Das Wichtigste auf einen Blick:

Unternehmen nutzen zunehmend die Möglichkeit, Telefoninterviews und Bewerbungsgespräche per Videochat zu führen, bevor Bewerber zu einem Treffen vor Ort eingeladen werden.
Ein Vorstellungsgespräch auf Distanz bedeutet weniger Zeit- und Kostenaufwand.
Neben den Vorbereitungen, die du auch für ein persönliches Vorstellungsgespräch treffen solltest, müssen die technischen Gegebenheiten stimmen.
Denke immer daran, dass es bei dem Gespräch um einen Arbeitsplatz geht. Bleibe seriös, auch wenn du dich daheim befindest.

Telefoninterviews und Bewerbungsgespräche per Videochat liegen im Trend. Durch den technischen Fortschritt wird der Zeit- und Kostenaufwand für das Unternehmen und die Bewerber verringert, weil beispielsweise die Reservierung von Räumlichkeiten und der Anfahrtsweg entfallen. Meist wird dem Bewerbungsgespräch auf Distanz ein Treffen im Unternehmen angeschlossen, sobald eine engere Auswahl getroffen wurde. Von uns erfährst du, wie du aus der Ferne überzeugen kannst.

Das Telefoninterview

Die Einladung zu einem Telefoninterview ist oft nicht das, was sich Bewerber erhoffen. Dabei ist diese ein Zeichen dafür, dass dein Bewerbungsschreiben überzeugend war und du für die Besetzung des Arbeitsplatzes in Betracht gezogen wirst. Oft geht es bei dem Telefonat vor allem darum, deine kommunikativen Fähigkeiten zu testen. Da dein Gesprächspartner dich nicht sehen kann, musst du umso mehr mit deiner Stimme und deiner Wortgewandtheit überzeugen.

So bereitest du dich auf das Bewerbungsgespräch am Telefon vor

Erkundige dich vorab, wie lange das Telefoninterview voraussichtlich dauern wird. Ist ein Gespräch von maximal zwanzig Minuten geplant, handelt es sich vermutlich um ein kurzes Kennenlernen mit einem Mitarbeiter der Personalabteilung. Du kannst dich darauf einstellen, dass hierbei unter anderem offene Fragen zu deiner Bewerbung beantwortet und Lücken in deinem Lebenslauf geklärt werden sollen.

Wenn für das Telefoninterview hingegen 40 Minuten oder gar eine Stunde veranschlagt wird, kannst du dich auf ein deutlich umfangreicheres Gespräch einstellen. Vermutlich stehen deine Persönlichkeit und deine Ziele mehr im Fokus – wie bei einem Vorstellungsgespräch von Angesicht zu Angesicht. Meist ist ein Telefonat aber deutlich kürzer.

Wenn dir der Gesprächstermin nicht zusagt, scheue dich nicht davor, einen Gegenvorschlag zu machen.

Natürlich kannst du vorab nicht genau wissen, welche Fragen auf dich zukommen. Du solltest dich deshalb möglichst umfangreich vorbereiten, um einen guten ersten Eindruck zu machen:

Setze dich mit dem Unternehmen und seinen Produkten oder Dienstleistungen auseinander.
Hole Informationen zu deinem Gesprächspartner ein, sofern dir dieser bekannt ist. Das ist beispielsweise über Suchmaschinen wie Google oder Netzwerke wie LinkedIn und Xing möglich. Häufig ist es beruhigend, zu wissen, welche Person am anderen Ende der Leitung sitzt.
Bereite dich auf Fragen zu deinem beruflichen Werdegang, Zukunftsplänen, fachlichen und sozialen Kompetenzen sowie deinen Interessen vor.
Wenn dein Lebenslauf Lücken aufweist, lege dir passende Erklärungen zurecht. Es kommt gut an, wenn du während dieser Zeiten deine Kenntnisse und Kompetenzen erweitern konntest.
Überlege dir intelligente Fragen, die du dem Personaler stellen kannst.
Notiere dir deine Fragen und die wichtigsten Informationen über das Unternehmen sowie deine Stärken und Schwächen, deine Gehaltsvorstellung und deinen frühestmöglichen Eintrittstermin auf einem Spickzettel.
Übe die Situation mit Freunden oder deiner Familie. Wenn du deine Selbstpräsentation beherrscht, fühlst du dich sicherer und kannst entspannt ins Gespräch starten.

