Kleidung nimmt in unserem gesellschaftlichen Leben einen wichtigen Stellenwert ein. Sie prägt das Äußere eines Menschen und entscheidet maßgeblich über die Wirkung, die man auf eine andere Person ausübt. Die Kleiderfrage ist daher nicht nur in modischer Hinsicht relevant, sondern sollte auch branchenabhängig betrachtet werden. Welche Kleidungsstücke und welcher Kleidungsstil für Bewerber in die engere Auswahl kommen sollten und auf welche Kleidung man im Bewerbungsgespräch lieber verzichten sollte, besprechen wir in diesem Ratgeber.

Es ist nicht notwendig, dass du für das persönliche Vorstellungsgespräch in einem Unternehmen ein neues Outfit anschaffst. Wenn dein Kleiderschrank dir gute Auswahlmöglichkeiten bietet, spricht nichts dagegen, bereits vorhandene Kleidungsstücke anzuziehen – wenn sie denn ordentlich und gepflegt aussehen! Vermeide das Tragen von Kleidung im Bewerbungsgespräch, die bereits verwaschen oder verschlissen aussieht. Ebenfalls ungeeignet: Textilien mit Werbeaufdruck, Comicfiguren sowie zu ausgefallene Mode.

Warum das Bewerbungsoutfit über deine Jobchancen entscheiden kann

Der erste Eindruck, den der Personaler von dir gewinnt, hat großen Einfluss auf seine Entscheidung über deine Eignung. Diese Bewertung deiner Person erfolgt automatisch und intuitiv in Sekundenschnelle. Dein äußeres Erscheinungsbild ist dabei maßgeblich, weshalb es unvermittelt entscheiden kann, …

  • ob und wie sympathisch du wirkst.
  • wie freundlich der Personaler zu dir sein wird.

Zwar kommt dies einer unfairen Vorverurteilung gleich, allerdings liegt die Ursache für dieses Phänomen in der Entwicklungsgeschichte des Menschen begründet. Die Blitzanalyse einer fremden Person bei der ersten Begegnung ist ein Schutzmechanismus, der vom unterbewussten Teil des Gehirns gesteuert wird. Jeder Mensch „mustert“ eine fremde Person auf den ersten Blick automatisch. Niemand kann sich diesem natürlichen Vorgang bewusst entziehen.

Die von dir getragene Kleidung verrät deinem Gegenüber viel über deine Persönlichkeit, deine innere Einstellung und den sozialen Status. Somit gibt der Kleidungsstil auch über Prioritäten in deinem Leben Aufschluss. Deine Körpersprache und deine Kleidung machen 55 Prozent des ersten Eindrucks aus. Es lohnt sich also, bei der Vorbereitung auf das Vorstellungsgespräch der Kleidungsfrage reichlich Zeit und Gedanken zu widmen.

Was sagt Kleidung im Bewerbungsgespräch über den sozialen Status aus?

Zunächst einmal ist Kleidung funktional und soll ihren Zweck erfüllen. Allerdings haben die Menschen schon sehr früh ein modisches Bewusstsein entwickelt, sodass Kleidungsstücke nicht mehr nur funktional sein müssen, sondern auch als Statussymbol betrachtet werden.

  • Wer arm ist, trägt tendenziell einfache Kleidung, die vielleicht durch häufige Nutzung und Reinigung schon deutliche Gebrauchsspuren aufweist.
  • Modebewusste mit ausreichenden finanziellen Mitteln investieren mehr in ihre Garderobe.
  • Menschen mit hohem Einkommen sind bereit, für ein besonders hochwertiges Kleidungsstück viel Geld auszugeben.

Getreu der Devise „Kleider machen Leute“ wird entsprechend der beruflichen Situation und dem – oft auch nur vermuteten – Einkommen ein gewisser Kleidungsstil erwartet. Dahinter steht die Annahme: Wer sich hochwertige und ansprechende Kleidung leisten kann, aber sie sich nicht leistet, legt keinen Wert auf sein äußeres Erscheinungsbild. Womöglich wird auch impliziert: Wer sich trotz hohem Einkommen keine standesgemäße Bekleidung leistet, kann nicht mit Geld umgehen. Diese Vorurteile haben sich über Generationen hinweg etabliert und können eine davon abweichende Einschätzung erschweren.

Woher stammt die Redensart?

Kleider machen Leute

“Kleider machen Leute” lautet der Titel einer Novelle des Schweizer Dichters Gottfried Keller um den Schneidergesellen Wenzel Strapinksi. Erschienen ist sie erstmals 1874.

