beruf verwirklichen oder gibt es Hobbys, für die du gern mehr Zeit hättest?
Wärst du bereit, finanzielle Einbußen zu akzeptieren und deinen Lebensstandard zu verändern?
Auf wie viel Geld könntest du verzichten?
Wie viel möchtest du arbeiten und welches Arbeitszeitmodell passt zu dir?
Würdest du einen anderen Job wählen, wenn du noch einmal Berufseinsteiger wärst?

Erst wenn du dir über diese Dinge bewusst bist und du deine Entscheidung zum Downshifting gut begründen kannst, solltest du nach einer Lösung suchen.

Downshifting: Unterstützung vom Arbeitgeber

Leider ist dein Arbeitgeber nicht dazu verpflichtet, dir das Downshiften zu ermöglichen. Viele Unternehmen haben den Trend jedoch erkannt und ermöglichen ihren Arbeitnehmern den beruflichen Rückschritt. Da es in Deutschland immer noch einen großen Fachkräftemangel gibt, müssen sie sich gezwungenermaßen den Wünschen ihrer Arbeitnehmer anpassen.

Häufig fehlt jedoch noch die nötige Flexibilität, um auf die Vorstellungen der Mitarbeiter einzugehen: In diesem Fall läuft das Downshifting auf eine Kündigung hinaus. Allerdings gibt es mittlerweile zahlreiche Möglichkeiten für flexible Arbeitszeitmodelle: Dazu zählt nicht nur die klassische Teilzeit, sondern auch die Vertrauensarbeitszeit, das Homeoffice, ein Sabbatical oder das Job-Sharing.

Letzteres ermöglicht es Arbeitnehmern sogar, qualifizierter Jobs auch in Teilzeit auszuüben. Hierbei teilen sich mindestens zwei Personen einen Vollzeitstelle. Sie verteilen die anfallenden Aufgaben, müssen so weniger Arbeiten und haben mehr Zeit für ihr Privatleben. Sie können sogar als Führungskräfte arbeiten.

Die Unzufriedenheit mit dem Beruf hängt jedoch nicht nur mit der Arbeitszeit zusammen, sondern auch mit dem Arbeitsumfeld und der fehlenden Wertschätzung aus der Chefetage.

Klar ist allerdings: Als Arbeitnehmer, der etwas in seinem Berufsleben verändern möchte, musst du den ersten Schritt machen. Und dafür solltest du genau wissen, was du möchtest. So kannst du gemeinsam mit deinem Arbeitgeber eine geeignete Lösung finden.

Downshifting: Bewerbung

Wenn du dich doch dazu entscheidest, deine Stelle zu wechseln, solltest du gute Argumente parat haben. Denn wenn du dich für eine geringer qualifizierte Stelle bewirbst, wird dies in der Regel erst einmal Misstrauen auslösen.

Wenn du dich für das Downshifting entschieden hast, weißt du genau, welche Werte du schätzt, und worauf es dir bei deiner Arbeit ankommt. Mache dies auch in deiner Bewerbung deutlich. Beschreibe genau, warum dies die richtige Entscheidung für dich ist.

In diesem Fall ist es sogar ratsam, ein Motivationsschreiben zu verfassen, dass du zusätzlich zu deinem normalen Bewerbungsschreiben einreichen kannst. Hier hast du genug Platz, um deine Motivation für diese berufliche Neuorientierung zu erläutern. Ohne eine solche Erklärung bleibt zu viel Raum für Interpretation und diese fällt nicht unbedingt immer positiv aus. Authentizität und Selbstbewusstsein sind also entscheidend.

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