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Stressfragen im Vorstellungsgespräch

Stressfragen im Vorstellungsgespräch

So mancher Bewerber blickt dem Einstellungsgespräch mit Grauen entgegen. Nicht ganz ohne Grund, denn die Stressfragen im Vorstellungsgespräch haben es in sich. Personaler wenden diese fiese Fragetechnik an, um einen Blick hinter die einstudierte Bewerberfassade werfen zu können. Was für die Bewerbungskandidaten einem regelrechten Belastungscheck gleichkommt, ist für die Unternehmen jedoch eine notwendige Maßnahme, um am Ende eine Personalentscheidung zu treffen, die sich auch langfristig als eine gute Entscheidung herausstellen wird. Warum Recruiter die Bewerber mit Stressfragen im Vorstellungsgespräch auf den Prüfstand stellen und wie du den Belastungstest im Einstellungsgespräch bestehst, ist Thema dieses Ratgebers, in dem wir viele Tipps für dich bereithalten.

Bewerbungsverfahren – das Hau den Lukas der Bewerbungskandidaten

Da du auf Jobsuche bist, erzählen wir dir nichts Neues. Jeder Bewerber legt sich mächtig ins Zeug, um in Sachen Bewerbung alles richtig zu machen. Anschreiben und Lebenslauf werden nach DIN 5008 erstellt, jeder Satz wird auf die Goldwaage gelegt und mit Feinschliff auf eine High-End-Performance getrimmt. Zudem will natürlich jeder Bewerber seine Bewerbungsunterlagen so gestalten, dass der Personaler den bestmöglichen Eindruck vom Bewerbungskandidaten erhält. Außerdem gilt es auch, sich mit der eigenen Bewerbungsmappe von der Konkurrenz abzuheben und im Bewerbungsverfahren klarzumachen: „Ich bin der beste Kandidat, um die Stelle zu besetzen.”

Mit ähnlicher Präzision gehen die Bewerber an die Vorbereitung zum Vorstellungsgespräch heran. Es wird recherchiert, mit welchen Fragen des Personalers zu rechnen ist und wie man am besten darauf antwortet. Idealerweise werden Antworten auf alle möglichen Fragestellungen zurechtgelegt und akribisch auswendig gelernt, damit einem im Bewerbungsgespräch bloß keine Fehler unterlaufen. Die Bewerber werden dank hervorragender Vorbereitung zu Bewerbungsprofis und liefern sich im Bewerbungsverfahren ein regelrechtes Kräftemessen. Beim Hau den Lukas der Bewerber wollen alle Stellensuchenden die beste Bewerbungsperformance abliefern – aber dies hat einen entscheidenden Haken:

Bewerbungen enthalten kaum mehr verwertbare Informationen, die aussagekräftige Rückschlüsse auf die Soft Skills der Bewerber zulassen.

Headhunter sind deshalb gezwungen, durch Stressfragen im Bewerbungsgespräch den Bewerber oder die Bewerberin aus der Reserve zu locken, um das Konzept der bestmöglichen Vorbereitung zu unterbrechen. Indem im Bewerbungsgespräch Jobsuchende mit trickreichen Fragestellungen unter Stress gesetzt werden, ist es bei Stressfragen kaum mehr möglich, auf standarisierte Floskeln zurückzugreifen. Jetzt sind Spontanität und Ehrlichkeit gefragt. Dies eröffnet dem Personaler fast immer einen Blick auf die wahre Persönlichkeit des Bewerbers - ungeschönt und ohne eingeübte Maskerade.

Der Blick hinter die Fassade: Worauf zielen Stressfragen im Vorstellungsgespräch ab?

Bildungsstand, berufliche Qualifikation und fachliches Wissen sind knallharte Fakten, die sich durch Zeugnisse, Diplome und Zertifikate nachweisen und oft sogar anhand des beruflichen Werdegangs im Lebenslauf erahnen lassen. Ganz anders sieht es mit den persönlichen Fähigkeiten aus, die maßgeblich darüber mitentscheiden, wie teamfähig, zuverlässig, ehrlich und nützlich ein Bewerber sich im Arbeitsverhältnis für das Unternehmen erweisen wird. Jedenfalls sagen feingeschliffene Bewerbungsunterlagen und eingeübte Standardantworten über diese Soft Skills nichts aus.