Der individuelle Bekleidungsstil ist bei älteren Bewerbern eine Messlatte für den erreichten sozialen Status. Bei jungen Bewerbern, die noch am Anfang ihrer beruflichen Karriere stehen, ist der Kleidungsstil ein Indikator für den angestrebten sozialen Status.

Um dich perfekt für das Bewerbungsgespräch zu kleiden, solltest du diese etablierten Vorurteile nutzen, um ein passendes Outfit zusammenzustellen. Entsprechend der beruflichen Position, auf die du dich bewirbst, sollte die Qualität der gewählten Kleidungsstücke abgestimmt sein.

Kleiderwahl: Bloß nicht übertreiben

Sehr elegante und hochwertige Kleidung hat ihren Preis. Von einer angehenden Führungskraft und einem Vorgesetzten erwartet man, dass der Kleidungsstil mit der beruflichen Position in Einklang steht. Stellst du dich für eine eher einfache Position vor, solltest du dich dabei „gutbürgerlich“ kleiden und nicht zu teure Kleidungsstücke tragen.

Overdressed zu einem Bewerbungsgespräch zu gehen, hat Nachteile. Geht es beispielsweise um einen Job, bei dem man berufsbedingt schmutzig wird oder bei dem der klassische Businesslook sogar stören würde, erscheint ein besonders eleganter Kleidungsstil unpassend. Dies wäre zum Beispiel bei Automechanikern, Maurern oder Landschaftsgärtnern der Fall. Erscheinst du im feinen Luxusoutfit zum Bewerbungsgespräch, könnte der Meister der KFZ-Werkstatt vermuten, dass du dich nicht gerne dreckig machst – und faul bist.

Branchenübliche Kleidung fürs Bewerbungsgespräch

Bewerbern wird regelmäßig dazu geraten, beim Vorstellungsgespräch branchentypische Kleidung zu tragen. Doch was ist das eigentlich? Branchenübliche Outfits entsprechen entweder der hauptsächlich in diesem Beruf getragenen Kleidung oder der Kleidungsstil passt zu den typischen Anforderungen, die in bestimmten Berufsbereichen an ein funktionales Outfit gestellt werden.

Kaufmännische Berufe, Bürojobs, Bankangestellte

In diesen Branchen trägt man zum Bewerbungsgespräch ein klassisches Büro-Outfit, das elegant, aber nicht zu formell wirkt. Je hochrangiger der Job, desto vornehmer und hochwertiger die Kleidung für das Bewerbungsgespräch – diese Grundregel sollte bei der Zusammenstellung eines perfekten Businesslooks unbedingt beachtet werden. Ein Tipp vorab: Helle Blautöne werden als besonders seriös empfunden und eignen sich daher bestens für diese Berufsbranchen.

Beispiel 1: Frau bewirbt sich auf einen Bürojob

Das ideale Bewerber-Outfit für Damen besteht entweder aus schicker Bluse und eleganter Hose oder die Bluse wird mit einem Rock beziehungsweise Hosenrock kombiniert. Röcke sollten zumindest kurz über dem Knie enden; Miniröcke sind beim Vorstellungsgespräch tabu. Ebenfalls sehr elegant sind ein schicker Hosenanzug oder ein Kostüm für Damen. Die Kombination aus Blazer und Hose in gedeckter Farbe mit heller Bluse oder hellem Damenhemd hinterlässt einen positiven Eindruck beim Personaler. Schöne Pumps kleiden den Fuß der Frau stilvoll. Zudem ist der Ballerina-Schuh sehr gut geeignet.

Beispiel 2: Mann bewirbt sich bei einer Bank

Männliche Bewerber haben in diesen Bereichen eine tolle Auswahlmöglichkeit. Von schicker Jeans in Kombination mit einem vornehmen Herrenhemd bis hin zum Anzug für Herren ist bei der Kleiderwahl für das Vorstellungsgespräch alles möglich.

Die Business-Farbe Blau lässt fast jeden seriöser wirken. Fast.

Nicht immer herrscht übrigens Anzugzwang und mittlerweile gibt es sogar Banken, die auf den Krawattenzwang verzichten. Es muss also nicht immer der klassische Stil mit Anzug, Hemd und Krawatte sein. Jedoch solltest du dein Bewerbungs-Outfit stets mit größter Sorgfalt abstimmen und, falls möglich, im Vorfeld abklären, ob es im Unternehmen einen eher legeren Kleidungsstil gibt oder ob einem förmlichen Dresscode gefolgt wird.

