Das Studium oder die Ausbildung ist beendet – und was jetzt? Ein Volontariat hilft dir dabei, praktische Berufserfahrung zu sammeln, und erleichtert dir so den Einstieg in das Berufsleben. Wir haben in diesem Artikel alle wichtigen Informationen für dich zusammengetragen, damit du entscheiden kannst, ob ein Volontariat das Richtige für dich ist.

Was ist ein Volontariat?

Der Begriff „Volontariat“ stammt von dem französischen Wort „volontaire“ ab, was auf Deutsch „freiwillig“ bedeutet. Ursprünglich war das Volontariat ein unbezahlter Freiwilligendienst für eine gemeinnützige Organisation.

Heute versteht man darunter jedoch ein Art Ausbildungsverhältnis, das Berufseinsteigern als eine Einführung in das Berufsleben dient. Das Volontariat wird hauptsächlich in den Bereichen Medien und Kultur angeboten.

Für die Arbeit als Volontär gibt es jedoch keine gesetzlichen Regelungen wie bei einer normalen Berufsausbildung. Es gibt also keine offizielle Definition, die entscheidet, ob es sich dabei um ein Ausbildungs- oder Arbeitsverhältnis handelt.

Die einzige Ausnahme ist das journalistische Volontariat – denn hier wird jeder Auszubildende als Volontär bezeichnet. Diese journalistische Grundausbildung ist in einem Tarifvertrag vom Deutschen Journalisten Verband (DJV) genau geregelt.

Wo kann man ein Volontariat machen?

Wie bereits erwähnt, werden Volontariate überwiegend in den Bereichen Journalismus, Kultur und Medien angeboten – und die Auswahl an Berufen ist vielfältig.

Du kannst ein Volontariat als Social-Media-Manager machen, in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, im Online-Marketing, in einer Redaktion, im Bereich Fotografie und Grafik-Design aber auch in der Finanzkommunikation oder im Vertrieb eines Verlagshauses.

Volontariate werden häufig von großen und kleinen Verlagshäusern, Agenturen, Mediengruppen und dem Rundfunk ausgeschrieben. Ob es dich nun in eine Großstadt wie Hamburg zieht, in der es viele Buch- und Zeitungsverlage gibt, oder eher in eine kleine Werbeagentur auf dem Land – die Stellenausschreibungen sind umfangreich.

Das journalistische Volontariat, das von dem DVJ geregelt ist, umfasst hingegen die Grundausbildung bei einer Tageszeitung, Zeitschriften und dem Rundfunk.

Eine weitere Option ist das wissenschaftliche Volontariat, das du in Kultur-Institutionen wie Museen, Galerien und auch in Universitäten absolvieren kannst. In Thüringen und Sachsen hast du sogar die Möglichkeit, ein Volontär in einer öffentlichen Bibliothek zu werden.

Wer darf ein Volontariat anbieten?

Im Gegensatz zu einer Berufsausbildung ist keine spezielle Erlaubnis notwendig, um ein Volontariat anzubieten. Das heißt, ein Betrieb muss keine weiteren formellen Kriterien erfüllen, um einen Volontär auszubilden, sondern muss nur die geltenden arbeitsrechtlichen Standards berücksichtigen.

Wie finde ich eine Stelle als Volontär?

Offene Stellen für Volontariate werden als Stellenausschreibungen angeboten – die meisten findest du online auf gängigen Plattformen für Jobsuchen wie Indeed oder Stepstone. Sollte ein bestimmtes Verlagshaus oder eine Agentur dein Interesse geweckt haben, kannst du natürlich auch direkt auf der entsprechenden Webseite nach offenen Stellen suchen oder dich mit einer Initiativbewerbung vorstellen.

Wie bewerbe ich mich als Volontär?

Die Bewerbung für ein Volontariat sieht im Grunde genauso aus wie eine reguläre Bewerbung für einen Job. Neben deinem Lebenslauf und einem Anschreiben solltest du auch aussagekräftige Zeugnisse und Unterlagen anführen, die für dein angestrebtes Berufsbild relevant sind.

Weitere Tipps und Tricks, wie du mit deiner Bewerbung überzeugen kannst, findest du in den Ratgebern auf unserer Webseite.