Wer ruft wen an?

Diese Frage wird üblicherweise schon in der Einladung zum Telefoninterview beantwortet. In der Regel ruft der potenzielle Arbeitgeber beziehungsweise ein Personaler den Bewerber an. Dieser muss dafür sorgen, dass er erreichbar ist.

Es ist ratsam, das Interview über das Festnetztelefon zu führen, um der Gefahr eines Funklochs vorzubeugen. Wenn du kein Festnetztelefon daheim hast und stattdessen dein Smartphone nutzt, überprüfe dein Profilbild und deine Info bei Messengerdiensten wie WhatsApp. Politische oder religiöse Ansichten solltest du lieber für dich behalten.

Spontanes Telefoninterview – was tun?

Manche Personaler rufen auch gerne mal ohne Ankündigung an. Deshalb ist es wichtig, dass du deine Mailbox während der Bewerbungsphase entsprechend seriös gestaltest. Geeignet wäre als Ansage beispielsweise: „Vielen Dank für Ihren Anruf. Leider bin ich derzeit nicht zu erreichen. Hinterlassen Sie gerne eine Nachricht nach dem Signalton, dann rufe ich Sie zurück.“

Auf keinen Fall solltest du unbekannte Nummern wegdrücken. Das könnte ein Personaler negativ bewerten.

Übrigens bist du nicht dazu gezwungen, dich auf ein spontanes Telefoninterview einzulassen. Du hinterlässt einen guten Eindruck, wenn du flexibel bist und direkt alle Antworten parat hast, aber Spontanität ist nicht alles. Wenn du gerade unterwegs bist oder dich nicht vorbereitet fühlst, dann teile deinem Gesprächspartner mit, dass du gerade leider keine Zeit hast. Frage nach einem Alternativtermin oder schlage selbst einen vor. Vergiss dabei nicht, zu fragen, wie viel Zeit du einplanen sollst.

Die passenden Umstände für das Telefoninterview

Neben der Vorbereitung auf mögliche Fragen ist auch die Gestaltung des Umfelds wichtig, in dem das Telefoninterview stattfindet. Wähle eine Umgebung, in der du dich wohlfühlst – zum Beispiel dein Wohnzimmer. Außerdem solltest du einige Vorbereitungen treffen, damit du dich voll und ganz auf dein Bewerbungsgespräch am Telefon konzentrieren kannst:

  • Sorge dafür, dass um dich herum Ruhe herrscht. Kläre deine Mitbewohner entsprechend auf und verbanne Hund und Katze gegebenenfalls aus dem Raum.
  • Wenn du an einer befahrenen Straße wohnst oder sich vor dem Haus eine Baustelle befindet, schließe die Fenster.
  • Stelle dein Smartphone – sofern du es nicht für das Gespräch nutzt – und nach Möglichkeit auch deine Türklingel lautlos, um Störungen zu vermeiden.
  • Lege deine Bewerbungsunterlagen und die Stellenanzeige bereit.
  • Habe einen Schreibblock und einen Stift parat, um dir Notizen machen zu können. Nutze dafür keinen Laptop, denn das Tippen auf der Tastatur könnte als störend empfunden werden.
  • Stelle ein Glas Wasser in Reichweite. Dann kannst du gelegentlich einen Schluck trinken.
  • Suche vor dem Gespräch die Toilette auf.

Es kann sinnvoll sein, beim Telefonieren Kopfhörer zu nutzen. Das erleichtert die Handhabung, wenn du dir Notizen machst. Du solltest das Telefon nicht auf Lautsprecher stellen, denn darunter leidet die Klangqualität und dein Gesprächspartner nimmt mehr Umweltgeräusche wahr.

