Wer sich gerade auf Jobsuche befindet, merkt, dass Firmen oft hohe Ansprüche an ihre neuen Mitarbeiter haben. Das E-Mail-Postfach füllt sich seit Wochen mit Absagen und man möchte sich nun nicht mehr in gutem, sondern im besten Licht präsentieren. Frustration und die Tatsache, dass man den Anforderungen gerecht werden möchte, verleiten so manch einen Bewerber allerdings dazu, sich ein bisschen zu sehr mit positivem Licht zu bestrahlen. Übertreibungen im Anschreiben kommen jedoch gar nicht gut an und sind immer ein „leider nein“ für Personaler.

Denn Personalverantwortliche hatten schon eine Unzahl an Bewerbungsunterlagen vor sich und merken genau, wenn etwas zu gut wäre, um wahr zu sein. Das Ziel einer Übertreibung seitens Bewerber ist es, aus der Masse hervorzustechen. Die gute Nachricht: Mit maßlosen Übersteigerungen bekommt man vielleicht extra Aufmerksamkeit. Die schlechte Nachricht ist jedoch, man bekommt sie aus den falschen Gründen und fällt negativ auf. Durch Übertreibungen und Prahlerei wird man bestimmt nicht zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen.

Was sind überhaupt Übertreibungen im Anschreiben?

Wie man sich vielleicht vorstellen kann, gibt es unendlich viele Möglichkeiten, zu übertreiben. Das gilt auch im beruflichen Kontext und bei Bewerbungen. Anstatt sich so darzustellen, wie man wirklich ist, machen Bewerber oft die immer gleichen fünf Fehler in Anschreiben für eine Jobbewerbung.

Dies sind die fünf No-Gos, die du unbedingt vermeiden solltest, wenn du deine Chancen auf ein Vorstellungsgespräch erhöhen möchtest.

Übertreibungen im Anschreiben: eigene Kenntnisse und Fähigkeiten

Egal für welchen Job du dich bewirbst, du wirst so gut wie nie alle dafür vorgesehenen Kenntnisse und Fähigkeiten mitbringen. Das ist Personalern bewusst und das sollte auch dir bewusst sein.

Der größte Fehler, den du hier machen kannst: Wenn du einfach die gesuchten Anforderungen aus dem Jobinserat kopierst und sie dir selbst zuschreibst.

Das Anschreiben soll eine DIN-A4-Seite nicht überschreiten. Dort ist Platz für eine kurze, knackige und treffende Version zu deinen bisherigen beruflichen Erfahrungen, deine Motivation, für das Unternehmen zu arbeiten und deine Qualifikationen für die ausgeschriebene Stelle. Deine Kenntnisse und Fähigkeiten müssen unbedingt auf Tatsachen beruhen. Denn spätestens bei einem Bewerbungsgespräch kommt heraus, was davon du wirklich kannst.

Beschreibe die bisher wichtigsten Stationen deiner Karriere. Formuliere kurz und prägnant, was deine Aufgaben waren und verflechte dies mit deinen Kenntnissen und Fähigkeiten, die daraus resultieren. Bei vielen Jobs sind auch Anwenderkenntnisse erwünscht. Deshalb ist es ratsam, sich auf die wesentlichen zwei bis drei Programme zu beschränken und nicht mit einer Auflistung aller Anwendungen zu prahlen, die man bisher bedient hat.

Übertreibungen im Anschreiben und vergangene Arbeitsverhältnisse

Auch kleinere Übertreibungen, wie eine Zuschreibung einer Funktion im alten Unternehmen, die du nie innehattest, können nach hinten losgehen. Denn jede Position hat Verantwortungsbereiche, von denen man nur wissen kann, wenn man auch wirklich in ihnen tätig war.

Außerdem bringt es dir nichts, wenn du bezüglich der Aufgaben in vergangenen Jobs lügst. Du könntest sie schließlich in der neuen Position nicht erfüllen, wenn du sie eigentlich noch nie übernommen hast. Kurzum: Du hast keine Ahnung davon! Die meisten Firmen klopfen außerdem bereits im Vorstellungsgespräch ab, wie gefestigt deine versprochenen Fachkenntnisse tatsächlich sind.

Beschränke dich nur auf die Positionen, die für deinen potenziellen Arbeitgeber wirklich relevant sind. Es hilft dir nichts, wenn du bei den Praktika aus Jugendzeiten beginnst, studentische Nebenjobs auflistest und deine letzte ehrenamtliche Tätigkeit angibst. Konzentriere dich auf die wesentlichsten und nützlichsten Stationen deiner Karriere. Das Wichtigste dabei: Sei ehrlich und authentisch!