Welche Voraussetzungen muss man für ein Volontariat erfüllen?

Im Grunde musst du nur zwei Voraussetzungen erfüllen, um dich für ein Volontariat bewerben zu können: Du musst über 18 Jahre alt sein und einen Schulabschluss haben.

In der Realität sieht das jedoch anders aus, denn die Konkurrenz um die Volontariatsstellen ist groß und der Anspruch an die Bewerber dementsprechend hoch. Um überhaupt eine Chance auf ein Volontariat zu haben, solltest du mindestens das Abitur und/oder eine abgeschlossene Ausbildung haben. In der Regel werden jedoch Bewerber mit einem abgeschlossenen Hochschulstudium bevorzugt – was das realistische Alter von Volontären auf Mitte bis Ende zwanzig anhebt.

Natürlich ist es hilfreich, wenn dein Studium bereits einen fachlichen Bezug zu dem Beruf hat, den du später ausüben willst. Auch einschlägige Praktika in dem Bereich, für den du dich bewerben willst, verbessern deine Chancen auf eine Stelle.

Ein Sonderfall ist es jedoch, wenn du dich für ein journalistisches Volontariat interessierst – denn hier ist es häufig sogar von Vorteil, wenn du dir durch dein Studium ein bestimmtes Fachwissen angeeignet hast und zum Beispiel Politikwissenschaften studierst. Das journalistische Handwerk lernst du während des Volontariats.

Es gibt eine Sonderregelung für das journalistische Volontariat: In einigen Stellenausschreibungen – wie zum Beispiel beim NDR – wird explizit darauf hingewiesen, dass der Bewerber zuvor noch kein Volontariat absolviert haben darf.

Wie lange dauert ein Volontariat?

Ein Volontariat dauert in der Regel ein bis zwei Jahre. Dabei kommt es immer darauf an, in welcher Branche du es absolvieren möchtest, denn die genaue Dauer wird von jedem Betrieb im Einzelnen festgelegt – nur für das journalistische Volontariat gibt es einen festen Tarifvertrag.

Wir haben für dich dennoch eine grobe Übersicht zusammengestellt:

  • Tageszeitungen und Zeitschriften: Das Volontariat dauert 24 Monate. Es kann in Ausnahmefällen auf 15 Monate verkürzt werden, wenn der Volontär als „hervorragend geeignet“ gilt.
  • Im Rundfunk dauert es im Durchschnitt 18 Monate.
  • In Buchverlagen meist nur 6 bis 12 Monate.
  • Das wissenschaftliche Volontariat in öffentlichen Kultureinrichtungen dauert in der Regel 24 Monate.

Die genaue Länge, die Inhalte und auch die Vergütung werden jedoch meist vorab in einem Ausbildungsplan und einem befristeten Arbeitsvertrag festgehalten, damit du weißt, was auf dich zukommt.

Wie läuft ein Volontariat ab?

Es gibt keinen einheitlichen Ausbildungsplan für ein Volontariat. Generell kann jeder Betrieb eigene Vorgaben machen, welche Inhalte du in der vorgegebenen Zeit lernen wirst.

Fester Bestandteil der Ausbildung ist jedoch die praktische Arbeit in dem Unternehmen. In der Regel übernimmst du die gleichen Tätigkeiten wie deine bereits ausgebildeten Kollegen.

Im besten Fall bekommst du einen Mentor, einen eigenen Ansprechpartner, der dir mit Rat und Tat zur Seite steht und dich in deine Aufgabenbereiche einführt. In vielen Volontariaten kannst du neben der praktischen Ausbildung auch an weiterführenden externen Seminaren und Kursen teilnehmen.

Im Idealfall legst du gemeinsam mit deinem Arbeitgeber einen genauen Ablaufplan fest, in dem die Inhalte und die zusätzlichen Weiterbildungsmaßnahmen festgehalten sind. Der Betrieb ist jedoch nicht dazu verpflichtet, dir einen genauen Plan vorzugeben.

Aus diesem Grund solltest du bei der Auswahl der passenden Stelle darauf achten, was dir an deiner Ausbildung besonders wichtig ist. Besonders kleine Betriebe sind häufig nicht so gut organisiert wie große Medienhäuser – du solltest deine Wahl also gut überdenken.