Wenn du beim Telefonieren große Ohrringe trägst, können dadurch Störgeräusche entstehen. Lege sie lieber vorher ab.

So verhältst du dich während des Telefoninterviews

Folgende Punkte sind während des Gesprächs außerdem zu beachten:

  • Sei bei der Begrüßung freundlich und bedenke, dass es bei dem Gespräch um einen potenziellen Arbeitsplatz geht. Melde dich lieber mit „Beate Beispiel, guten Tag“, nicht mit „Hey, Bea hier“ oder „Hallo, wer ist da?“.
  • Lasse deinen Gesprächspartner stets ausreden. Das kann am Telefon mitunter schwierig sein, aufgrund der verzögerten Übertragung. Scheue daher keine kurzen Gesprächspausen.
  • Bewahre beim Sitzen eine gute Haltung oder telefoniere im Stehen, denn das verleiht deiner Stimme Kraft.
  • Bleibe entspannt und ruhig.
  • Lächle, denn dadurch klingt deine Stimme automatisch freundlicher.
  • Höre deinem Gesprächspartner gut zu und verhalte dich seriös.
  • Gib möglichst prägnante Antworten.
  • Sprich deutlich und nicht zu schnell.
  • Verabschiede dich zum Schluss persönlich, indem du deinen Gesprächspartner beim Namen nennst.

Wenn etwas schief geht heißt es: ruhig bleiben. Zeige deinem Gesprächspartner, wie gut du mit Stresssituationen umgehen kannst. Wenn es nicht anders geht, entschuldige dich und löse das Problem. Du musst Prioritäten setzen.

Bewerbungsgespräch per Videochat

Telefoninterview: Eine junge Frau führt ein Bewerbungsgespräch per Videochat.
Bei einem Bewerbungsgespräch per Videochat kommt es auf ein freundliches Auftreten an.

Bei einem Bewerbungsgespräch per Videochat lassen sich in der Regel die gleichen Tipps anwenden wie für ein Telefoninterview. Hinzu kommt allerdings, dass dein Gesprächspartner dich hierbei sehen kann. Deshalb bevorzugen viele Unternehmen diese Möglichkeit, ein Vorstellungsgespräch zu führen. Es kommt dem persönlichen Treffen im Unternehmen sehr nahe. Zudem ist das Bewerbungsgespräch über Videochat günstiger als beispielsweise ein Anruf ins Ausland.

Ein Bewerbungsgespräch per Videochat bedeutet mehr Aufwand. Folgendes solltest du beachten, wenn du nicht nur durch deine Wortgewandtheit, sondern auch optisch gut bei deinem Gesprächspartner ankommen möchtest:

  • Richte die Kamera auf Augenhöhe aus und schaue hinein, wenn du mit dem Interviewer sprichst. Redet er, kannst du auf den Bildschirm schauen.
  • Wähle einen ordentlichen Bildausschnitt. Im Hintergrund sollten keine Wäscheberge, vertrockneten Pflanzen oder peinlichen Fotos zu sehen sein. Geeignet ist stattdessen eine simple weiße Wand, lebende Pflanzen oder ein Bücherregal, in dem beispielsweise einige Sachbücher erkennbar sind, die in ihrer Thematik zu deinem Wunschberuf passen.
  • Sorge für eine gute Beleuchtung. Dein „Gegenüber“ möchte dein Gesicht erkennen können.
  • Wenn dein Computer nicht über eine hochwertige Kamera verfügt, solltest du dir nach Möglichkeit eine bessere zulegen, die du an den PC anschließen kannst.
  • Auch die Klangqualität der Lautsprecher ist von Bedeutung. Oft ist es sinnvoll, während des Gesprächs ein Headset zu nutzen.
  • Achte auf eine gerade Haltung und rutsche nicht auf deinem Stuhl hin und her.
  • Halte dich mit Bewegungen zurück. Wenn du übermäßig gestikulierst, kann das Bild verzerren. Lege deine Hände stattdessen lieber locker in den Schoss.
  • Trage Kleidung, die du auch bei einem Bewerbungsgespräch vor Ort tragen würdest.
  • Eine gute Internetverbindung ist unerlässlich. Bitte deine Mitbewohner bestenfalls darum, während des Gesprächs nicht das Internet zu nutzen.
  • Wenn du einen Laptop verwendest, sollte dieser aufgeladen sein. Schließe ihn bestenfalls ans Stromnetz an.