Übertreibungen im Anschreiben und Persönlichkeit

Selbst wenn der zu besetzende Job so beschrieben ist, als würde dafür eine eierlegende Wollmilchsau gesucht werden, ist es nicht ratsam, seine eigene Persönlichkeit so darzustellen, als wäre sie „perfekt“. Sätze wie „Ich bin immer pünktlich, außerordentlich belastbar, sehr zuverlässig und extrem teamfähig“ sind nicht nur langweilig, sondern wirken einfach übertrieben und unglaubwürdig.

Authentischer wirkt es, wenn du deine bisher wichtigsten Projekte und deine Positionen darin angibst. Eine weitere Möglichkeit ist es, dass du durch deine bisherigen Erfahrungen unterstreichst, dass diese und jene Persönlichkeitseigenschaft besonders ausgeprägt bei dir ist. So wird – ohne Übertreibung – auf glaubhafte Weise hervorgehoben, welche positiven Eigenschaften du mitbringst.

Gewiss hast du eine lange Liste an positiven Charakterzügen. Doch nicht alle sind relevant für die ausgeschriebene Stelle. Lege den Fokus auf jene Teile deiner Persönlichkeit, die im neuen Job relevant sind und die du auch mit bisherigen Erfahrungen verknüpfen kannst. Halte dich fern von generalisierten Formulierungen und Standard-Eigenschaften ohne Inhalt.

Übertreibungen im Anschreiben und Nutzen für das Unternehmen

„Wenn Sie mich einstellen, dann garantiere ich Ihnen, dass …“ Diese Formulierung zeigt eigentlich nur, dass du gerne redest. Im Anschreiben gibt man keine Garantien ab, macht auch keine Versprechungen.

Schildere authentisch und ehrlich deine bisherigen Erfahrungen und Projekte und verknüpfe diese dann mit dem Unternehmen. Dazu gehört auch, dass du dich im Vorfeld gut darüber informierst.

Übertreibungen im Anschreiben hinsichtlich des Unternehmens

„Schon seit der Schule ist es mein Wunsch, für Sie zu arbeiten, denn Ihr Unternehmen und Ihre Produkte sind einfach die Besten.“

Wer auf solche generalisierten Ausschweifungen zurückgreift, hat sich die Absage quasi schon selbst geschrieben. Denn mit so einer Floskel, die ja an sich erstmal nicht negativ ist, legt man den Verdacht nahe, dass man eigentlich nichts über das Unternehmen weiß. Im schlimmsten Fall machst du einen verzweifelten Eindruck.

Wenn du bloß schreibst, dass du immer schon in dieser Firma arbeiten wolltest und dass sie so toll ist, verläufst du dich auf zwei Irrwegen gleichzeitig:

  • Andere Bewerber könnten ebenfalls auf diese Standardfloskel zurückgegriffen haben.
  • Die Firma weiß, dass sie gut ist, will aber von dir wissen, weshalb gerade du für sie arbeiten willst.

Sei also ehrlich und konkret. Deshalb ist es besonders wichtig, dass du dich bereits im Vorfeld über die Unternehmensphilosophie informierst. Somit kannst du dann im Anschreiben auch konkret darauf eingehen, weshalb die Firma für dich absolut in Frage kommt.

Aus diesem Grund ist es auch ratsam, dein Anschreiben auf den Jargon in der Branche anzupassen. Als Social Media Manager wirst du andere Begriffe verwenden als als Bilanzbuchhalter. Wenn du dich der Sprache des Unternehmens anpasst, macht dich das auf psychologischer Ebene sympathischer und lässt dich kompetenter wirken.

Zwischen zu gut und zu schlecht liegt Authentizität

Während der eine oder andere beim Anschreiben gerne übertreibt, verkaufen sich manche Leute auch unter ihrem eigenen Wert. Beide Extreme führen nicht zum gewünschten Ziel, nämlich zur Einladung zu einem Vorstellungsgespräch. Um das Gegenteil der Prahlerei zu vermeiden, nämlich sich unter den Scheffel zu stellen, helfen ein paar Tipps. 

So stärkst du dein Selbstvertrauen:

  • Erkenne deine Erfahrungen an
  • Werde dir deiner Fähigkeiten bewusst
  • Liste deine Stärken auf, die aus deinen bisherigen Jobs resultieren
  • Informiere dich über Dinge, bei denen du dir unsicher bist
  • Vermeide Fehler in den Bewerbungsunterlagen
  • Sprich die Sprache der Branche

Übertreibungen und Lügen in deinem Anschreiben werden dir kaum einen Vorteil verschaffen. Aus diesem Grund solltest du dich darauf beschränken, deine wahren Stärken gekonnt im Anschreiben unterzubringen.

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