Das journalistische Volontariat

Bei einem journalistischen Volontariat ist der genaue Ablauf von dem Deutschen Journalistenverband im Tarifvertrag geregelt:

  • Während des Volontariats lernst du mindestens drei verschiedene Ressorts kennen, in denen du jeweils mindestens zwei Monate verbringst. Die Bereiche Politik und Lokales sind dabei obligatorisch. Das dritte Ressort kannst du dir frei nach deinen Wünschen aussuchen: zum Beispiel die Bereiche Kultur, Wirtschaft oder Sport.
  • Du erlernst das journalistische Handwerk: von der Recherche, über Interviews, der Teilnahme an Pressekonferenzen bis zum Schreiben von Artikeln. Mittlerweile gehört auch häufig das Erstellen von Social-Media-Einträgen zu deinen Aufgabenbereichen.
  • Zusätzliche Weiterbildungen und Seminare sind fester Bestandteil des journalistischen Volontariats. Sie dauern insgesamt mindestens vier Wochen; neben der praktischen Ausbildung werden hier auch rechtliche Themen wie zum Beispiel das Urheberrecht vermittelt.

Das wissenschaftliche Volontariat

Bei einem wissenschaftlichen Volontariat sind die Inhalte und der Ablauf vorab genauer definiert und in einem Ausbildungsplan festgehalten.

Das Skelett eines Dinosauriers in einem Museum.
In Museen gibt es nicht nur Dinosaurier, auch junge Volontäre sind gefragt.

Du übernimmst dabei häufig ein eigenes Forschungsprojekt oder bist Teil eines größeren Projekts. Neben den wissenschaftlichen Tätigkeiten, wie Forschen und Dokumentieren, lernst du aber auch andere Bereiche kennen, wie die Verwaltung, die Öffentlichkeitsarbeit und das Management.

Bei einem Volontariat in einem Museum oder einer Galerie gehören auch die Planung von Ausstellungen, die Kontrolle und Restauration der Ausstellungsstücke, Besucherführungen und die Aufstellung von Kostenplänen zu deinen Aufgaben.

Ziel des wissenschaftlichen Volontariats ist es, alle Abteilungen des Hauses kennenzulernen, um ein umfangreiches Bild der Arbeit zu bekommen. Es ist nicht unüblich, dass du für kurze Zeit in einen anderen Betrieb versetzt wirst, wenn in deiner Betriebsstätte nicht alle typischen Fachbereiche vorhanden sind. Auch Konferenzen, Weiterbildungen und Tagungen gehören zu dem Ausbildungsplan des wissenschaftlichen Volontariats.

Wie viel verdient man als Volontär?

Es gibt kein einheitliches Gehalt für Volontäre, denn es hängt davon ab, in welcher Branche du arbeitest und was dein Arbeitgeber zu zahlen bereit ist.

Schwierig ist die Frage nach dem Gehalt auch, weil das Volontariat nicht gesetzlich definiert ist: Ist es ein Ausbildungsverhältnis, hast du keinen Anspruch auf den Mindestlohn, ist es jedoch ein reguläres Arbeitsverhältnis, dann schon. Über diese Frage wird noch immer gestritten.

Da du während eines Volontariats jedoch in Vollzeit arbeitest, wird es fast immer vergütet. Um Betriebe, die dich für deine Arbeit nicht bezahlen wollen, solltest du hingegen einen Bogen machen.

Eines ist jedoch klar: Als Volontär wirst du nur selten wie eine vollwertige Arbeitskraft bezahlt. Im Durchschnitt verdienst du zwischen 1.000 und 1.800 Euro brutto im Monat.