Bereite dich bei einem Bewerbungsgespräch per Videochat darauf vor, von mehreren Personen interviewt zu werden. Lass dich davon nicht beirren, denn das ändert nichts an der Qualität deiner Antworten.

Software für das Bewerbungsgespräch mit Video

Es gibt verschiedene Programme, mit denen Videochats durchgeführt werden können, beispielsweise Skype, Jitsi, Zoom oder Google Hangouts. Welches Programm bei deinem Bewerbungsgespräch zum Einsatz kommt, wird dir vorab in der Einladung mitgeteilt. Falls dem nicht so ist, solltest du dich danach erkundigen.

Installiere die Software einige Tage vor dem Gespräch und teste sie mit Freunden. Prüfe spätestens einen Tag vor dem Termin, ob die Software aktuell ist. Dann hast du noch genügend Zeit, um Updates durchzuführen.

Bewerbungsgespräch via Skype

Am häufigsten wird wohl Skype als Software für ein Bewerbungsgespräch per Videochat gewählt. Das Programm ist einfach in der Handhabung und der Download ist kostenlos. Zudem ist eine Synchronisation auf mehreren Geräten möglich. Das kann dir helfen, wenn beispielsweise dein Laptop versagt. Dann kannst du nämlich im Notfall auf dein Tablet oder Smartphone umsteigen.

Wie auch bei Messenger-Diensten, solltest du dein Profilbild ändern, wenn nötig. Ein Partyfoto ist gänzlich ungeeignet. Wähle lieber ein neutrales Bild, bestenfalls dein Bewerbungsfoto, dann erkennt dich dein Gesprächspartner wieder. Idealerweise erstellst du einen Account für Geschäftliches. Gib dir einen seriösen Namen. Traditionell wäre hier beispielsweise Vorname.Nachname – wahlweise mit Geburtsjahr.

Nachteile von Telefoninterview und Videochat

Ein Telefoninterview oder ein Bewerbungsgespräch per Videochat spart zwar Zeit und Geld, doch natürlich gibt es auch einige Nachteile, die wir kurz beleuchten möchten:

Der erste Eindruck kann verfälscht werden. Das gilt insbesondere bei einem Telefoninterview, weil die Gesprächspartner einander nicht sehen können. Hinzu kommt, dass du von der Atmosphäre im Unternehmen nichts mitbekommst.
Häufig wird weniger Small-Talk geführt, als es vor Ort der Fall wäre. Dadurch ist es schwieriger, die Situation aufzulockern.
Die Verbindung muss stimmen. Zur Sicherheit solltest du zu Beginn des Gesprächs mit deinem Gesprächspartner die Telefonnummern austauschen, für den Fall, dass die Verbindung abbricht oder die Technik versagt.

Nach dem Gespräch

Egal, ob persönliches Treffen, Telefoninterview oder Bewerbungsgespräch per Videochat – ist es vorbei, fragt sich wohl jeder erst einmal, ob er seine Sache gut gemacht hat. Wenn du dich mit deinem Gesprächspartner gut verstanden hast, das Gespräch länger dauerte als geplant und deine Rückfragen gut ankamen, sind das schon mal gute Zeichen. Hast du dich ausreichend vorbereitet und hattest gute Antworten parat, kannst du mit dir zufrieden sein.

Es ist eher unüblich, dass man direkt zu einem weiteren Vorstellungsgespräch im Unternehmen eingeladen wird. Meist kündigen Personaler an, dass sie sich bei dir melden werden. Geschieht dies innerhalb weniger Tage oder sogar noch am selben Tag in positiver Art und Weise, hast du Glück und gehörst zum engeren Bewerberkreis.

Bildnachweis: fizkes / Shutterstock.com