Das Gefühl kennt jeder: Beim täglichen Durchstöbern einschlägiger Jobbörsen ist plötzlich etwas anders. In den Suchergebnissen taucht inmitten der immer gleichen Inserate plötzliche eine neue Stellenanzeige auf, die dir – auf den ersten Blick – wie auf den Leib geschneidert erscheint. Dein erster Impuls: Ran an den Speck und in die Tasten gehauen. Dein Ehrgeiz in allen Ehren – genau das solltest du nicht tun.

Denn in Stellenanzeigen steckt in der Regel mehr Gehirnschmalz, als du vielleicht auf den ersten Blick erkennst – und du tust gut daran, das zu beherzigen, wenn du den Job wirklich willst. In der Regel ist jede Formulierung in der Stellenanzeige mit Bedacht gewählt, kaum ein Wort darin ist überflüssig. Der Personalverantwortliche hat sich mit der Ausformulierung viel Mühe gegeben, schließlich möchte er das Unternehmen und die frei gewordene Stelle in dem knappen vorgegebenen Rahmen optimal in Szene setzen.

Ein Schnellschuss deinerseits kann also umgehend nach hinten losgehen, wenn du das Jobangebot nicht zu allererst ganz genau dekodierst. Dadurch erhältst du ein paar wertvolle Informationen über die freie Stelle, die die Personalmitarbeiterin bewusst – oder unbewusst – in die Anzeige hat einfließen lassen.

Der Aufbau einer Stellenanzeige

Fleißige Bewerber wissen: Rein äußerlich ähneln sich die meisten Stellenanzeigen fast wie ein Haar dem anderen. An erster Stelle – und aufgrund dieser Info bist du wahrscheinlich überhaupt erst auf die Annonce aufmerksam geworden – steht die freie Position, meist inklusive des Kürzels „m/w/d“.

Was steckt hinter m/w/d?

m/w/d zeigt an, dass die ausgeschriebene Stelle für alle Geschlechter ausgeschrieben ist. Seit Ende 2018 sind sämtliche Unternehmen verpflichtet, im Sinne des Antidiskriminierungsgesetzes auch solche Bewerber anzusprechen, die sich dauerhaft weder dem weiblichen noch dem männlichen Geschlecht zuordnen lassen. Das Kürzel steht folglich für „männlich/weiblich/divers“.

In den meisten Fällen folgt darauf ein Kurzporträt der Firma, bei der du dich bewerben möchtest, welches wiederum in den häufig nur in Stichpunkten verfassten Hauptteil überleitet. Darin beschreibt das Unternehmen:

  • welche Aufgaben dich in deinem neuen Job erwarten,
  • welche Qualifikationen du dafür mitbringen musst und
  • was das Unternehmen dir im Gegenzug dafür anbietet.

Häufig verbergen sich darin auch die üblichen Füllwörter und Buzzwords, über die du oftmals getrost hinweglesen kannst. Das Unternehmen selbst ist natürlich „erfolgreich“, deine Arbeitsweise „zielgerichtet“ und das Betriebsklima selbstverständlich „angenehm“. Es lohnt sich dennoch, ganz genau auf die Wortwahl in allen drei Bereichen zu achten.

Das Unternehmen in der Stellenanzeige: Gestatten, das sind wir

Der erste Block der Stellenanzeige besteht in der Regel aus einer Handvoll Sätzen, in denen sich das ausschreibende Unternehmen selbst vorstellt.

An dieser Stelle heißt es bereits: Augen auf und ganz genau aufpassen! Aufmerksame Leser identifizieren hier schnell, was der Firma besonders wichtig ist.

Ist die Firma ein Familienunternehmen oder prahlt sie mit Rekordumsätzen? Wird ein regionaler Bezug hergestellt? Auf nachhaltiges Wirtschaften wertgelegt? Wirst du geduzt oder gesiezt? Auch wenn die Unternehmensbeschreibung mitunter wie langweilige Reklame anmutet – wer ein wenig zwischen den Zeilen liest, erhält schon hier wertvolle Hinweise hinsichtlich der Unternehmens- und Kommunikationskultur. 