Gerade noch in der ersten Gesprächsphase des Vorstellungsgesprächs vom Personaler mit freundlichem Smalltalk eingelullt und in vermeintlicher Sicherheit gewogen, holt der Headhunter in der zweiten Gesprächsphase mit der Stress-Keule aus, um den Bewerber zu verunsichern.

Stressfragen bringen den Bewerber aus dem Konzept, sodass dieser weitestgehend unvorbereitet und spontan im Bewerbungsgespräch reagieren muss. Der bewusst erzeugte Stresslevel macht es dabei fast unmöglich, sich mit dem Hintergrund der aufgeworfenen Fragestellung zu beschäftigen und sich dabei gleichzeitig auf eine sinnvolle Beantwortung der Stressfrage zu konzentrieren. Der Bewerber kann dabei eigentlich nur ins Schlittern geraten und entweder

  • das in der Bewerbung errichtete Gebäude aus beschönigenden Schwindeleien zum Einstürzen bringen

oder

  • die Hosen runterlassen und die ungeschminkte Wahrheit präsentieren. Von Bedeutung für den Personaler sind beispielsweise diese Soft Skills:
  • persönliche Kompetenz (z. B. Selbstbewusstsein, Selbsteinschätzung)
  • soziale Kompetenz (Umgang mit anderen Menschen)
  • methodische Kompetenz (strategisches Denken und Herangehensweisen)
  • emotionale Intelligenz (Einfühlungsvermögen und Basis aller anderen Soft Skills)

Verfügt der Bewerbungskandidat neben Fachkompetenz auch über adäquate persönliche und soziale Fähigkeiten, ist davon auszugehen, dass er als Mitarbeiter für das Unternehmen einen Nutzen darstellt und nicht damit zu rechnen ist, dass er Probleme verursacht.

Damit der Personaler es durch Stressfragen im Vorstellungsgespräch schafft, den Bewerber auf Herz und Nieren zu durchleuchten, ist eine geeignete Fragetechnik notwendig. Doch sei dir sicher: Der Headhunter versteht seinen Job und nutzt erprobte Methoden, um dich auszuquetschen und verborgene Informationen über deine Persönlichkeit in Erfahrung zu bringen. Mit welchen stressigen Fragearten dies gelingt, verraten wir dir im nächsten Abschnitt.

Verschiedene Stressfragen und deren Bedeutung

Bei den Stressfragen im Bewerbungsgespräch kommt es nicht immer auf den Inhalt der Antwort an, sondern häufig ist die Reaktion auf die erhobene Fragestellung verräterisch und entlockt die Informationen, um die es dem Headhunter geht. Es wird zwischen verschiedenen Arten von Stressfragen und Stressauslösern unterschieden:

Analogiefragen
Hierbei geht es um einen Vergleich zweier Dinge oder zweier Eigenschaften. Solche Stressfragen beginnen häufig mit „Wenn Sie die Möglichkeit haben, sich für x oder für y zu entscheiden ...” oder „Wenn Sie an x denken, wie fühlen Sie sich dann?”. Mit dieser Fragetechnik will der Personalentscheider die Werte des Bewerbers herausfinden. In der Regel ist bei diesen Fragestellungen der goldene Mittelweg ganz gut. Finde bei Auswahlmöglichkeiten für beide Varianten einen Vorteil und einen Nachteil. Ist nur eine (kursiv) Entscheidung gefragt, beziehe noch eine Alternativ-Entscheidung in die Antwort mit ein.

Fangfragen
Bei dieser Fragemethode klingt die Frage zunächst harmlos, doch sie hat es in sich. Dem Bewerber werden dabei Antworten abgerungen, die meist mit einer negativen Aussage oder einem negativen Zugeständnis einhergehen. Meist beziehen sich die stressproduzierenden Fangfragen auf den vorigen Chef oder das letzte Arbeitsverhältnis. Es wird beispielsweise die Loyalität hinterfragt. Relativiere deine Antwort, indem du ergänzt, wie bzw. was du daraus gelernt hast. Wirst du dazu genötigt, Kritik am ehemaligen Arbeitgeber zu üben, kritisiere nur dezent und ergänze einen Vorteil, der alles wieder wettmacht.