Tipp für männliche Bewerber: Gerade in kaufmännischen Berufen, unter Bankern und ebenso im Versicherungswesen wird großen Wert auf Armbanduhr und stilvolle Schuhe aus feinem Leder gelegt. Eine schicke Herrenarmbanduhr sowie hochwertige Lederschuhe runden daher dein business-taugliches Outfit auf ideale Weise ab. Doch Vorsicht! Zu teuer sollte die Armbanduhr nicht sein – sonst denkt man von dir, dass du einen besonders hohen Gehaltswunsch hast und man sich dich nicht leisten kann.

Passende Kleidung im Bewerbungsgespräch

In vielen anderen Berufen spielt eine gewisse Funktionalität der Kleidung eine wichtige Rolle. Dazu gehören insbesondere Berufe, bei denen sich Arbeitnehmer viel bewegen oder auf besondere Weise Menschen zuwenden müssen.

Um bei der Kleiderwahl für das Vorstellungsgespräch treffsicher zu entscheiden, solltest du diese Überlegungen anstellen:

  • Welche Kleidungsstücke passen perfekt zu meinem Job?
  • Werden während der Arbeit konkrete Anforderungen an meine Berufsbekleidung gestellt?
  • Was für eine Wirkung erziele ich durch mein Outfit beim Vorstellungsgespräch?

Die Beispiele nachfolgender Berufe verdeutlichen, worauf es bei der branchentypischen Kleidung ankommen kann.

Berufstypischer Bekleidungsstil: Automechaniker, Industriearbeiter und handwerkliche Berufe

An die Kleidung zum Vorstellungsgespräch werden keine allzu großen Erwartungen gestellt, da während des Arbeitens in der Werkstatt, in der Produktion sowie im Handwerk ohnehin meist spezifische Berufsbekleidung getragen wird. Es darf also zum Vorstellungsgespräch einfache Kleidung angezogen werden, die sauber und ordentlich ist. Der von dir gewählte Kleidungsstil passt am besten, wenn er unkompliziert, nicht zu adrett ist und ebenfalls nicht steril wirkt. Schließlich ist es bei diesen Berufen oftmals unvermeidbar, dass während der Arbeit die Klamotten dreckig werden.

Farblich kannst du dich bei der Kleiderwahl für dein Bewerbungsoutfit an den Kleiderfarben des jeweiligen Handwerks (Zunftkleidung) beziehungsweise der typischen Arbeitskleidung orientieren. Dadurch zeigst du, dass du dich der Zunft und dem entsprechenden Handwerksberuf verbunden fühlst.

Tipp: Wichtig ist bei der Zusammenstellung des Outfits das Schuhwerk. Dieses sollte solide sein, da in den erwähnten Berufsbereichen gutes und festes Schuhwerk branchentypisch und erforderlich ist (Sicherheitsschuhe!).

Küche, Kantine, Gastronomie

Welche Kleidung im Vorstellungsgespräch am besten passt, hängt vom jeweiligen gastronomischen Bereich und dem konkreten Jobprofil ab. Koch, Köchin und Küchenpersonal präsentieren sich beim Vorstellen idealerweise in schicker, aber bequemer Kleidung. Ein schönes T-Shirt oder Sweatshirt und Jeans oder Stoffhose reichen völlig aus, um einen positiven Eindruck zu hinterlassen. Das Schuhwerk sollte sportlich sein. Schließlich geht es in der Gastronomie hektisch zu und es ist typisch für den Job, dass viel gelaufen wird. Weiße Oberteile und Hosen passen sehr gut, da sie die Verbindung zur typischen Berufskleidung der Küchenmannschaft herstellen, die standesgemäß weiß ist.

Sterneköche putzen sich für das Job-Interview mehr heraus. Die Kochmütze bleibt aber zu Hause.

Mitarbeiter, die in der Gastronomie im Verkaufsraum beziehungsweise Gastraum arbeiten, kleiden sich etwas schicker als das Küchenpersonal. Auch Chefkoch und Sternekoch tragen beim Vorstellungsgespräch einen gehobeneren Kleidungsstil. Für Herren ist es optimal, eine hochwertige Jeans mit tollem Hemd und Sakko zu kombinieren. Für Damen empfehlen wir Kostüm, Hosenanzug oder Bluse und Rock.

Spezialfälle: Öffentlicher Dienst und Edel-Gastronomie

Bei der Wahl der richtigen Kleidung ist Fingerspitzengefühl gefragt – stimmt nur ein Detail nicht, ist der ganze gute Eindruck dahin. Ausnahmen und Spezialfälle machen den Drahtseilakt beim Anziehen obendrein nicht gerade einfacher. Die Folge: Zahlreiche Bewerber fallen ungewollt aus der Rolle und somit negativ auf. Zwei Arbeitgeber, bei denen besonders viele Bewerber ins Fettnäppchen treten, haben wir uns daher genauer angesehen.