Jetzt hast du erste Anhaltspunkte dafür, wie der Hase in der Firma läuft, in der du dich bewerben möchtest. Außerdem dürftest du nun eine Idee haben, wie du bei der Formulierung deines Anschreibens vorgehst.

Achtung Stolperfalle

Die Personalvermittlung

Häufig stellt sich in diesem Teilbereich lediglich die Personalvermittlung vor, die mit dem Besetzen der freien Stelle beauftragt wurde. In deinem Anschreiben solltest du das unbedingt im Hinterkopf behalten und deine Formulierungen entsprechend anpassen.

Diese Vorteile bietet dir die Vorstellung des Unternehmens

  • Überblick über die Unternehmensgröße
  • Einblicke in die Unternehmens- und Kommunikationskultur
  • Inspirationen für die Formulierung des Anschreibens

Zugleich gilt es bei einigen Formulierungen besonders auf der Hut zu sein. Nicht selten maskieren Unternehmen wenig wünschenswerte Arbeitsumstände mit blumigem Marketing-Sprech. Entdeckst du gleich mehrere der folgenden Begriffe in einer Stellenanzeige, dann schau dich besser anderweitig um – oder lege zumindest eine gesunde Menge Skepsis an den Tag, solltest du zum Vorstellungsgespräch eingeladen werden.

Vorsicht vor diesen Formulierungen:

  • Traditionsunternehmen: Änderungen an Arbeitsabläufen, selbst kleinste, sind hier unerwünscht. Innovative Ideen kannst du zu Hause lassen, denn die versanden bestenfalls in den festgefahrenen Firmenstrukturen.
  • Dynamisches Umfeld/dynamisches Unternehmen: Die linke Hand weiß nicht, was die rechte tut. Zudem sind Zuständigkeiten oder gar Hierarchien nicht klar umrissen. Die Folgen: Kommunikationschaos, Reibereien zwischen Kollegen, Frust. „Flache Hierarchien“ ist eine Formulierung, die in eine ähnliche Kerbe schlägt.
  • Kreatives Team: Wie kreativ kann ein Team sein, das sich derartiger Floskeln bedient? Eben.
  • Aufstiegsmöglichkeiten: Die gibt es im Grunde immer. Wird extra darauf hingewiesen, liegt dem vielleicht eine starke Mitarbeiterfluktuation zu Grunde – das sollte dich stutzig machen.

Ihre Aufgaben: Hier steht, was du in dem Job erledigen sollst

In aller Regel findest du im nächsten Block eine Beschreibung der Tätigkeit, die dich in deinem neuen Job erwartet.

Als Faustregel gilt hier: Je konkreter deine zukünftige Aufgabe hier abgebildet wird, desto seriöser die Stellenanzeige.

Ein möglichst definiertes Aufgabenprofil bedeutet auch, dass du dich viel besser auf ein Vorstellungsgespräch vorbereiten kannst – und solltest:

Ein Personaler, der schon in der Stellenanzeige die Arbeit mit der „Adobe Creative Cloud, insbesondere Photoshop“ ankündigt, wird dich wahrscheinlich konkret nach deiner bisherigen Arbeit mit genau dieser Software fragen. Tipp: Du wirst in diesem Fall mit eigenen Arbeitsproben punkten können.

In den Aufgabenbereich gehört ferner, ob das Unternehmen Weiter- oder Fortbildungsmaßnahmen am Arbeitsplatz anbietet. Wird dies nicht explizit genannt, erwartet dein künftiger Chef ebenfalls, dass du bereits Erfahrung auf dem Kerbholz hast, selbst wenn dies nicht ausdrücklich im Teil „Qualifikationen“ erwähnt wird.

Achte auch darauf, welche Art von Verben die Personalmitarbeiterin in der Stellenanzeige verwendet: Unterstützen, verwalten, mitwirken, abwickeln, bearbeiten – diese und ähnliche Begriffe deuten eine eher passive Rolle an. Hier wird in der Hauptsache von dir erwartet, dass du klar umrissene, deutlich formulierte Aufgaben gewissenhaft abarbeiten kannst.

„Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen.“

Helmut Schmidt

Das hat ein einigermaßen beliebter, kettenrauchender Ex-Bundeskanzler mal gesagt. Auch wenn das sicherlich überspitzt ausgedrückt ist, stimmt die Stoßrichtung: Deine Aufgabe wird in diesem Fall eine wenig gestalterische oder gar visionäre sein. Dein neuer Arbeitsplatz wird kein „Think Tank“, sondern eben genau das – ein Arbeitsplatz.

Steuern, managen, verantworten, gestalten, entwickeln, verkaufen: Ganz anders sieht es bei dieser Art von Verben aus. Personalverantwortliche, die diese oder ähnliche Worte mehrfach in die Stellenanzeige eingebaut haben, verlangen eine viel aktivere Rolle in dem Unternehmen von dir. Hier ist Initiative gefragt, Mitdenken und unternehmerisches Handeln. Und du wirst höchstwahrscheinlich eine gute Portion Führungsverantwortung übernehmen, ob es nun explizit in der Anzeige steht oder nicht.

Ihre Qualifikationen: Was du mitbringen musst und was nicht

Ein Mann guckt mit einem Auge durch eine Lupe.
Es lohnt sich, bei bestimmten Formulierungen in der Stellenanzeige ganz genau hinzusehen.

Was für das Anschreiben in einer Bewerbung gilt, trifft umgekehrt auch bei Stellenanzeigen zu. Floskeln wie „flexibel“, „zuverlässig“ und dergleichen sind inzwischen derart abgenutzt, dass sie jede Bedeutung verloren haben. Dennoch zahlt es sich aus, nicht sofort auf Durchzug zu stellen, sondern ganz genau hinzusehen. Denn inzwischen dürfte eigentlich in den allermeisten Personalabteilungen angekommen sein, dass solche Begriffe in Stellenanzeigen nichts verloren haben. Strotzt die Annonce dennoch vor solchen Allgemeinplätzen, war das entweder ein Versehen (was nicht gerade für das Unternehmen spricht) oder es steckt mehr dahinter.

Vorsicht vor diesen Formulierungen:

  • Belastbarkeit: Häufige Mehrarbeit, überstürzte Entscheidungen, Hauruck-Aktionen, überarbeitete Kollegen – hier erwartet dich ein raues Betriebsklima.
  • Mobilität/Mobilitätsbereitschaft: Es gibt zwar einen Arbeitsplatz, den wirst du aber kaum zu Gesicht bekommen. Wenn du nicht gerade auf Dienstreise bist, entrümpelst du deinen Schreibtisch, weil der Unternehmensstandort mal wieder umzieht.
  • Unternehmerisches Denken: Hier zählen nur die Zahlen. Wer nicht permanent liefert, fliegt. Es wird erwartet, dass du deine persönlichen Interessen hinter die Erwartungen der Firma stellst.
  • Teamfähigkeit: Klingt doch nett, oder? Geht so. Die Kollegen sind ein eingeschworenes Team, Anschluss findest du hier nur schwer. Bewerber mit Eigeninitiative und neuen Ideen haben es hier nicht leicht.

In diesem Teilbereich werden außerdem harte Fakten abgefragt, die du in jedem Fall erfüllen musst. Nicht selten prüfen Personalbeauftragte diese als erstes, noch bevor sie überhaupt das Anschreiben zur Hand nehmen. Werden diese Voraussetzungen nicht erfüllt, bist du in der Regel raus und deine Bewerbung landet auf dem Ablagestapel. Wäre doch schade drum.

Die 3Bs musst du unbedingt erfüllen:

  • Bildung: Die meisten Arbeitgeber verlangen je nach Job einen bestimmten Bildungsgrad, also zum Beispiel einen Realschulabschluss, ein Abitur oder ein abgeschlossenes Studium.
  • Berufserfahrung: Für Absolventen das frustrierendste B. Ein Großteil der wirklich interessanten Stellen setzen oft mehrere Jahre Erfahrung im Berufsleben voraus.
  • Branchenkenntnis: Deine vier Jahre als Koch werden dir nicht viel nützen, wenn du dich auf einen Posten bewirbst, der Erfahrung in der Versicherungsbranche voraussetzt. Besonders für Quereinsteiger ist dieses B oft eine unüberwindbare Hürde.

