Die Schweiz zählt zu den beliebtesten Einwanderländern und hat einen Ausländeranteil von etwa 20 Prozent. Vor allem Deutsche ziehen zahlreich in das kleine Land, für welches weder eine Fremdsprache erlernt werden muss noch gravierende kulturelle Unterschiede bestehen. Das mag zumindest stimmen, wenn du dich für eine Stadt im deutschsprachigen Teil der Schweiz entscheidest. Aber auch dort ist längst nicht alles wie in der Heimat. Wer langfristig in der Schweiz arbeiten möchte, sollte darauf vorbereitet sein.

Als Deutscher in der Schweiz arbeiten: Es ist nicht alles Gold, was glänzt

Es spricht viel dafür und auch einiges dagegen, sich einen Job in der Schweiz zu suchen. Viele Deutsche packt früher oder später das Heimweh, spätestens dann, wenn sie wirklich realisieren, dass die Schweiz ein eigenständiges Land ist und kein Bundesland. So mancher, der mit großen Erwartungen zu unseren südlichen Nachbarn zieht, bestellt früher oder später wieder den Umzugswagen und möchte nur noch weg. Andere können sich ein Leben woanders hingegen gar nicht mehr vorstellen, haben den Traumjob gefunden und kommen mit den Gepflogenheiten der Schweizer bestens klar. Wir zeigen dir die Vor- und Nachteile, die du kennen solltest, um als deutscher Arbeitnehmer in der Schweiz zu bestehen.

Gehalt in der Schweiz: Das liebe Geld

Die meisten in der Schweiz lebenden Deutschen sind wegen der Arbeit dort, genauer gesagt: wegen den deutlich höheren Löhne. Wer sich vorher jedoch nicht mit den Lebenshaltungskosten beschäftigt, kommt schnell auf den Boden der Tatsachen zurück. Grundsätzlich spricht man in der Schweiz zwar nicht über Löhne. Du findest aber über Google verschiedene Seiten, auf denen du Lohnvergleiche anstellen und die Kaufkraft berechnen kannst.

Der Lohn ist immer verhandelbar. Allerdings brauchst du hierbei Fingerspitzengefühl, um nicht vorlaut oder arrogant zu erscheinen. Bleibe also unbedingt realistisch, wenn du nach dem Lohn gefragt wirst. Beste Chancen auf ein attraktives Gehalt hast du in Berufen, für die es zu wenig inländische Fachkräfte gibt. Das sind vor allem Jobs in der Gastronomie, der Medizin und im Ingenieurwesen.

Wenn du nur befristet in der Schweiz arbeiten möchtest, um etwas Geld anzusparen und das wunderschöne Land zu genießen, kannst du dir eine günstige Bleibe, zum Beispiel in einer WG, suchen. Mit etwas Bescheidenheit kommst du auch mit einem durchschnittlichen Einkommen gut über die Runden.

Lebenshaltungskosten in der Schweiz

Lasse dich nicht von Zahlen blenden, bevor du dich nicht ausreichend über Mieten, Kosten für Krankenvorsorge, Steuern, KITA und dergleichen informiert hast. Das Gehalt mag in der Schweiz höher ausfallen – die Lebenshaltungskosten aber auch.

Die Arbeitsbedingungen in der Schweiz

Die Anstellungsbedingungen sind grundsätzlich anders als in Deutschland. Aus deutscher Sicht sind sie in einigen Bereichen sogar schlechter:

  • In gutbezahlten Jobs, vor allem in höherer Position, können durchaus bis zu 60 Wochenarbeitsstunden erwartet werden. Die 42-Stunden-Woche ist ansonsten üblich – nur wenige Arbeitgeber erwarten lediglich 40 Stunden, andere aber auch bis zu 45.
  • Pro Jahr gibt es 4 Wochen Urlaub, ab 50 Jahren und in Kaderpositionen (Führungskräfte aus Politik und Industrie) meist 5 Wochen. Bei längerer Krankheit kann der Urlaub gekürzt werden.
  • Ab 8 Arbeitsstunden pro Woche ist der Arbeitnehmer auch privat unfallversichert, die gesamte Krankenversicherung muss jedoch privat vom Lohn gezahlt werden.
  • Während die übliche, im Vertrag festgehaltene Kündigungsfrist 1 bis 3 Monate beträgt, kann während der Probezeit die Kündigung innerhalb von 7 Tagen erfolgen – auch bei Krankheit!
  • Wenn du dich bewährst, ist es durchaus möglich, dass sich aus einem befristeten Arbeitsverhältnis eine Festanstellung ergibt.
  • Als Elternteil musst du dich um einen KITA Platz oder eine zuverlässige Tagesmutter kümmern. Achtung: Kinderkrippen sind sehr teuer!