In den Tarifverträgen für Journalismus ist das Gehalt über die zwei Jahre hingegen ganz genau gestaffelt:

  1. Ausbildungsjahr 2. Ausbildungsjahr
Tageszeitungen 1.911 Euro2.216 Euro
Zeitschriften (bis zum 22. Lebensjahr) 1.512 Euro1.763 Euro
Zeitschriften (ab dem 22. Lebensjahr) 1.925 Euro2.177 Euro
Privatfunk 1.407 Euro1.662 Euro
Öffentlich-rechtlicher Rundfunk (im Durchschnitt)1.600 Euro1.900 Euro

(Verdi / Stand 2018)

Im Öffentlich-rechtlichen Rundfunk gibt es zwischen den Sendern noch Unterschiede. Bei einem großen Sender, wie dem NDR, verdienst du in diesem Fall deutlich mehr: Zu Beginn bekommst du 1.926 Euro, im zweiten Jahr dann 2.026 Euro.

Volontariat, Traineeprogramm, Praktikum oder Hospitanz?

Oft wird ein Volontariat mit einem Traineeprogramm oder sogar einem Praktikum verglichen, doch es gibt deutliche Unterschiede, die wir dir im Folgenden erläutern.

Praktikum

Ein Praktikum soll dich zwar ebenfalls an einen bestimmten Beruf heranführen, ist jedoch deutlich kürzer und beläuft sich auf einen Zeitraum von zwischen einem Monat bis zu einem Jahr. Dir werden in der Regel leichtere Aufgaben übertragen als in einem Volontariat und Praktika werden nur selten bezahlt. Die Berufserfahrung, die du in einem Praktikum gewinnst, kann dir wiederum bei der Bewerbung für ein Volontariat helfen.

Im Rahmen eines Studiums sind Praktika häufig Pflicht. Ein Volontariat ist hingegen immer freiwillig – so wie es im ursprünglichen Sinne ja auch vorgesehen war.

Trainee

Eine Stelle als Trainee ist schon eher mit einem Volontariat vergleichbar: Es ist ebenfalls eine Art Ausbildungsverhältnis, das jedoch einen Einstieg in eine anspruchsvollere berufliche Tätigkeit bieten soll.

Der Unterschied zu einem Volontär liegt hier also vor allem darin, dass ein Traineeprogramm darauf ausgerichtet ist, Führungskräfte und Allround-Talente auszubilden. In der Regel durchläuft ein Trainee alle Abteilungen des Unternehmens, vom Management bis zum Vertrieb.

Einen Unterschied gibt es auch in puncto Branche, denn Trainees werden vor allem in technischen Berufen oder zum Betriebswirt ausgebildet. Eine Traineestelle wird außerdem besser vergütet: Das Gehalt liegt zwischen 2.000 und 3.000 Euro brutto im Monat.

Hospitanz

Zu Hospitieren bedeutet „zu Gast sein“ – bei einer Hospitanz geht es also eher darum, die Arbeit zu beobachten, und man bekommt – ähnlich wie bei einem Praktikum – nur leichtere Aufgaben übertragen. Sie dauert in der Regel auch nur vier bis sechs Wochen und ist somit deutlich kürzer.

In vielen Studiengängen – wie zum Beispiel in den Theaterwissenschaften – ist eine Hospitanz während des Studiums Pflicht. Es ist dient jedoch eher dem Kennenlernen des Berufes statt einer praktischen Ausbildung und wird aus diesem Grund auch nicht vergütet.

Was kommt nach dem Volontariat?

Leider ist ein Volontariat noch kein Garant für eine Festanstellung: Nur knapp ein Drittel der Volontäre wird nach der Ausbildung übernommen. Häufig werden ihnen auch nur befristete Arbeitsverträge oder eine freie Mitarbeit angeboten.

Der Großteil der Absolventen muss sich also auf eine neue Stelle bewerben. Ein Volontariat ist allerdings bei vielen Arbeitgeber gern gesehen, denn es beweist, dass du schon praktische Erfahrungen sammeln konntest und dein Handwerk verstehst.

Das Volontariat bietet dir eine gute Chance für einen Berufseinstieg und die Gelegenheit, dich in einer Art Ausbildungsverhältnis auf das richtige Berufsleben vorzubereiten. Dafür musst du zwar zunächst ein geringeres Gehalt in Kauf nehmen, doch bei der späteren Jobsuche wird es sich auszahlen.

Sei bei der Suche nach einer geeigneten Stelle jedoch durchaus kritisch, denn einige Betriebe nutzen die Tatsache, dass es keine gesetzlichen Regelungen für das Volontariat gibt, schamlos aus.

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