Es kann zu Überschneidungen kommen

Die letzten beiden Bs überschneiden sich häufig – etwa dann, wenn von „einschlägiger“ oder „relevanter“ Berufserfahrung die Rede ist. In diesem Fall ist stets gemeint, dass du bereits zwingend mehrere Jahre bei einem anderen Arbeitgeber in dem Job gearbeitet haben musst, für den du dich gerade bewirbst.

Das bieten wir: Hier stehen die Gegenleistungen

In diesem Teilbereich steht, was du für deine Arbeit bekommst. Als Bewerber liest man so etwas natürlich immer gerne, weshalb viele Personalmitarbeiter hier oft entsprechend weit ausholen.

Am Ende des Tages arbeiten wir, weil wir dafür bezahlt werden. Du tauschst deine Zeit gegen Geld ein, ganz nüchtern betrachtet. Tolles Arbeitsklima hin, flache Hierarchien her. Kein Wunder, dass die meisten Bewerber eine Stelle attraktiver finden, wenn in der Stellenanzeige das Gehalt thematisiert wird.

Dummerweise wirst du leider in den wenigsten Stellenanzeigen eine konkrete Hausnummer vorfinden. Anhand von Formulierungen im Qualifikationsteil der Stellenanzeige und der Suche nach der Stellenbezeichnung in gängigen Suchmaschinen lässt sich das zu erwartende Gehalt aber recht präzise einschätzen – zumindest wenn du bereit bist, ein paar Minuten Recherche zu betreiben. Beachten solltest du, dass Stellen, die Berufserfahrung voraussetzen, oft deutlich bessere Bezahlung bieten, als diejenigen, für die ein Berufsanfänger gesucht wird.

Stellen im öffentlichen Dienst oder tarifgebundene Arbeitsverhältnisse bilden hier eine erfreuliche Ausnahme. Will dein Arbeitgeber in spe dich zum Beispiel nach dem „TVöD“ bezahlen, erfährst du dein künftiges Gehalt mit wenig Suchaufwand im Internet fast auf den Euro genau.

Vorsicht ist allerdings geboten bei Formulierungen wie „leistungsorientiert“ oder „leistungsbezogen“. In der Regel bedeutet das, dass du ein relativ niedriges monatliches Grundeinkommen erhältst, welches du mit nachweisbaren Arbeitsleistungen aufstockst. Gängig ist diese Vorgehensweise beispielsweise im Vertrieb, etwa wenn Provisionen für abgeschlossene Aufträge gezahlt werden. Das kann auf viele motivierend wirken, ist aber definitiv nicht für jeden etwas.

Kontaktaufnahme: Jetzt kannst du loslegen

„Haben wir Ihr Interesse geweckt?“ In der Regel befindet sich ein so oder ähnlich betitelter Abschnitt am Ende der Stellenanzeige. Womöglich fehlt er aber auch ganz und du findest lediglich einen dezenten Hinweis mit Kontaktinformationen vor. Erst jetzt solltest du entscheiden, ob du vorangegangene Frage mit einem „Ja“ beantworten möchtest.

Unternehmen weisen ferner häufig darauf hin, dass deine Bewerbungsunterlagen „vollständig“ oder „ausführlich“ sein sollten. Ein Hinweis, den du unbedingt ernst nehmen solltest.

Wenn du alle Unterlagen beisammen und dein Anschreiben formuliert hast: Feuer frei, schick die Bewerbung auf Reise! Übrigens: Wenn du den Ansprechpartner in der Adresszeile und der Anrede persönlich nennst, erhöhst du deinen Chancen auf den Job beträchtlich – selbst dann, wenn gar keiner explizit genannt wird.

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