Die deutschen Kollegen sind in der Schweiz nicht immer beliebt

Es ist ein Unterschied, ob du mit Rucksack oder Koffer für ein paar Tage in die Schweiz kommst, um hier Urlaub zu machen, oder ob du mit dem Umzugswagen einreist. Als Tourist bist du vielen Schweizern willkommen, als Nachbar oder Arbeitskollege musst du damit rechnen, nicht überall mit offenen Armen empfangen zu werden. Das liegt übrigens nicht ausschließlich am Charakter der Schweizer, sondern zum großen Teil auch an der Art deiner Landsleute. Vorlautes, belehrendes Benehmen sowie das Verspotten der Sprache oder Traditionen der Schweizer, stoßen immer auf Ablehnung. Ein freundliches und natürliches Auftreten wird hingegen sehr geschätzt.

Die Mentalität der Schweizer

Grundsätzlich sind die Schweizer ein freundliches und sehr hilfsbereites Volk, aber arrogantes und allzu forsches Auftreten mögen sie gar nicht. Möchtest du in der Schweiz arbeiten, solltest du dich schon vor dem Vorstellungsgespräch mit der Mentalität der Landsleute auseinandersetzen.

Stellensuche in der Schweiz

Person an Laptop
In der Schweiz werden die meisten Stellen online ausgeschrieben.

Vor allem qualifizierten Arbeitnehmern bietet der Schweizer Arbeitsmarkt gute Perspektiven. In einigen Berufen sind allerdings eine Schweizer Ausbildung und der entsprechende Nachweis erforderlich. Während zum Beispiel Arbeitnehmer im Baugewerbe oder in der Gastronomie aufgrund ihrer Erfahrungen, Ausbildungen und Arbeitszeugnisse problemlos angestellt werden können, gilt es für diverse Berufszweige, einige bürokratische Hürden zu überwinden. Das betrifft zum Beispiel das Pflegepersonal. Abhängig vom Beruf sind verschiedene Schweizer Anerkennungsstellen zuständig. Hier findest du eine komplette Übersicht über die Anerkennung von ausländischen Berufsdiplomen in der Schweiz.

Fast nur noch online

Freie Stellen werden in der Schweiz nur noch selten in der Tageszeitung ausgeschrieben. Wir empfehlen dir, dich auf Webseiten von Unternehmen, die für dich interessant sind, umzusehen. Die meisten Firmen schreiben freie Stellen nämlich direkt auf der eigenen Homepage aus, weshalb du die Besonderheiten einer Online-Bewerbung kennen solltest.

Natürlich gibt es auch in der Schweiz zahlreiche Stellenportale, auf denen du online nach einem Job suchen kannst. Wir haben einige seriöse Stellenanzeiger zusammengetragen:

Außerdem gibt es branchenspezifische Stellenbörsen und Arbeitsvermittler wie „Manpower“ oder „Adecco“. Je nach Entfernung kannst du direkt aus Deutschland auf Jobsuche in der Schweiz gehen und Vorstellungsgespräche wahrnehmen. Der öffentliche Verkehr ist im ganzen Land vorbildlich und von Flughäfen und Bahnhöfen kommst du mit Bus, Straßenbahn oder Mietwagen innerhalb kurzer Zeit praktisch überall hin.

Saisonstellen – befristete Arbeit in der Schweiz

Wenn du nur vorübergehend einen Tapetenwechsel brauchst oder einfach erstmal schauen möchtest, ob die Schweiz das richtige Auswanderland für dich wäre, bietet es sich an, einen Vertrag für eine Saisonstelle zu unterschreiben. Eine solche wirst du garantiert immer finden: In der Hotellerie, in der Gastronomie und von Bergbahnen werden vor allem in der Hauptsaison ständig händeringend motivierte Mitarbeiter gesucht.