Trichterfragen
Eine raffinierte Fragetechnik im Vorstellungsgespräch, bei der zunächst unverfängliche Fragen zum letzten Job gestellt werden. Anfangs gleicht dieser Fragenkomplex einer netten Fachsimpelei, die dann aber vom Headhunter immer mehr zugespitzt wird, bis du dich dann einer fast verhörähnlichen Situation ausgesetzt siehst. Der Personaler geht immer mehr ins Detail. Dabei fliegt jede kleine anfängliche Schwindelei auf und führt dazu, dass man sich immer mehr in Widersprüche verwickelt, wenn man es am Anfang mit der Wahrheit nicht so genau genommen hat. Deshalb: Sei im Vorstellungsgespräch immer ehrlich!

Provokante Fragen
Die Stresstrigger werden nicht immer als Frage formuliert, sondern häufig in Form einer provokativen Bemerkung in den Raum geworfen. In der Regel wird eine abwertende Äußerung getätigt, die darauf abzielt, den Bewerber in ein schlechtes Licht zu rücken. Möglich ist auch eine provokative Forderung (z. B. “Beschreiben Sie meinen Charakter!”). Etwas Humor in Verbindung mit einem guten Selbstbewusstsein kann nicht schaden, solange es nicht ins Lächerliche übergeht. Die Antworten bleiben sachlich und freundlich. Dazu folgt weiter unten noch ein Beispiel.

Brainteaser
Der Recruiter nimmt dein Gehirn mit komplexen Knobelaufgaben in den Schwitzkasten. Üblicherweise hilft fachliche Kompetenz beim Lösen dieser Kopfnüsse nicht, denn es handelt sich dabei meist um Aufgaben, die scheinbar nicht lösbar sind oder absurde Wahlmöglichkeiten offerieren. Ein sehr beliebter Brainteaser ist beispielsweise die Frage nach dem Gesamtgewicht aller Häuser einer Stadt. Die Suche nach einer richtigen Antwort ist ein absoluter Stressgarant, der selbst das cleverste Superbrain nervös macht. Tipp: Eine unlösbare Aufgabe muss nicht gelöst werden. Vielmehr solltest du dich darauf konzentrieren, wie du dich einer möglichen Lösung mit logischem Denken annähern kannst. Denn der Personaler will von dir wissen, mit welcher Herangehensweise du dich komplexen Aufgaben widmest.

Schweigen
Du bist zum Vorstellungsgespräch eingeladen und rechnest mit einer Vielzahl an Fragen und Stressfragen, auf die du dich ordentlich vorbereitet hast. Womit du nicht rechnest: Schweigen! Inmitten des Gesprächs, idealerweise nach einer Antwort von dir, hält der Personaler plötzlich inne und sagt kein Wort. Sekunden des Schweigens kommen dir wie Stunden vor und du denkst sofort: Mit der letzten Antwort hast du die Chancen auf den angestrebten Job endgültig vermasselt. Das muss nicht sein. Wahrscheinlich unterzieht dich der Personaler gerade dem nächsten Stresstest, in dem er deine Belastungsfähigkeit unter die Lupe nimmt. Wie gehst du mit seinem Schweigen um? Lähmt dich deine Nervosität oder findest du eine Lösung, um diese Situation adäquat zu meistern? Übergehe deine Unsicherheit und das Schweigen, indem du nach angemessener Wartezeit einwirfst, dass du noch die ein oder andere Frage zum Unternehmen oder zum Jobangebot hast.

Typische Stressfragen im Bewerbungsgespräch: Beispiele & Erklärungen

Um sich gut in den Job mit einzubringen, sind fachliche Fähigkeiten zwingend erforderlich. Allerdings entscheiden die Soft Skills darüber, wie die tägliche Zusammenarbeit mit einem Mitarbeiter verlaufen wird. Da man als Bewerber in einer kreativ gestalteten Bewerbung insbesondere über die eigene Persönlichkeit viel behaupten kann, entscheiden sich Personaler im Vorstellungsgespräch dafür, mit Stressfragen die persönliche und soziale Kompetenz des Bewerbers herauszufinden. Um Soft Skills zu überprüfen, gehört die Verhaltensanalyse der Person unter Stress zu den erfolgreichsten Methoden. Jetzt folgen 5 Beispiele für typische Stressfragen im Vorstellungsgespräch.