Bewerbung im öffentlichen Dienst

Der öffentliche Dienst ist zwar sicher nicht so breit aufgestellt wie die freie Wirtschaft. Unterm Strich dürften die verschiedenen Berufsbilder jedoch vielfältiger sein, als viele glauben. Von A wie Abfallwirtschaft bis Z wie Zoll hat Vater Staat für viele Interessen und Bildungsgrade etwas in petto. Für den gesamten öffentlichen Dienst allerdings gilt: Jeder Bewerber übernimmt, sollte er die Zusage erhalten, eine verantwortungsvolle Tätigkeit. Schließlich handelt er dann im Auftrag des Staates. Und als künftiger Angestellter im öffentlichen Dienst gehört es auch zu deinem Job, diesen mit deinem Äußeren adäquat zu repräsentieren.

Wie also anziehen vor dem wichtigen Termin? Faustregel: Kleide dich so, wie du es bei einem Bewerbungsgespräch eines entsprechenden Arbeitgebers aus der Privatwirtschaft tun würdest – doch lege immer noch eine Schippe drauf. Im Zweifel gilt hier ganz klar: Besser over- als underdressed. Zwei Bespiele:

  1. Bei einem privaten Sicherheitsdienst würde dir kaum jemand die (gepflegte) Jeans beim Jobinterview übel nehmen, bei der Polizei wäre es vermutlich dein letzter Besuch auf dem Revier, wenn du dort ohne Anzughose aufkreuzt.
  2. Bei einem Vorstellungsgespräch in einer jungen, aufstrebenden Kanzlei für IT-Recht kannst du den obersten Knopf im Hemd im Zweifel geöffnet lassen. Aber ohne Krawatte zum Bewerbungsgespräch als Justizfachangestellter? Antrag abgelehnt.
TVöD legt Bezahlung fest

Gehalt im öffentlichen Dienst

Im öffentlichen Dienst wird deine Bezahlung vom Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst, kurz TVöD, geregelt. Dein Gehalt ist also bis auf den Cent genau festgelegt. In einer Entgelttabelle für den öffentlichen Dienst kannst du nachschlagen, wie viel du verdienst.

Bewerbung im Szenelokal und in Hotels

Stellst du dich in einem Szenelokal, einer Bar oder einem Club vor, punktest du mit angesagter Trendkleidung, die zur Klientel der Location passt.

Beim Vorstellungsgespräch im Hotel wirkt sich ebenfalls die Position auf die Kleiderfrage aus. Raumpflegerinnen oder Zimmermädchen können zum Bewerbungsgespräch Bluse, Rock und Ballerinas kombinieren. Als Empfangsdame begrüßt du die Gäste und repräsentierst das Haus, wenn deine Bewerbung erfolgreich zum neuen Job führt. Daher machst du mit einem Ensemble aus Bluse, Blazer sowie Rock oder Stoffhose alles richtig.

Tipp: Stimme dein Bewerbungsoutfit in Gastronomie und Hotel stets auf das Ansehen des Hauses ab. Gäste stellen an die Mitarbeiter eines renommiertes Sterne-Restaurants oder eines Top-Hotels höhere Ansprüche. Diese sollten ebenfalls bei der Kleiderwahl fürs Vorstellungsgespräch erfüllt werden.

Ähnliches Bewerbungsoutfit für Bewerbungsfoto und Vorstellungsgespräch

Nachdem du es in deinem Bewerbungsverfahren bis zur Einladung zum Vorstellungsgespräch geschafft hast, ist es dir schon einmal gelungen, den Personaler von dir zu überzeugen. Offenbar hast du bei der Kleiderwahl für dein Bewerbungsfoto alles richtig gemacht. Denn dein Foto hat beim Personalentscheider einen positiven Eindruck hinterlassen, sonst hätte er dich nicht zum Bewerbungsgespräch eingeladen.

Orientiere dich deshalb an deinem Outfit, das du während des Fotoshootings getragen hast. Stelle für den persönlichen Gesprächstermin ein Bewerbungsoutfit zusammen, das diesem ähnlich sieht. Dann wirkst du bei der Begrüßung zum Gespräch dem Personaler vertraut, was deinen Sympathiefaktor deutlich anhebt und die Chancen auf die Jobzusage erhöhen kann.

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