Das Erasmus-Programm ist vorrangig für sein Austauschprogramm für Studierende bekannt. Tatsächlich beinhaltet es jedoch zahlreiche weitere Projekte im Bereich der beruflichen Bildung, des Sports und zur Förderung Jugendlicher. Nur beispielhaft soll das schon seit Jahrzehnten bestehende Bildungsprogramm für lebenslanges Lernen genannt sein, das die Mobilität junger Berufstätiger, Studierender und Dozenten innerhalb der Europäischen Union fördert. Vier nationale Agenturen befassen sich in Deutschland mit der Umsetzung des Erasmus-Programms, unter anderem der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD).

Karrierechancen erhöhen mit dem Erasmus-Studienprogramm

Das Erasmus-Studienprogramm verfolgt das Ziel, Studierenden ein flexibles Agieren innerhalb verschiedener EU-Länder zu ermöglichen.

Das kommt der transnationalen Zusammenarbeit zugute und fördert die Karrierechancen der späteren Absolventen ganz beträchtlich. Für mehr als 60 Prozent der Unternehmen stellt ein Auslandsaufenthalt ein wichtiges Einstellungskriterium dar.

Denn auch wenn Auslandssemester oder berufliche Erfahrung im Ausland nicht zwingend in der Stellenausschreibung gefordert werden, so sind doch Bewerber gern gesehen, die schon einmal „über den Tellerrand“ geblickt haben. Und dies nicht notwendigerweise nur wegen der erworbenen Sprachkenntnisse: Unternehmen schätzen Absolventen, die bereits längere Zeit im Ausland verbracht haben, als flexibler, organisierter und selbstständiger ein.

Auch die erworbene Sozialkompetenz im internationalen Kontext ist ein großer Vorteil, den der Absolvent Personalverantwortlichen gegenüber geltend machen kann. Vielleicht konnten die Studierenden bereits internationale Kontakte in ihrem Fachgebiet knüpfen, die ihnen künftig von Nutzen sein werden. Vor allem schätzen Personalverantwortliche die Auslandserfahrung eines Bewerbers, wenn das Unternehmen ebenfalls international aufgestellt ist.

Für eine Stelle in einer Auslands-Niederlassung eines Unternehmens kann dann Berufs- oder Praktikumserfahrung in dem jeweiligen Land sogar eine zwingende Voraussetzung sein.

Den Auslandsaufenthalt auf die Karrierepläne abstimmen

Daher sollten sich Studierende schon früh darüber im Klaren sein, ob zu ihrer gewählten Karriere ein Auslandsaufenthalt passt beziehungsweise ob dieser nicht sogar erforderlich ist. Künftige Steuerberater werden zu einem anderen Schluss kommen als Studenten des Internationalen Managements. Wer sich für einen Auslandsaufenthalt entscheidet, der wird von einer Teilnahme am Erasmus-Programm erheblich profitieren können.

Noch eine Zahl dazu: Fünf Jahre nach dem absolvierten Hochschulstudium ist die Arbeitslosenquote bei Erasmus-Studierenden um mehr als ein Fünftel niedriger als bei anderen Hochschulabsolventen.

Das Erasmus-Programm fördert sowohl Studien an einer europäischen Universität als auch Praktika in europäischen Unternehmen. Dabei müssen sich Studierende nicht für ein Studium oder ein Praktikum entscheiden. Sie können beide Programme jeweils zwölf Monate lang in Anspruch nehmen oder auch ein Studium mit einem Praktikum im Ausland verbinden.

Ein Auslandssemester an einer europäischen Gasthochschule

Verbesserte Sprachkenntnisse, internationale Freundschaften, neue Erfahrungen – das sind nur einige der Vorteile, die ein Studienaufenthalt an einer Universität im Ausland mit sich bringt. Wird dieser Aufenthalt im Rahmen des Erasmus-Programms durchgeführt, kommen noch weitere Pluspunkte hinzu:

  • Während eines Auslandssemesters mit dem Erasmus-Programm muss der Studierende keine Studiengebühren zahlen – weder im Gastland noch in Deutschland. Da die Studiengebühren in manchen Ländern sehr hoch sind, macht dies einen entscheidenden finanziellen Unterschied. Womöglich macht es den Aufenthalt an der Wunschhochschule sogar erst möglich.
  • Die Studierenden erhalten zusätzlich eine finanzielle Unterstützung, die von Universität zu Universität unterschiedlich sein kann.
  • Unter Umständen werden Sprachkurse gefördert, die dazu beitragen, sich auf das Auslandssemester vorzubereiten.