Stressfrage 1: Welche drei Gegenstände würden Sie auf eine einsame Insel mitnehmen?

Hier wird eine hypothetische Fragestellung aufgeworfen, die es in sich hat. Wahrscheinlich hat der Personaler sich bereits selbst den Kopf darüber zermartert, welche Dinge er dabei haben würde. Er ist davon überzeugt, dass die von ihm ausgewählten Dinge die besten sind. Nun bist du an der Reihe, dich für unverzichtbare Utensilien zu entscheiden. Selbstverständlich kannst du frei entscheiden, was in dein Reisegepäck gehört. Aber dein Gesprächspartner will eine Begründung hören, warum du dich genau für diese Dinge entscheidest. Vielleicht misst er deine Werte auch an seinen! Idealerweise wählst du eine Kombination von Dingen aus, die deine intellektuellen Bedürfnisse stillen und praktischen Nutzen haben. Dies könnte beispielsweise ein Buch, ein Sportgerät und ein Taschenmesser oder eine Angel sein. Mit dem Lesen hältst du deinen Kopf, mit dem Sportgerät deinen Körper fit. Es scheint, als würdest du Wert auf deine Gesundheit legen – du bist also selten krank. Die Angel ist ein praktisches Tool, das Hilfe zur Selbsthilfe ermöglicht. Auf einer einsamen Insel gibt es keine Restaurants, aber mit der Angel kannst du deine Nahrung selbst fangen. Du bist also ein lösungsorientierter Pragmatiker und setzt diese Fähigkeit vermutlich auch in der Arbeitswelt nutzvoll ein.

Stressfrage 2: Welche Frage sollte ich Ihnen nicht stellen?

Bei dieser Interviewfrage explodiert das Stressbarometer im Bruchteil einer Sekunde. Denn alleine die Beantwortung ist eine Konfrontation genau damit, worauf du gar nicht angesprochen werden willst. Zudem gehst du davon aus, dass sofort nach dem Beantworten ebendiese Frage als Nächstes im Vorstellungsgespräch drankommen wird. Es bieten sich gleich mehrere Möglichkeiten an, auf diese Frageart richtig zu reagieren.

Entweder stellst du dich der Situation und verrätst deinem Gesprächspartner, bei welchem Thema er nicht nachfragen soll – dabei rechnest du natürlich damit, genau darauf angesprochen zu werden. Oder aber, du benennst ein oberflächliches Thema wie etwa Politik oder Privatleben und begründest dies zeitgleich damit, dass solche Themen im beruflichen Umfeld nicht angemessen sind.

Kommt diese stressige Frage auf, will der Personaler herausfinden, in welchem Bereich du ein Geheimnis verbirgst oder wo dein wunder Punkt ist. Deine Reaktion gibt Aufschluss über deine Ehrlichkeit und zeigt dem Personalverantwortlichen unter Umständen, wie reizbar du bist. Übrigens: Folgt nach deiner Reaktion eine Anschlussfrage, auf die du nicht eingehen willst, weise freundlich und mit einem Augenzwinkern darauf hin, dass es sich ja um eine Frage handelt, die gar nicht erst gestellt werden sollte, und du sie deshalb auch nicht beantworten möchtest.

Stressfrage 3: Was würden Sie mit einem großen Lottogewinn machen?

Ein Luxusauto kaufen, auf Weltreise gehen und den Job hinschmeißen! Falsch? Richtig! Obwohl sehr viele Menschen sich nichts sehnlicher wünschen, als finanziell unabhängig zu sein, nicht mehr arbeiten zu müssen oder sich den lang gehegten Wunsch nach beruflicher Selbständigkeit erfüllen zu können. Der Arbeitgeber will herausfinden, ob du dich sinnvoll – idealerweise mit deinem Beruf – beschäftigst und ob es dir wichtig ist, durch eine geregelte Arbeit deinem Leben eine Struktur zu geben.