Erntehelfer in der Schweiz

Auch die Landwirtschaft ist auf helfende Hände angewiesen – vor allem im Sommer während der Ernte und Heuernte. Du könntest auch einen Sommer auf einer Alp verbringen. Dort verdienst du zwar kaum mehr als ein gutes Taschengeld, aber hast auch keinerlei Ausgaben, denn Kost und Logis sind inbegriffen.

Bewerben in der Schweiz – was ist zu beachten?

Grundsätzlich unterscheidet sich die Stellenbewerbung in der Schweiz kaum von der in Deutschland, das heißt: Die Bewerbungsunterlagen, die du in deiner Heimat verwendest, kannst du auch an Schweizer Arbeitgeber verschicken.

Achte darauf, im Motivationsschreiben freundlich und sympathisch deine Motivation, in der Schweiz arbeiten zu wollen, deutlich zu machen. Hast du bereits einen Bezug zur Schweiz, kannst du diesen angeben, ohne zu weit auszuholen.

Zum Beispiel: „Ich komme seit über zehn Jahren zum Wanderurlaub in die Schweiz und verspüre immer mehr den Wunsch, in diesen wunderschönen Land zu arbeiten und zu leben.“

Du solltest es zudem vermeiden, schlecht über dein Herkunftsland zu sprechen, um deine Motivation für eine Arbeit in der Schweiz zu verdeutlichen.

Vergiss nicht, eine Telefonnummer anzugeben, unter der du tagsüber gut erreichbar bist. Die Ländervorwahl für Deutschland ist +49 und sollte bei einer Bewerbung im Ausland immer mit angegeben werden. Wirf einen kritischen Blick auf deine öffentlichen Profile in den sozialen Medien, allen voran Facebook: Personalverantwortliche googeln gerne die Bewerber, die sie zum Vorstellungsgespräch einladen möchten. Politische und rassistische Einträge, Fotos von feuchtfröhlichen Festen und Mottos im Sinne von „Ich bin der Boss“ oder „Mir stinkt einfach alles!“ verbauen dir den Weg in die Schweizer Arbeitswelt.

Vorstellungsgespräche in der Schweiz: Achtung, Fettnäpfchen!

Zwei Personen tunken Essen in ein Käse-Fondue.
Auch das Zwischenmenschliche ist in der Schweiz sehr wichtig. Du solltest aufpassen, dass du nicht in ein Fettnäpfchen trittst.

Eine Einladung zum Vorstellungsgespräch ist ein riesiger Meilenstein auf deinem Berufsweg in die Schweiz. Neben deinen fachlichen Qualifikationen zählen in der Schweiz auch die inneren Werte und Umgangsformen. Das heißt: Der neue Mitarbeiter muss auch menschlich ins Team passen.

Deutsche Bewerber stellen sich dabei oftmals selbst unbewusst ein Bein. Damit dir das nicht passiert, haben wir hier eine Liste von absoluten No-Gos zusammengestellt.

No-Gos beim Bewerbungsgespräch in der Schweiz

  • Natürlich ist ein selbstbewusstes Auftreten im Vorstellungsgespräch wichtig, doch achte darauf, dass du nicht zu selbstsicher oder gar von oben herab auftrittst. So ein Auftreten wird in der Schweiz schnell negativ bewertet.
  • Versuche auf keinen Fall, Schweizerdeutsch zu sprechen. Auch ein „Grüezi“ erwartet niemand, sofern du nicht bereits in der Schweiz lebst. Allerdings sind auch „Grüß Gott“ oder „Moin Moin“ tabu.
  • Dein Gesprächspartner wird mit dir Schweizerhochdeutsch sprechen. Das heißt, er vermeidet seinen Dialekt und spricht Deutsch mit dem bei Deutschen so beliebten Schweizer Akzent. Das verlangt die Schweizer Höflichkeit Ausländern gegenüber. Ein lustiger Kommentar oder auch ein Kompliment sind hier jedoch fehl am Platz.
  • Am besten gibst du dich ganz natürlich und beantwortest Fragen freundlich und offen. Sei dir einfach bewusst, dass sich die Schweizer Mentalität von der deutschen unterscheidet. Du darfst nervös sein und das auch zugeben.
  • Allgemeine Fragen nach deinen Stärken und Schwächen sind auch in der Schweiz sehr beliebt, also bereite dich gut darauf vor.
  • Es ist höflich und allgemein üblich, sein Gegenüber mit Händedruck, Grußformel und Namen zu begrüßen und zu verabschieden. Beispiel: „Guten Tag, Herr Kägi“ oder am Ende des Gesprächs: „Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben. Auf Wiedersehen Frau Lehmann“.
  • Wahrscheinlich wird dir ein Kaffee oder ein Glas Wasser angeboten. Es wäre unhöflich, das Getränk abzulehnen.