Bewerbung für ein gefördertes Auslandssemester

Um für ein Erasmus-Auslandssemester zugelassen zu werden, müssen verschiedene Voraussetzungen vorliegen.

Dazu gehören die Einschreibung an einer europäischen Universität und die Staatsbürgerschaft einer der Länder, die an dem Erasmus-Programm teilnehmen. Auch dürfen die Studierenden nicht schon einmal an einem Erasmus-Programm teilgenommen haben. Schließlich werden mindestens zwei Semester Studienfortschritt und ausreichende Sprachkenntnisse – mindestens Sprachniveau B2 – für die Teilnahme an den Vorlesungen im Gastland gefordert. Zudem müssen die Heimathochschule und die Gasthochschule am Erasmus-Programm teilnehmen und einen Kooperationsvertrag abgeschlossen haben.

Die Bewerbung wird in der Regel beim Erasmus-Koordinator der Hochschule eingereicht, an welcher der Studierende gerade eingeschrieben ist. Zu den Bewerbungsunterlagen gehört unter anderem ein Motivationsschreiben, in dem der Bewerber erklärt, weshalb er sich für die jeweilige Universität beziehungsweise das entsprechende Gastland entschieden hat.

Die beliebtesten Gastländer deutscher Studenten sind übrigens Großbritannien, Frankreich und Spanien. Die Studienplätze sind in diesen Ländern daher oft heiß umkämpft.

Ein Auslandspraktikum mit dem Erasmus-Programm

Zwischen drei bis zwölf Monate kann ein mit dem Erasmus-Programm gefördertes Praktikum dauern, auf das sich der Studierende in der Regel selbst bei einem europäischen Unternehmen bewerben muss.

Die Voraussetzung: Während der gesamten Dauer des Praktikums muss der Student oder die Studentin in einer öffentlichen Hochschule eingeschrieben sein.

Das Erasmus-Praktikum kann mit einem Erasmus-Auslandssemester kombiniert werden, sodass insgesamt bis zu 24 Monate Auslandserfahrung gefördert werden können.

Das Leonardo-da-Vinci-Programm

Dieses Praktikum wird von der Nationalen Agentur Bildung für Europa angeboten und stellt eine Alternative zum Erasmus-Programm dar. Die Förderung beträgt hier nur maximal sechs Monate, umfasst aber unter anderem auch die An- und Abreise, Betreuung vor Ort und Sprachkurse.

Wer sich bereits einmal für das Leonardo-da-Vinci-Mobilitäts-Programm beworben hat, kann keine weitere Bewerbung für das Erasmus-Programm mehr abgeben.

Wie und wo kann die Förderung in Anspruch genommen werden?

Die Fördermittel werden in einem Betrag oder in Raten von den Hochschulen ausgezahlt, an der die Programmteilnehmer eingeschrieben sind. Oft ist dies an Bedingungen geknüpft, wie zum Beispiel die Unterzeichnung des Studienvertrages, die Bestätigung der Gasthochschule, dass der Studierende die Vorlesungen an der Hochschule besucht, das erfolgreich abgeschlossene Studium an der Gasthochschule oder auch das beendete Praktikum im Gastland.

Das Geld wird nicht zweckgebunden ausgezahlt. Das heißt, die Förderung steht dem Programmteilnehmer frei zur Verfügung. Die Förderung kann zusätzlich mit einem BAföG-Bezug oder einem Deutschlandstipendium kombiniert werden.

Neuerungen durch Erasmus+

Im Jahr 2014 wurden einige Änderungen und Erweiterungen am Erasmus-Programm vorgenommen. Dazu gehört, dass Studierende nun die Förderung für verschiedene Studienabschnitte in Anspruch nehmen dürfen. Das heißt, es besteht die Möglichkeit, einmal im Rahmen des Bachelorstudiums und einmal im Zuge des Doktorates an Erasmus+ teilzunehmen.

Weitere Informationen können Interessenten auch beim Deutschen Akademischen Austauschdienst erhalten.

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