Zwar ist die Berufstätigkeit auch Mittel zum Zweck, um Geld zu verdienen. Allerdings bestätigen Studien immer wieder, dass die Forderung im Job und das Gefühl, sich nützlich zu machen, der seelischen und körperlichen Gesundheit zuträgt. Wer in der Berufswelt regelmäßig Erfolgserlebnisse hat, genießt ein besseres Selbstwertgefühl und achtet mehr auf sich.

Doch wie antwortet man am besten auf diese Stressfrage im Vorstellungsgespräch? Ehrlich? Oder doch lieber unverfänglich? Beides ist möglich. Wenn du im Falle eines großen Lottogewinns wirklich kündigen würdest, kannst du dies durchaus einräumen, indem du darauf verweist, dass es sich um eine fiktive Vorstellung handelt und du ohnehin kein Lotto spielst.

Eine zweite Art, dieser Fragestellung zu begegnen: Die Wahrscheinlichkeit, einen hohen Lottogewinn zu machen, ist so gering, dass du zwar viele Ideen hast, aber ob und welche du davon tatsächlich in die Realität umsetzen würdest, kannst du nicht voraussagen.

Hast du eine soziale Ader und würdest zum Beispiel ein karitatives Projekt unterstützen, eine Stiftung ins Leben rufen oder in irgendeiner Form bedürftigen Menschen helfen wollen? Dann erwähne dies unbedingt, falls diese stressige Frage im Vorstellungsgespräch aufkommt. Deine Bereitschaft, deinen Lottogewinn für soziales Engagement einzubringen, verschafft dir Pluspunkte! Aber nur dann, wenn dies auch glaubwürdig rüberkommt.

Stressfrage 4: Verkaufen Sie mir diesen Kugelschreiber!

Der Personaler legt dir im Vorstellungsgespräch einen billigen Kugelschreiber vor und fordert dich auf, diesen an den Mann zu bringen. Hier geht es einerseits um dein Verkaufstalent, das nicht zwingend mit deinen kaufmännischen Fähigkeiten zu tun hat, sondern vielmehr damit, wie du an diesen Einstellungstest herangehst und wie du deine Soft Skills dazu nutzt, um Menschen zu überzeugen.

  • Kannst du das Produkt gut präsentieren?
  • Kannst du dich gut präsentieren?
  • Verstehst du es, die Persönlichkeit deines Gegenübers richtig einzuschätzen?
  • Hast du Überzeugungskraft?

Dieser Stresstest hinterfragt beispielsweise deine Führungsqualitäten und deine Kreativität. Daher kann diese stressverursachende Aufforderung in allen beruflichen Bereichen vorkommen.

Andererseits wird auch deine Nervenstärke auf eine Belastungsprobe gestellt, wenn der Personaler während deiner Kugelschreiber-Präsentation gelangweilt guckt und ein kritischer Blick dem nächsten folgt. Egal, wie sehr du dich ins Zeug legst, erweckt der Recruiter nicht den Eindruck, als würdest du gerade echte Überzeugungskraft abliefern. Es ist klar, worauf der Headhunter hinaus will. Er will sehen, ob du aufgibst, verzweifelst und resignierst oder ob du solange in die Trickkiste greifst, bis du ihn doch überzeugt hast. Wortwitz und ein gezielt eingesetztes Augenzwinkern an der richtigen Stelle können bei dieser kniffligen Stresssituation wahre Wunder bewirken.

Stressfrage 5: Sie sind aber schon ziemlich lange auf Jobsuche!

Diese provokative Äußerung ist ein Frontalangriff gegen dich und somit ein extremer Stresstrigger. Er wird bevorzugt angewandt, wenn der Bewerber nur einige Wochen oder Monate ohne Beschäftigung ist und diese Provokation fast schon einer Beleidigung gleichkommt. Unterstellt diese Anmerkung des Personalers doch, dass man ein schlechter Bewerber auf dem Arbeitsmarkt sei, nicht ausreichend qualifiziert sei oder sich nicht ausreichend um einen Job bemühe.