Deutsche Bewerber stellen in Vorstellungsgesprächen außerdem oft das Finanzielle in den Mittelpunkt. Du solltest allerdings warten, bis die Frage über die Lohnvorstellungen zum Ende des Gesprächs aufkommt.

Nun ist eine gute Vorbereitung wichtig: Erkundige dich vorab über den durchschnittlichen Verdienst und wäge deine eigene Qualifikation ab, um nicht zu wenig oder deutlich zu viel zu verlangen. Auf der Seite der Schweizer Behörden gibt es sogar einen Lohnrechner, der dir anhand deines Alters, deiner Ausbildung und Erfahrung errechnet, wie dein Lohn in der Schweiz aussehen könnte.

Rechtliche Grundlagen: Arbeiten in der Schweiz

Wie jedes andere Land auch hat die Schweiz rechtliche Vorschriften, die für ausländische Arbeitnehmer gelten. Das Zulassungssystem für den Schweizer Arbeitsmarkt ist relativ komplex, doch auf der Webseite der Schweizer Behörden findest du alle wichtigen Informationen rund um deine Rechte und Pflichten für eine Arbeit in der Schweiz. Wir haben für dich dennoch einen kurzen Überblick zusammengefasst.

Als Ausländer in der Schweiz arbeiten: Brauche ich eine Aufenthaltsgenehmigung?

Für Personen, die aus einem EU oder EFTA-Staat (Europäische Freihandelsassoziation) stammen, gelten zwei unterschiedliche Kategorien:

  • Kurzfristige Erwerbstätigkeit, weniger als 3 Monate: Solltest du einen Job annehmen, bei dem du weniger als 90 Tage in der Schweiz arbeitest, benötigst du keine Bewilligung. Dein Arbeitgeber muss dich jedoch über ein elektronisches Meldeverfahren anmelden. Diese Meldung muss spätestens einen Tag vor deinem Arbeitsbeginn erfolgen.
  • Erwerbstätigkeit, länger als drei Monate: Solltest du planen, länger als 90 Tage in der Schweiz zu arbeiten, brauchst du eine Aufenthaltsbewilligung. Bevor du die Stelle antrittst, musst du dich bereits mit einem gültigen Pass in der Wohngemeinde melden. Zudem benötigst du eine Arbeitsbescheinigung deines Arbeitgebers. Solltest du selbstständig sein, musst du deine Geschäftsbücher vorlegen, um nachzuweisen, dass du deinen Unterhalt bestreiten kannst.

Sozialversicherungen in der Schweiz

Krankenversicherung
Die Krankenversicherung ist auch in der Schweiz Pflicht. Spätestens nach drei Monaten Aufenthalt bist du dazu verpflichtet, dich bei einer schweizerischen Krankenversicherung zu versichern. Falls du deinen Wohnsitz in einem anderen EU-Staat hast, kann es jedoch auch sein, dass du die Wahl hast, wo du dich versichern möchtest. Die Krankenversicherung musst du jedoch von deinem Lohn selbst bezahlen.

Rentenversicherung
Sobald du einen Job in der Schweiz hast, bist du automatisch bei der Alters- und Hinterlassenenvorsorge (AHV) sowie bei der Invalidenversicherung versichert.

Arbeitslos in der Schweiz:
Solltest du deinen Job verlieren oder kündigen, musst du dich auch in der Schweiz beim regional zuständigen Arbeitsvermittlungszentrum melden. Solltest du allerdings nicht in der Schweiz leben, beziehst du das Arbeitslosengeld weiterhin über dein Wohnsitzland.

Natürlich gibt es noch zahlreiche weiteren Regeln und Verpflichtungen rund um das Arbeiten in der Schweiz. Die Webseite der Schweizer Behörden bietet dazu alle Information noch einmal im Detail an.

Bildnachweise: branislavpudar / Shutterstock.com; Burst / Unsplash.com; angela pham / Unsplash

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