Zeige Nervenstärke und lasse dich nicht verunsichern. Du weißt, was du kannst und du weißt, dass dein Selbstbewusstsein und deine Gelassenheit gerade auf den Prüfstand gestellt werden. Wahrscheinlich ist dies eine der Herausforderungen, die dir nach dem erfolgreichen Vorstellungsgespräch alltäglich in deinem neuen Job begegnen. Vielleicht, weil du mit stressigen Kundenreklamationen zu tun hast oder hohe Belastungen zum Jobprofil gehören und das Stresspotenzial am Arbeitsplatz besonders hoch ist.

Reagiere also sachlich auf diesen Stresstest und erkläre, dass 8 Wochen, 3 Monate oder ein halbes Jahr für die Jobsuche heute nicht ungewöhnlich sind, da es neben dir eine Vielzahl weiterer qualifizierter und engagierter Bewerber gibt und die Anzahl der Arbeitsstellen leider begrenzt ist. Auch bei dieser Stressfrage im Vorstellungsgespräch empfiehlt es sich, dass du selbstbewusst bleibst und keine Selbstzweifel aufkommen lässt. Eine Beispielantwort auf diese Stressfrage:

Finden Sie? Ich bin der Ansicht, dass eine Jobsuche über 3 Monate für heutige Zeiten nicht außergewöhnlich lange ist. Es gibt schließlich viele weitere qualifizierte Mitbewerber. Demgegenüber stehen leider nur wenige Stellenangebote. Wie wäre es, wenn Sie sich für mich als neuen Mitarbeiter entscheiden? Dann wäre meine Jobsuche beendet!

Extratipp: Informiere dich, wie lange durchschnittliche Jobsuchende brauchen, um einen neuen Job zu finden. Perfekt, wenn du unterhalb des durchschnittlichen Wertes liegst und das im Gespräch anführen kannst. Wirke dabei jedoch nicht allzu glücklich, dass du noch nicht so lange auf der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz bist, sondern fokussiere dich viel mehr auf die Tatsache, dass es nur selten gelingt, unterhalb dieses Durchschnittswertes eine neue Arbeitsstelle zu bekommen.

Stressfragen im Vorstellungsgespräch – nie persönlich nehmen

Stressige Fragen im Bewerbungsgespräch sind nur deshalb erfolgreiche Stresstrigger, weil sie den Bewerber in eine Situation bringen, in der sie spontan auf eine Situation reagieren müssen, auf die sie nicht vorbereitet sind. Aus diesem Grund wenden Personaler diese Interviewmethode auch an. Denn in einer überraschenden Situation zeigt sich das wahre Gesicht des Bewerbers und Rückschlüsse auf Soft Skills werden möglich. Allerdings trifft es heute nicht mehr zu, dass Bewerber sich vollkommen unvorbereitet mit Stressfragen und provokanten Anspielungen im Vorstellungsgespräch konfrontiert sehen. Alleine das Wissen, dass in Vorstellungsgesprächen mit solchen Stresssituationen zu rechnen ist, macht es leichter, im Gespräch damit gelassener umzugehen.

Keinesfalls solltest du vermeintliche Angriffe auf deine Persönlichkeit und/oder deine Qualifikationen persönlich nehmen und dich herablassend behandelt fühlen. Das Stressen ist ein Einstellungstest, der dir die Chance eröffnet, besonnen, selbstbewusst und clever den Personaler von deinen Kompetenzen zu überzeugen.

Gehe deshalb nicht mit der Erwartungshaltung in das Vorstellungsgespräch, jederzeit die perfekte und richtige Antwort zu liefern, sondern dich professionell zu verhalten und deine sozialen Kompetenzen unter Beweis zu stellen. Damit zeigst du, dass du zuverlässig, ehrlich und teamfähig bist – das ist es, was der Personaler braucht, um den richtigen Bewerber für die vakante Stelle zu finden.

Sollte es bei diesem Arbeitgeber mit der Jobzusage nicht klappen, bedeutet das nicht, dass du beim Vorstellungsgespräch versagt hast. Denn angesichts der Vielzahl an Bewerbern ist es auch dem Glück geschuldet, unter vielen Konkurrenten der zu sein, der am Ende den Arbeitsvertrag in der Tasche haben wird.